Volker Wrede ist sauer. Aber nicht nur der künstlerische Leiter des Blues- und Jazzfestivals, das in dieser Woche wieder einmal Tausende Musikfreunde an Maxplatz und Gabelmann lockte, sondern auch zahlreiche Besucher lassen ihrem Unmut freien Lauf.

Sie beklagen, dass die Konzerte bereits gegen 21.30 Uhr enden. Und jetzt müssen sie auch noch eine verminderte Soundqualität in Kauf nehmen - verursacht durch ein Schallpegellimit, das die Stadtverwaltung verordnet hat. "Der Sound ist teilweise wirklich grausig! Gestern hab' ich's grad 30 Minuten auf dem Maxplatz ausgehalten. (...) Entweder man macht sowas gscheit oder lässt es ganz bleiben", kommentiert ein aufgebrachter infranken.de-Leser die Situation.

Solche und viele andere Kommentare dieser Art muss der Festivalleiter, der auch für den Sound verantwortlich ist, seit dem Festivalstart am Montag fortwährend hinnehmen. Und dabei könnte Wrede nach eigenen Angaben durchaus ein Klangbild liefern, mit dem alle glücklich wären, doch ließen das die Auflagen der Stadtverwaltung nicht zu.

"Vor zwei Jahren durften wir ein Schallpegellimit von 91 Dezibel nicht überschreiten. Letztes Jahr waren es gerade mal noch 87 Dezibel und heuer wurden wir weiter runter reglementiert auf 85 Dezibel", klagt er. Folge: Die Musikinstrumente auf der Bühne übertönen den Gesang via Lautsprecher. Wrede: "Die Zuhörer in den vordersten Reihen vor der Hauptbühne hören nur die Musikinstrumente auf dem Podium, aber fast gar nicht mehr den Gesang. Erst ab den hinteren Reihen wird es besser."

Man sei zwar immer kompromissbereit, betont der künstlerische Leiter. Doch bereits mit der Reduzierung der Lautstärke auf 87 Dezibel im letzten Jahr sei man am Ende der Fahnenstange angelangt. Mit der aktuellen Limitierung sei es ihm kaum mehr möglich, die Konzerte tontechnisch qualitätvoll zu regeln. Dafür benötige man Schallpegel von 93 bis 95 Dezibel. "So wie es jetzt ist, ist es unzumutbar für meine Mitarbeiter, die sich beschimpfen lassen müssen, unzumutbar für die Musiker und unzumutbar für das Publikum."

Wrede kann nicht verstehen, warum gerade das Jazzfestival mit derartigen Auflagen versehen wird. "Es gibt Veranstaltungen auf dem Maxplatz, die sind wesentlicher lauter als wir", wettert er. Die Stadt sei auf dem besten Weg, das Blues- und Jazzfestival kaputt zu machen. Denn eines sei sicher: "So werde ich auf keinen Fall weitermachen!" Er habe das Festival mit viel Liebe und Engagement mit aufgebaut und arbeite ehrenamtlich als künstlerischer Leiter. Aber den guten Ruf seiner Firma lasse er sich nicht kaputt machen. "Ich bin kurz davor, das Festival platzen zu lassen", droht Volker Wrede.

Die Stadt indes begründet ihr Einschreiten mit zahlreichen Beschwerden von Lärm geplagten Anwohnern. "Wegen der generellen Problematik von immer mehr Veranstaltungen in der Innenstadt und konkreter Beschwerden von Anwohnern in der Vergangenheit - auch während und nach dem Blues- und Jazzfestival im vergangenen Jahr - musste die Stadt reagieren.

Um dem Lärmschutz der Anwohner Rechnung zu tragen, hat der für Immissionsschutz zuständige Umweltschutzingenieur die leicht verringerten neuen Werte von 85 Dezibel am Maxplatz und 80 Dezibel am Gabelmann empfohlen. Und dieser Empfehlung ist das Ordnungsamt in seinem Bescheid gefolgt", heißt es in einer Presseerklärung aus dem Rathaus.

Stadt gibt Entwarnung


Auch seien bei der Stadt bisher keine Beschwerden über einen schlechten Sound eingegangen. Ganz im Gegenteil: Die Reaktionen zum Beispiel auf den Auftritt von John Lee Hooker jr. hätten eher begeistert geklungen.
Und wie reagieren die Anwohner? "Dass die Lautstärke um zwei Dezibel leiser geworden sein soll, kann ich nicht feststellen. Zum Teil ist es wirklich nicht auszuhalten. Auf der Straße kann man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen und in der Wohnung wackeln die Fenster vor lauter Bum-Bum", klagt Marga Krackhardt, die direkt am Maxplatz wohnt. Da sie und ihr Mann aus gesundheitlichen Gründen während des Festivals nicht mehr verreisen könnten, würden sie die Fensterläden geschlossen halten und sich ins Innere der Wohnung zurückziehen. Noch schlimmer und lauter als das Jazzfestival sei allerdings das Public-Viewing auf dem Maxplatz während der Fußball-EM gewesen. "Ganz abgesehen von den vielen Wildpinklern."

Anders äußert sich Georg Knoblach, der am Grünen Markt wohnt: "Wir haben von unserem Logenplatz aus zwei großartige Blueskonzerte mit erlebt. Allerdings haben wir uns schon gewundert, dass die Akustik heuer im Vergleich zu letztem Jahr von unseren Fenstern im zweiten Stock deutlich leiser war." Er könne damit leben, wenn künftig wieder die alten 87 Dezibel erlaubt würden. Schließlich sei durch das zeitige Ende der Konzerte die Nachtruhe im Großen und Ganzen sichergestellt.

Was aber passiert, wenn Volker Wrede hinschmeißt? "Ich kann mir kein Festival ohne Wrede vorstellen", betont Veranstalter Klaus Stieringer, Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins. Er hofft jedoch, dass es soweit nicht kommen wird. "Das Stadtmarketing als Veranstalter hat sich zusammen mit dem künstlerischen Leiter die letzten sechs Jahre intensiv bemüht, die Interessen der Anwohner zu berücksichtigen und auch die Qualität des Festivals zu sichern", schildert der Citymanager.

Allerdings will Stieringer keine weiteren Kompromisse auf Kosten des Jazzfestivals akzeptieren, da man jetzt schon an den Grenzen des Machbaren angekommen sei, um den Ansprüchen internationaler Top-Bands gerecht zu werden.