Dass sie auffliegen und mit dem Handeltreiben von Rauschgift "in nicht geringer Menge" zu nicht geringen Haftstrafen verurteilt werden würden, war in ihren Blütenträumen wahrscheinlich nicht vorgesehen gewesen.
Und doch ist es so gekommen. Der 45-jährige Klaus H. aus Bochum wurde am Montag von der Zweiten Strafkammer des Landgerichts zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Weil der Angeklagte und der Staatsanwalt erklärten, auf Rechtsmittel zu verzichten, wurde das Urteil sofort rechtskräftig. Der Verteidiger von H., Rechtsanwalt Jochen Kaller, war sichtlich zufrieden: Einer aus der mehrköpfigen Dealergruppe ist bereits verurteilt worden und hat für den Umschlag von 3 Kilogramm Amphetamin vier Jahre "kassiert". Bei seinem Mandanten Klaus H. waren es 9 Kilo, weshalb er gegen die fünf Jahre Haft nichts einzuwenden hatte.
Die Serie der fünf angeklagten Fälle begann im Januar 2010. Jedes Mal brachten Kuriere zwischen 1 und 4 Kilo Amphetamin zu den Abnehmern. Eine dieser Fahrten hatte Bamberg zum Ziel, wo das Treiben der Dealergruppe nach längerer Überwachung durch die Polizei beendet werden konnte. Das ist der Grund, weshalb sich der Mann aus Bochum in Bamberg verantworten musste.
Von den fünf Fällen konnte das Gericht am Ende noch drei zweifelsfrei nachweisen. Zwei wurden eingestellt, weil die "Beweislage dünn" war, wie Vorsitzender Richter Manfred Schmidt in der Urteilsbegründung formulierte.
Bei der Strafzumessung rechnete die Kammer zu Gunsten des Angeklagten, dass H. selbst Drogenkonsument ist, dass er mit 45 Jahren erstmals in Haft kam, als bisher unbescholtener Mann "haftempfindlich" ist und ein Geständnis abgab. Zu Lasten rechnete ihm das Gericht die "gut organisierte Durchführung der Geschäfte" und die hohe kriminelle Energie. Immer habe Klaus H. Kuriere benutzt und das Risiko, geschnappt zu werden, auf diese Männer abgewälzt. Laut Gutachten sei die Schuldfähigkeit von H. nicht beeinträchtigt gewesen, und für eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt fehlten die Voraussetzungen, so Schmidt. In Bamberg, dem Ort seiner Verurteilung, wird H. nicht mehr lange bleiben müssen: Auf seine Bitte hin wird er von der Justizvollzugsanstalt in das Gefängnis nach Herne "verschubt": Dort kann ihn seine alte Mutter leichter besuchen.