Will der Franke seine große Fleischportion auf dem Teller? Eine der Fragen, die beim Oberfränkischen Direktverbrauchertag im Frensdorfer Bauernmuseum diskutiert wurde.

Referentin Franziska Schumacher, derzeit Unternehmensberaterin im Bereich Gastronomie, plädierte in ihrem Eröffnungsvortrag für eine völlige Neuorientierung beim Ernährungsstil. Fleisch solle nur noch als Beilage, Gemüse dafür als Hauptgericht serviert und gegessen werde.

Die Thesen der aus dem Salzburger Land stammenden Referentin und Unternehmensberaterin blieben nicht unwidersprochen: "Wie soll ich dann mein Fleisch verkaufen", ließ ein Gastwirt und Direktvermarkter aus Mitwitz hören.
Kundschaft und Gäste würden nicht nur aufs Geld, sondern auch auf die Fleischportion auf ihrem Teller schauen.

Gut gefüllt war der ehemalige Schmausen-Saal, als Sigrid Gebhardt und Landwirtschaftsdirektor Andreas Knorr die Veranstaltung eröffneten. Direktvermarktung sei in aller Munde, so Knorr. Derzeit sei ein Generationswechsel in den Betrieben festzustellen. Der 19. Direktvermarktertag sei als Forum für Austausch, Information und gegenseitiges Kennenlernen gedacht.

Mehr als ein Einkommenszweig

Der Bayerische Bauernverband habe Direktvermarkter und Bauernmärkte von Anfang an unterstützt, sagte Anneliese Göller, Landes- und Bezirksbäuerin, für die die Veranstaltung ein Heimspiel war. Die Direktvermarktung sei mehr als ein Einkommenszweig. Sie sei der Weg, auf dem der Erzeuger-Verbraucher-Dialog am intensivsten geführt werde.

"Sie sind unser schönstes Schaufenster zum Verbraucher", rief Göller den Teilnehmern zu. Beim Direktvermarkter habe jedes Lebensmittel "eigene Wurzeln im Betrieb und seine eigene Geschichte". Mit diesen Geschichten werde auch ein wichtiges Stück Heimat beschrieben. Was dem Kunden in den großen anonymen Geschäften fehle, gebe es beim Verkauf ab Hof gratis: Ein offenes Ohr und ein Stück Menschlichkeit.

Von Anfang an entwickelte sich in der Veranstaltung eine lebhafte Diskussion. Unter den vielen Direktvermarktern aus der Region war auch Matthias Lederer, im Kleinziegenfelder Tal zu Hause und Zweiter Vorsitzender des Bamberger Bauernmarkts. Der Bauernmarkt auf der Promenade hat sich nach seinen Worten längst etabliert. Allwöchentlich am Samstag fänden sich ein gutes Dutzend Marktbeschicker ein, die ausschließlich heimische Produkte anbieten.

Verbraucher aufklären

Dass "nachhaltig genießen, Identität finden, Werte bieten", wie in ihrem Vortrag angekündigt, ein weites Feld ist, wurde in Franziska Schumachers Referat deutlich. Viele Denkanstöße, beginnend bei der alten Einrichtung, "die durch einen Resopaltisch ersetzt wurde" bis zur Verarbeitung von Rote-Beete-Knollen hatte die Referentin parat.

Sie spannte einen Bogen von Verpackung und Präsentation der Lebensmittel bis zu den Preisen. Aufklärung, beispielsweise über alte wenig bekannte Gemüsesorten täte dem Verbraucher gut, sagte sie. Gleichzeitig räumte sie aber auch ein, dass viele Menschen nicht mehr selbst kochten, da die Zeit dafür fehle.

Da kamen am Nachmittag die "Erfolgsgeschichten" zweier Direktvermarkter aus dem Landkreis gerade recht. Gertrud Leumer berichtete über "Mussärol", die Bamberger Kräutergärtnerei. Heidi Kaiser stellte ihr Erfolgsprojekt "Erlebnisernte" vor, mit dem sie in Eichenhof eine einschlagende Idee umsetzte.

In weiteren Fachvorträgen wurde die Fördergemeinschaft "Einkaufen auf dem Bauernhof" vorgestellt und das Thema Hygiene behandelt. Auch über Neues im Infektionsschutzgesetz wurden die Teilnehmer aufgeklärt.