Liegt es womöglich an der harschen Kritik, die er nach seiner Fastenpredigt 2007 bei der Starkbierprobe auf dem Münchner Nockherberg über sich ergehen lassen musste, dass der türkischstämmige Kabarettist Django Asül mit "Fragil" weniger sarkastische Töne anschlägt?

Bei seinem Auftritt in der Bamberger Konzerthalle jedenfalls kam er erst nach rund einer Stunde so richtig auf Touren und wechselte in überaus authentisch gestaltete Rollen wie einen grantelnden bayerischen Fußballtrainer oder einen notorischen Besserwisser aus Anatolien.

Spartanisch die Bühne, ein einsamer Bistrotisch, darauf ein Weißbierglas, gefüllt mit schnödem Wasser: Asül wirkt reichlich verloren im an diesem Abend zu großen Joseph-Keilberth-Saal, der mit rund 450 Zuschauern nicht annähernd gefüllt ist.

Trotz schummrigem Dämmerlicht will zunächst keine rechte Kabarett-Stimmung aufkommen, denn Asül spielt sein Programm "Fragil" (Latein für "zerbrechlich") bereits seit zwei Jahren, so dass sich einige Routine eingeschlichen hat und es dem Auftritt an Spritzigkeit fehlt.

In traditionellem Trachtenjanker und weniger traditionellen giftgrünen Turnschuhen - die buschigen Augenbrauen zieht er ab und an zum süffisanten Lächeln nach oben, die rechte Hand steckt lässig in der ausgewaschenen Jeans - arbeitet sich Asül an der Meniskusoperation der Kanzlerin ebenso ab wie am Dioxin-Skandal, wobei der chemische Stoff nichts anderes sei als sarrazinflüssig.

Und freilich darf auch die Plagiatsaffäre zu Guttenbergs nicht fehlen, der sich neben seinem Doktor- wohl auch den Adelstitel auf der Internetseite "Lug-und-Trug.de" erschlichen hätte und sich momentan in einem Moratoriumszustand befinde.

Dazwischen gibt es immer mal wieder ein Atom-Bonmot("Merkel hat nie gewusst, ob die deutschen AKWs sicher sind. Sie war sich nur sicher, dass es deutsche AKWs sind."), einen Seitenhieb auf Ex-BDI-Geschäftsführer Werner Schnappauf ("Der hat nun zwei Bären auf dem Gewissen: Bruno und Brüderle.") oder eine verunglückte Persiflage auf die "chronisch depressiven Mundwinkel" Angela Merkels, die sich den Unterschied zwischen Spekulant und Spekulatius mit einer Eselsbrücke gemerkt habe: "Ersterer bröselt nicht, wenn man reinbeißt."

Gelegentlich blitzt doch noch etwas von der Nockherberg-Schärfe Asüls auf ("Für die CSU bedeutet konservativ, wenn die Atomlobby der Regierung die Energiepolitik diktieren darf."). Und zu Höchstform läuft der Türke mit niederbayerischem Migrationshintergrund dann zum Ende seines gut zweistündigen Programms auf, als er einen leicht debilen Wellnessberater über Blutegeltherapien und Darmreinigungen räsonieren lässt.

Insgesamt also eine runde Sache, wenn auch ohne große Höhepunkte.