Bamberg
Erba

Ein etwas anderes Denkmal

Ein Jurist mit einem Faible für Kunstgeschichte kaufte das ehemalige Direktionsgebäude. Bei der Sanierung entpuppte sich ein Bretterverschlag im ersten Stock als repräsentativ bemalter Wintergarten.
Der restaurierte Wintergarten ist der ganze  Stolz des Hausbesitzers (rechts).  Bewohnen wird ihn  ein Mieter.   Foto: Matthias  Hoch
Der restaurierte Wintergarten ist der ganze Stolz des Hausbesitzers (rechts). Bewohnen wird ihn ein Mieter. Foto: Matthias Hoch
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"Das gibt's in Bamberg sonst nirgends!" Stolz und Freude schwingt in der Stimme des Hausherrn auf dem Weg zum Wintergarten im ersten Stock: Es ist ein 80 Quadratmeter großer Raum, Licht durchflutet von drei Seiten, mit pompejanischer Bemalung an der Decke und den Wänden.

Kaum zu glauben, dass davon nichts mehr zu sehen war, als der heutige Besitzer das Anwesen 2008 erwarb. Er beschreibt den damaligen Zustand so: Fenster waren zugemauert, Wände eingezogen, Mauern tapeziert. Vom Wasserschaden einer dort installierten Toilette (!) waren große Teile des Holzbodens morsch geworden. Kurzum: Niemand schien vor vier Jahren auch nur zu ahnen, was dort zum Vorschein kommen würde.

Stolzer Besitzer des ehemaligen Erba-Direktionsgebäude ist ein Bamberger Rechtsanwalt, der nicht genannt sein will. Er hat es zusammen mit dem ehemaligen Pförtnerhaus gleich vorne rechts an der Erba-Brücke gekauft, beides sanieren lassen und vermietet. Nicht als Rendite-Objekt betrachte er seine Investition, sondern weil er "'was Schönes für Bamberg tun wollte", sagt der Eigentümer. Er nahm dafür nach eigenen Angaben gut drei Millionen Euro in die Hand.

Was ihn an dem Einzeldenkmal von Anfang an begeisterte, ist dessen Lage: "Mitten in der Stadt, am Wasser und in einem Park." Das Grundstück grenzt im Westen an den linken Regnitzarm, im Osten an den alten Erba-Garten mit seinem Springbrunnen. Je nachdem, auf welcher Seite er aus dem Wintergarten ins Grüne schaut, fühlt sich der Hausherr an die Tuilerien in Paris oder die Grachten in Amsterdam erinnert. Trotzdem wird er nicht selbst einziehen. Er hat die Bel Etage an einen Arzt vermietet.

Das Haus ist älter als der Wintergarten. Es wurde 1858 gebaut, der Anbau folgte wohl Ende des 19. Jahrhunderts. Kirchenmalermeister Harald Spitzner, der die Malereien im Wintergarten und an einer Zimmerdecke restaurierte, geht davon aus, dass das Anwesen in einer ersten Erweiterung mit dem benachbarten früheren Baumwolllager ebenerdig verbunden wurde. Auf dem Zwischenbau ließ sich dann in der zweiten Erweiterungsphase der Verwalter den Wintergarten bauen und vergrößerte damit seine Wohnung im ersten Stock ganz beträchtlich.
Auch in der Ausstattung des Wintergartens spiegelte sich der Reichtum der Industrie im 19. Jahrhundert, gibt Architekt Heinz Rosenberg zu bedenken: "Man hat Geld ausgegeben, um sich darstellen zu können. "

Industrie und Repräsentation


Überhaupt: Das Besondere an diesem für Bamberger Verhältnisse jungen Einzeldenkmal ist aus Experten-Sicht diese Mischung aus Industriegebäude einerseits und Repräsentation andererseits. Die insgesamt gehobene Bauweise entspricht zugleich der Rolle, die das Haus auch in der Gesamtanlage gespielt hat und noch spielt. Wenn man als Besucher der Landesgartenschau vor dem Springbunnen im alten Erba-Garten steht und auf das große Spinnereigebäude dahinter schaut, dann wirken das Direktionsgebäude zur Linken und das noch unsanierte frühere Beamtenwohnhaus zur Rechten wie zwei Flügel eines dreiflügeligen Schlosses.

Das 19. Jahrhundert brachte laut Wilfried Krings, ehemaliger Professor für historische Geographie an der Bamberger Universität, zahlreiche solcher "Industrie-Schlösser" hervor. Weitere Bamberger Beispiele sind die Mälzerei Weyermann und die ehemalige Maiselbräu.

Erkenntnisse über den oder die Architekten der Erba-Bauten hat Krings nicht. Nach seinem Wissen ist die Baugeschichte bislang kaum erforscht. Wohl auch, weil die Originalakten nicht mehr in Bamberg seien. Er findet, "das wäre ein Forschungsauftrag" - vielleicht für die Otto-Friedrich-Universität, die demnächst ja selbst auf die Erba-Insel ziehen wird.
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