Vor allem auf dem flachen Land sieht der Klimaschutz-Beauftragte des Landkreises Bamberg, Robert Martin, noch großes Potenzial zur Nutzung von Biomasse zur Wärmeerzeugung. "Mit dem Bau von Biogas-Anlagen steigen die Möglichkeiten für eine Dorfheizung", sagt der Umwelt-Experte. Bisher ist dieses Potenzial kaum genutzt worden, über die Biogas-Herstellung wurde Strom erzeugt und die entstehende Wärme ungenutzt in die Atmosphäre abgelassen. Seit 1. Januar aber gibt es deshalb eine Förderung für neue Anlagen nur noch, wenn zumindest Teile der Abwärme zu Heizzwecken über ein Nahwärme-Netz genutzt werden.

Ideale Voraussetzungen also für das Modell "Dorfheizung", meint Robert Martin. Denn für größere Orte sei die bei Biogas-Anlagen anfallende Wärmemenge zu gering und das Konzept damit wenig sinnvoll. "Im Landkreis aber gibt es insgesamt 327 Orte, die wir motivieren sollten, diese Chance zu nutzen", sagt Martin. In dieser Größenordnung sei die Abwärme ideal nutzbar. Integrierte Wärmekonzepte bildeten eine gute Perspektive für eine regionale und ressourcenschonende Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Zudem könnten mit den Nahwärmenetzen leistungsfähige Breitband-Verkabelungen verlegt werden, die Dorferneuerung dürfte für beide Vorhaben von Vorteil sein.


Keine Illusionen über Umsetzung



Doch die Geschäftsführerin der Klima- und Energie-Agentur Bamberg, Kreisbaumeisterin Gabriele Pfeff-Schmidt, macht sich über die Umsetzung solcher Pläne inzwischen keine Illusionen mehr. Vor allem die Nachkriegsgeneration habe Probleme mit den Veränderungen der Landschaft durch alternative Energien. Junge Menschen und Senioren wüssten um die Wichtigkeit die Energiewende und seien bereit, die vermeintlichen Beeinträchtigungen durch Biomasse-, Photovoltaik- und Windkraftanlagen zu tragen, so Pfeff-Schmidt. Es gebe aber auch "Hardliner", die sich in Bürgerinitiativen gegen solche Anlagen zusammenschließen, wenn sie in ihrer Nachbarschaft geplant würden.

Aber das sind nicht die einzigen Widrigkeiten für Biogas-Anlagen, Photovoltaik-Flächen und Windräder. Die Energiekonzerne zahlten zwar die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegten Einspeise-Vergütungen - das allerdings jährlich. Damit seien die Eigentümer gezwungen, den Betrieb ihrer Anlagen vorzufinanzieren, kritisierte Wolfgang Degelmann von der Energievision Frankenwald beim Symposium "Energiekonzepte im ländlichen Raum" in Hirschaid. Gerechter sei hier eine monatliche Abrechnung.


Abrechnung ähnlich wie bei Stromrechnung



Dazu sagt Eon-Sprecher Maximilian Zängl, dass sein Unternehmen für EEG-Einspeisungen bis 100 kW von Januar bis November monatliche Abschlagszahlungen leistet, die aufgrund der zu erwartenden Einspeisemenge kalkuliert sind. Im Januar darauf erhielten die Einspeiser eine Abrechnung ähnlich den Stromrechnungen für Verbraucher: Wurde mehr Strom erzeugt, gebe es eine Nachzahlung von der Eon, wurde weniger Energie eingespeist, sei eine Rückerstattung des zu viel bezahlten Betrages fällig. Anlagen mit einer Leistung von mehr als 100 kW werden monatlich abgerechnet.

Voran geht es derweil im Landkreis nicht nur mit dem Ausbau von Windparks - der neue Regionalplan für die Region Oberfranken-West mit Vorrangflächen für die Nutzung der Windenergie ist in Arbeit - sondern mit der Nutzung von Photovoltaik. "Alle 36 Landkreis-Kommunen haben jetzt ein Konzept mit einem Solarkataster für ihre Gebiete erhalten", sagt Robert Martin. Nutze man nur 0,5 Prozent der Fläche, könne man 100 Prozent der benötigten elektrischen Energie erhalten.


Aktelle Zahlen fehlen bislang



Zur Anzahl der Biomasse-Anlagen im Landkreis Bamberg gibt es leider keine aktuellen Zahlen. Zum 31. Dezember 2010 gab es 37 Anlagen mit einer installierten Nennleistung von insgesamt 12,5 Megawatt. Die Zahl der Bio gasanlagen bewegte sich bis dahin bei 24 Anlagen mit einer installierten Nennleistung von 7,377 Megawatt. Das Landratsamt ergänzt diese Zahlen um folgende Daten: Laut Bauprogramm wurden im Jahr 2011 sechs Biogasanlagen und eine Hackschnitzel-Lagerhalle im Landkreis beantragt. Die Lagerhalle und vier der Biogasanlagen wurden genehmigt. Bei den anderen beiden Anlagen läuft das Genehmigungsverfahren noch. Zusätzlich wurden 2011 für vier Biogasanlagen Baugenehmigungen erteilt, die bereits 2010 beantragt wurden. Es bestehe weiter die Möglichkeit, dass für weitere Anlagen, die vor 2011 beantragt wurden, noch Baugenehmigungen ausstehen.