"Es stinkt nach Abgasen" - "Die ganze Zeit ist es so laut, man hat keine ruhige Minute" - "Wo ist denn hier noch Natur zwischen all den Häusern?" Das sind wohl typische Sätze, die jeder schon mal von einem Städter gehört hat oder die man als Stadtbewohner selbst schon mal gesagt hat. Manche sind genervt, weil in der Stadt einfach immer Stress ist und man nirgendwo einen stillen Platz findet, wo man mal eine Minute für sich hat.
Im Gegensatz dazu kriegt man von Menschen, die auf dem Dorf leben, genauso oft was vorgejammert, weil "fast nie ein Bus in die Stadt fährt", oder weil man, um Freunde zu besuchen, ewig braucht. Es ist doch irgendwie so, dass sich Dörfler und Städter immer gegenseitig ein bisschen beneiden. Wie sehen das denn eigentlich die Jugendlichen? Zwei Mädchen, Hannah aus der Stadt und Johanna vom Dorf, erzählen.


Hannah ist ein echtes Stadtkind

Hannah Müller ist 19 und lebt schon seit ihrer Geburt in Bamberg. Sie hat aber von klein auf oft schon Ferien auf dem Land gemacht, kennt also beides. "Am Stadtleben gefällt mir, dass ich sehr flexibel bin, ich kann spontan Freunde treffen oder in der Stadt etwas besorgen, ohne die nächsten Zug- oder Busverbindungen raussuchen zu müssen." Das ist das, was sie als Erstes nennt, als sie darauf angesprochen wird, was ihr in der Stadt gefällt. Sehr nachvollziehbar, denn es ist ja wirklich praktisch, wenn man zu einem Treffpunkt nur zwei Straßen weiter laufen muss.


Der Verkehrslärm nervt schon ganz schön

Nicht schön findet Hannah am Stadtleben, dass es nie still ist, wegen dem vielen Verkehr, und dass sie gerade am Wochenende, wenn sie endlich mal ausschlafen kann, davon ein bisschen genervt ist. Darum beneidet sie auch diejenigen, die auf dem Dorf leben, weil es dort mehr Ruhe und Entspannung gibt, als in der Stadt.
Sicher ist sie sich dennoch, dass sie nicht ins Dorf umziehen will, da ihr die Unabhängigkeit und die Flexibilität fehlen würden. "Wenn ich an meine Freunde denke, die oft bis zu einer halben Stunde mit dem Bus oder Zug nach Bamberg fahren müssen, bin ich schon froh, dass ich in der Stadt wohne." Die Vorteile des Stadtlebens überwiegen Hannahs Meinung nach schon, besonders wenn es um Unternehmungen und Freizeit geht, was bei Jugendlichen neben der Schule ja sehr wichtig ist. "Da nehme ich ein bisschen Lärm dann auch mal in Kauf!"


Nicht so anonym wie in der Stadt

Und wie sieht es mit der "Gegenseite" aus? Johanna Dittmann (17) lebt seit ihrer Geburt in Frensdorf. Frensdorf liegt im Landkreis Bamberg und ist etwa elf Kilometer von der Stadt entfernt. Das Dorf selbst hat etwa 1500 Einwohner, die Gemeinde Frensdorf knapp 5000. Es ist ein ziemlich großes Dorf - wo man vielleicht nicht ganz so aus der Welt ist wie anderswo. "Was mir am Dorfleben nicht gefällt, ist die Busverbindung. Oft muss ich nach der Schule sehr lange warten, und abends bin ich immer auf meine Eltern angewiesen, weil ab einer bestimmten Zeit überhaupt kein Bus mehr fährt. Das ist manchmal schon sehr störend." Ist ja eigentlich klar, weil man ja gerne unabhängig ist als Jugendlicher und nicht immer die Eltern anbetteln will, dass die einen fahren.


Mähdrescher statt Modegeschäft

Sehr gut gefällt ihr, dass man im Dorf nicht so anonym lebt, wie in der Stadt. Dort kennt man ja oft nicht einmal die Nachbarn gut. Auch Feste wie die Kerwa findet Johanna im kleinen Kreis im Dorf viel schöner als in der Stadt, wo bei solchen Feiern oft die Massen los sind. "Ein bisschen beneide ich die Leute in der Stadt aber darum, dass sie es leichter haben, wenn sie einkaufen wollen, weil sie schneller da sind, wo sie hinwollen und auch eine viel größere Auswahl an Geschäften haben, als wir auf dem Dorf, wo es manchmal nur einen kleinen Lebensmittelladen gibt." Klamottenläden gibt es auf dem Land wirklich eher weniger. Aus diesem Grund würde Johanna sogar in die Stadt ziehen wollen, auch weil sie findet, dass man in der Stadt besseren Zugang zur Bildung hat, zum Beispiel zu Bibliotheken oder Unis. "Insgesamt bin ich aber schon stolz, im Dorf zu leben, weil es einfach persönlicher ist, man ist nicht so anonym wie in der Stadt. Außerdem gefällt mir die Umwelt, man ist schneller im Grünen, was schon auch wichtig ist."

*Anspielung verstanden? Die Überschrift spielt auf den Titel des aktuellen Albums der "Dorfrocker" aus Kirchaich an. In dem gleichnamigen Lied singen sie über das Leben als "Dorfkind".

Diesen Artikel hat Lena Polanski verfasst. Lena ist Mitglied der Jugendredaktion "Die KLARTEXT!er". Wenn Du auch mitmachen und selbst Artikel schreiben und veröffentlichen möchtest, melde Dich bei Isabelle Epplé (Redakteurin für das Schulprojekt KLARTEXT!) unter der Telefonnummer 0951/188428 oder per E-Mail an i.epple@infranken.de