Ob sich Johann Dientzenhofer das hätte träumen lassen. In der von ihm erbauten Villa Concordia residiert eine Lyrikerin. Im berühmten Barockgarten derselben empfängt sie einen Mann, der ein Kakerlakenkostüm trägt, sie selbst ist als Eichhörnchen verkleidet. Im Hintergrund läuft ein Kinderlied der Gruppe Fön: "Es gibt zwei Sorten von Hummeln, die die erst reden wollen, und die, die gleich fummeln." Und so weiter.

Das herrlich kindische Video gehört zu einem Theaterstück, das Nora Gomringer gemeinsam mit dem Autor Michael Ebmeyer geschrieben hat. Und es ist Teil der Ausstellung "Wortkino", die im Rahmen der Bamberger Kurzfilmtage ab sofort in der Stadtbücherei zu sehen ist.

Das Team rund um Kurzfilmchef Volker Traumann hat sich durch das filmische Werk der Lyrikerin gewühlt und 16 Clips zusammengestellt.
Insgesamt 40 Minuten vertonte Sprachkunst, bewegte Bilder zu Gedichten unter anderem von Ringelnatz und natürlich Gomringer selbst. Die Lyrikerin, so Traumann in der Eröffnungsrede, sei ohnehin eine Verbündete der Kurzfilmliebhaber. Es geht um das Verteidigen der kleinen Form.

Für die Vernissage der Ausstellung wurde die Auswahl auf 15 Minuten begrenzt. Ein Kompromiss, wie die Stühle für die Gäste, denn eigentlich soll die Installation der Clips im leeren Raum zur Geltung kommen. Bis Samstag sind die Filme im Dachgeschoss der Bücherei zu sehen. Gomringer selbst ist an diesem Dienstag nicht nur Schirmherrin und Künstlerin, sondern hat auch noch Geburtstag. Christian Ritter huldigt ihr in seiner Laudatio, erinnert sich an den vergangenen Sommer, als er ihren Triumph beim Bachmann-Preis im TV mitverfolgt hatte.
Die Filme spannen einen Rahmen zwischen klassischen Poetry-Clip, Kinderlied, Dada und geschmackvollen Albernheiten vor dem Baumarkt. Gomringer genießt es, sich selbst zu inszenieren, in Rollen zu schlüpfen und vor allem: zu sprechen. Die verfilmten Texte sind Sprechtexte, fürs Ohr gedacht.

Im Gespräch mit Volker Traumann erzählt Gomringer Anekdoten aus ihrer Zeit als Praktikantin der "Academy of Motion Picture, Arts and Science". Bei der Oscarverleihung 2001 übernahm die damals 21-jährige als sogenanntes Sitzdouble den Platz von Meryl Streep, als der die Veranstaltung zu lange wurde. Fast wäre Gomringer also selbst im Filmbusiness gelandet, die Leidenschaft für die Literatur siegte letztlich.

Als Geschenk gibt es nicht nur einen "Tortenfilm" der Komponistin Helga Pogatschar, es wird auch noch gesungen. Rolf-Bernhard Essig dirigiert den Publikumschor. Und besteht auf einer kleinen Textänderung: "Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen, Gesundheit und Kurzfilm sei auch mit dabei."