Ebrach
Restaurierung

"Die zwei Instrumente sind sensationell"

Nächstes Jahr sollen die beiden berühmten Ebracher Seitenorgeln endlich wieder erklingen. Hans-Wolfgang Theobald begeistert sich schon seit Jahrzehnten für ihren Klang. Der Würzburger ist Chef der Orgel-Restaurierungsabteilung der weltbekannten Orgelbaufirma Klais in Bonn.
Hans-Wolfgang Theobald (rechts) mit dem Vorsitzenden des Orgelbauvereins, Max-Dieter Schneider, an der Original-Windlade. Fotos: Barbara Gülta
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In der ganzen Welt kennt Hans-Wolfgang Theobald nur etwa zehn Orgeln, die ihn so begeistern: "Wenn man das Prinzipal-8 (das Haupt-) Register zieht und sich wünscht, der Klang möge nie mehr aufhören." Die Ebracher Epistel- und die Evangelienorgeln gehören zu den Orgeln, die Theobald schwelgen und schwärmen lassen. Im nächsten Herbst wird er sich in Ebrach am Klang der beiden Seitenorgeln - endlich - wieder ergötzen können. Denn die beiden historischen Instrumente sind, Stück für Stück, auf dem Weg in seine Obhut. Für den Orgelbauer und promovierten Musikwissenschaftler, Leiter der Restaurierungsabteilung der weltberühmten Bonner Orgelbaufirma Klais, wird mit dieser Restaurierung ein Traum wahr. Schon als 17-Jähriger kam der Orgelbau-Lehrling aus Würzburg nach Ebrach geradelt, um die berühmten Orgeln zu hören. Ebenso wie er sich gewünscht hatte, in seiner Heimatstadt einmal eine Orgel bauen zu dürfen, geht nun auch der Wunsch mit der Restauration der Ebracher Instrumente in Erfüllung.

Seit rund drei Wochen stehen zwei wuchtige weiße Container vor dem Eingang der früheren Ebracher (von 1200 bis 1285 erbauten) Zisterzienser-Kirche mit ihrer viel fotografierten, fast schon weltberühmten Fenster-Rosette. Ebenfalls weit bekannt sind die beiden Orgeln, deren Einzelteile die Orgelbauer Horst Hoffmann und Michael Beßmann zusammen mit weiteren Kollegen erst behutsam aus den Prospekten (Gehäusen) ausgebaut und beschriftet haben und nach einem genauen Plan sorgsam in den Containern verstauen. In den einen kommt die Epistel-, in den andere die Evangelienorgel. Die Bezeichnungen kommen von dem bis 1963 in der katholischen Kirche praktizierten Ritus: Das Evangelium wurde auf der rechten Seite des Altars verlesen und in Ebrach von der Orgel auf dieser Seite musikalisch begleitet, die Episteln waren der linken Seite und damit der linken Orgel vorbehalten, die nun in den linken Container geladen wird.

Die Orgelbestandteile, die zur Restaurierung nach Bonn geschickt werden, bringen es auf insgesamt 20 Tonnen Gewicht, merkt Theobald an. Kein Wunder, bei allein 3000 Pfeifen. Bei der Orgelbaufirma in Bonn werden die historischen Instrumente umfassend restauriert und, wo nötig, rekonstruiert. "Sie werden wieder so klingen, wie man sie gekannt hat", versichert Theobald. Das Projekt ist mit rund 600 000 Euro veranschlagt. Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD), der zugleich Vorsitzender des Orgelbauvereins ist, freut sich, dass das nun "endlich" erfolgt. Denn bei der umfangreichen Sanierung, die von 1997 bis 2008 dauerte, waren die Pfeifen der zwei kleineren Orgeln dort ausgebaut (und in Seitenkapellen gelagert) worden, wo Sanierungsarbeiten an der Raumschale erfolgen mussten. Bis geklärt war, dass auch die wertvollen kleinen Orgeln restauriert werden konnten, blieben die ausgebauten Teile in Seitenkapellen gelagert. Was sie nicht unbedingt besser machte, wie Experten sagen.

Die zwei Ebracher Seitenorgeln sind aus mehreren Gründen eine absolute Besonderheit - "da muss man schon nach Spanien gehen, bis man etwas Ähnliches findet", weiß der "Doktor", wie ihn die Klais-Mitarbeiter repektvoll nennen. Die Seitenorgeln waren absolut aufeinander abgestimmt, auch dadurch, dass die Organisten Blickkontakt hatten. Eine Besonderheit zur Zeit des Baus - "die Ebracher Mönche wollten immer das Neueste und immer das Beste vom Besten haben", begeistert sich "der Doktor". Genauso wie darüber, dass die Instrumente der Nachwelt praktisch original erhalten geblieben sind. "Sie atmen hier 250 Jahre Geschichte", schwärmt der 57-Jährige, während er ehrfürchtig über das Leder der Windlade streicht. Von der kleineren, der Epistelorgel ist noch mehr erhalten als von ihrer etwas größeren Schwester. Bei den Ausbau-Arbeiten haben die Klais-Mitarbeiter so manchen Fund gemacht. Und sie sind auf Köhlers Register-Beschriftungen gestoßen. "Sensationell, die Originalschrift von 1760!"

Selbst der Laie spürt die Leidenschaft, die diese Orgeln beim Experten entfachen. "Der Klang..." Theobald, sonst nicht wortkarg, tut sich schwer, die Worte zu finden, die ihm gerecht werden. Vermutlich meint er "unbeschreiblich schön". Für die Weihe wünscht er sich den "richtigen Organisten" und für Ebrach, dass die Instrumente möglichst vielen Freude bereiten, die sensationellen Instrumente auch wieder in Konzerten erklingen. Endlich!
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