Summiert man die ehrenamtlichen Aktivitäten Walter Bergmanns, dann kann man die Aussage des Hir­schaider Bürgermeisters Klaus Homann über ihn gut nachvollziehen: "Für ihn bräuchten wir eine Vollzeitkraft, und das würde nicht reichen". Das ehrenamtliche Engagement des 74-Jährigen beschränkt sich nicht auf eine Tätigkeit, sondern umfasst eine ganze Reihe an Aufgaben in der Pfarrgemeinde St. Vitus in der Marktgemeinde.

Begonnen hat alles mit der Wahl zum Kirchenrat, erzählt Walter Bergmann. Dass er mit der Zeit umfangreichere Aufgaben übernehmen konnte, hängt zum einen mit seiner Frühpensionierung vor 15 Jahren zusammen. Bis dahin hatte er als IT-Fachmann bei Siemens gearbeitet. Als ein Schlüsselerlebnis, das ihn zudem in seinem Engagement bestärkte, bezeichnet er die gemeinsame Wanderung des Jakobswegs mit seiner Frau. In Etappen wanderten sie innerhalb von drei Jahren von Hirschaid nach Santiago de Compostela. "Das hat mich total neu geprägt in meinem Glauben."

Auf Bitte des damaligen Pfarrers übernahm er wenige Jahre danach das Amt des Kirchenpflegers. Die Verwaltung der katholischen Kindertagesstätte St. Vitus kam da fast nebenbei hinzu. Den Ausbau des Kindergartens auf inzwischen drei Kindergarten- und drei Krippengruppen begleitete Walter Bergmann ebenso wie die Sanierungs- und Umbauarbeiten in der Kirche St. Vitus. "Allein die Arbeit im Kindergarten ist eigentlich eine Halbtagesstelle", betont Bürgermeister Homann. "So eine Leistung zu bringen in der Rente - das ist der Wahnsinn."

650 Krippen aus 40 Ländern

Der gebürtige Bamberger Bergmann, der inzwischen seit 36 Jahren in Hir­schaid wohnt, leitet zudem mit seiner Frau das Krippenmuseum in der Alten Schule. Was als Privatsammlung des Hirschaider Ehepaars Inge und Hubert Patzelt begann, ist inzwischen auf 650 Krippen aus 40 Ländern angewachsen. Walter und Mathilde Bergmann bereiten dort jährlich Weihnachts- und Osterausstellungen zu einem bestimmten Thema vor. Eintritt verlangen sie nicht, nehmen aber gern Spenden für das slowenische Kloster Sticna in der Hirschaider Partnergemeinde Ivancna Gorica an.

Zu den Mönchen des Zisterzienserklosters haben die beiden eine enge Verbindung. Etwa fünf Mal im Jahr fahren sie in das 650 km entfernte Kloster . Kommen die Mönche in Hirschaid zu Besuch, beherbergt Walter Bergmann sie im Gästezimmer und hilft ihnen mit einem Computerprogramm dabei, ihre Predigten und Weihnachtsbriefe auf Deutsch zu übersetzen. Das Buch eines slowenischen Abtes über die Geschichte der Zisterzienser hat er so auch übersetzt. "Das habe ich gern gemacht. Es war zwar viel Arbeit, aber ich habe viel dabei gelernt."

Vorsitzender durch Zufall

Auf eine Zeit, in der zumindest die Abende weniger gefüllt waren, geht Walter Bergmanns Engagement im "Verein der Frauenbundsgeschädigten Männer" zurück. Er wurde 1968 von Männern gegründet, deren Frauen beim Katholischen Frauenbund aktiv waren und abends kaum zu Hause waren. "Die G'schädigten" beschlossen, sich ebenfalls abends zu treffen. Vorsitzender des Vereins wurde Walter Bergmann durch Zufall. "Der Verein hat einen Vorsitzenden gebraucht und gesagt: ,Der nächste, der zur Tür reinkommt, wird es'", erinnert sich Klaus Homann, der auch Mitglied ist. Das kann man übrigens nicht einfach werden, erklärt Walter Bergmann schmunzelnd: "Man muss berufen werden."

Keine Zeit für Hobbys

Wie es die nächsten Jahre weitergeht und wer einmal seine Nachfolge antritt, darüber macht er sich im Moment noch keine Gedanken. Eine Idee, wie er die Zeit ohne Ehrenämter nutzen würde, hätte er aber schon. "Meine Hobbys sind eigentlich, seit ich in Ruhestand gegangen bin, auf der Strecke geblieben. Ich fotografiere zum Beispiel leidenschaftlich gern und müsste alles einmal archivieren. Dazu war bisher noch keine Zeit." Bis es so weit ist, wird er weiterhin jeden Morgen in sein Arbeitszimmer im Pfarrbüro kommen und erledigen, was anfällt.

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