Anfeindungen, Verleumdungen, Misstrauen gegenüber selbständigen Frauen: Das müssen die heutigen "Gefährtinnen Mary Wards" zwar nicht mehr erdulden. Doch sie haben die bittere Lebensgeschichte von Ordensgründerin Mary Ward (1585-1645) zu sehr präsent, um nicht in Übermut zu verfallen. Eine Revolution anzuzetteln gegen die männerdominierte Kirche, kommt für Gabi Leuchner und Maria Singer nicht in Frage: "Trotz Rückschlägen blieb Mary Ward der Kirche treu", weiß die Bambergerin Leuchner. Und das reklamiert die 66-Jährige auch für sich.

Turnusgemäß treffen sich die "Gefährtinnen Mary Wards" aus der Mitteleuropäischen Provinz der Congregatio Jesu in Bamberg im Englischen Institut am Holzmarkt. Zehn Frauen aus Deutschland, Österreich, Südtirol und der Slowakei, die sich lebhaft austauschen und es Schwester Ulrike Dimler leicht machen, den Gesprächsfluss in Gang zu halten. Schwester Ulrike, ehemalige Leiterin des Maria-Ward-Gymnasiums, begleitet die Gefährtinnen in diesen Tagen. Und will die Tore der "Englischen Fräulein" in Bamberg weit öffnen für neue Interessenten. "Männer sind uns auch willkommen", lacht sie und erzählt von altkatholischen und evangelischen Frauen, die ebenfalls schon angeklopft haben. "Aber das muss noch geprüft werden", betont Schwester Ulrike.

Gabi Leuchner und die Lohndorferin Maria Singer (72) waren in jungen Jahren Schülerinnen der Maria-Ward-Schule. Sie sind aufgewachsen mit den Zielen und Idealen der Ordensgründerin: "Sie lebte konsequent ihre Berufung, das Evangelium unter die Leute zu bringen und sich um Benachteiligte zu kümmern", weiß Maria Singer. "Mary Ward half den Menschen auf ihrem Weg zu Gott", ergänzt sie. Und genau das wollen die "Gefährtinnen Mary Wards" heute auch.

Die Mitglieder dieser Laiengemeinschaft binden sich für jeweils drei Jahre an die Congregatio Jesu. Dann können sie ihr Versprechen erneuern. Die Gefährtinnen eint der Wunsch, Lebens- und Glaubenserfahrungen mit Gleichgesinnten zu teilen, die besondere Spiritualität zu vertiefen, die die jesuitisch geprägten Ordensschwestern vorleben.

"Mary Ward ist gefährlicher als sechs Jesuiten", lautete unter den damaligen geistlichen Zeitgenossen ein geflügeltes Wort. Die heutigen Gefährtinnen hören über ein solches Zitat selbstbewusst hinweg. Denn die einzige Gefahr, die von ihnen ausgeht, besteht darin, dass sie die Sehnsucht und Liebe nach Jesus Christus spürbar werden lassen. Und dass sie an den dreifaltigen Gott glauben: "Dieser Glaube ist eine Voraussetzung für die Aufnahme in die Gefährtinnenschaft", sagt Schwester Ulrike.

Gabi Leuchner, verheiratete Familienmutter und ehrenamtlich in der Pfarrei St. Otto engagiert, hat aus Überzeugung ihren religiösen Anker in der Congregatio Jesu ausgeworfen. Für sie ist Mary Ward eine "Trotzdem-Frau, was ich gut nachvollziehen kann", erklärt sie, die als einsatzfreudiges Mitglied des Katholischen Frauenbundes Nackenschläge kennt. Maria Singer, die selber sieben Jahre lang "Englisches Fräulein" war, bevor sie austrat, heiratete und zwei Söhne bekam, ist froh, wieder am Holzmarkt "einen Fuß in die Tür bekommen zu haben". Schwester Ulrike nahm sie mit offenen Armen auf. "Frauen können Großes vollbringen", zitiert Maria Singer schmunzelnd Mary Ward. So macht sie als ehemalige Lehrerin derzeit noch eine Ausbildung zur Wortgottesdienstleiterin und leistet stundenweise Präsenzdienst im Dom.

"Wunderbar, dass wir Gefährtinnen haben, Leute, die mit uns in die gleiche Richtung gehen", strahlt die Ordensfrau. Das sei eine "Bereicherung und für die Jetztzeit gerade richtig", fügt sie hinzu. Zumal die Gefährtinnen bei Bedarf auch beim Pfortendienst oder in der Betreuung von kranken Schwestern helfen. Und im Gegenzug voll integriert sind in den internen Informationsfluss und die Nachrichten aus der Mitteleuropäischen Provinz.

Wer sich für die "Gefährtinnen Mary Wards" interessiert, kann sich an Schwester Ulrike Dimler wenden: Tel. 0951/98023-56 oder E-Mail: ulrike.dimler@congegatiojesu.de