Stegaurach
Jubiläum

Die Spur führte nach Cambridge

Nur 39 Jahre nach dem 1000. wird in Stegaurach das 1200-jährige Bestehen gefeiert. Bei der Suche nach dem Beleg für die erste Erwähnung des Ortes hat Bürgermeister Siegfried Stengel Detektivarbeit geleistet.
Ausschnitt aus der Urkunde, die sich im Trinity College in Cambridge fand. Unten in der Mitte ist "Uraha" (Stegaurach) zu erkennen.
Überrascht nahmen die Stegauracher im vergangenen Sommer zur Kenntnis, dass ihr Ort quasi über Nacht um rund 160 Jahre gealtert war. Erst 1973 hatte man das 1000-jährige Bestehen groß gefeiert. Und nun stehen 2012 bereits die 1200-Jahr-Feierlichkeiten an. Der Grund: Es ist eine Urkunde aufgetaucht, die die Existenz einer Ansiedlung namens Uraha in der Zeit zwischen 810 und 832 nahe legt.
Es war ein Zufall, der Bürgermeister Siegfried Stengel zum historischen Detektiv werden ließ. Auf dem Schutzumschlag eines vom Historischen Verein Bamberg herausgegebenen Buchs über "Missionierung und Christianisierung im Regnitz- und Obermaingebiet" war eine Landkarte zu sehen, auf der neben anderen Orten aus dem Landkreis, wie etwa Breitengüßbach, Dörfleins und Trunstadt auch Stegaurach eingezeichnet war. Erst beim zweiten Hinsehen sei er stutzig geworden, berichtet Stengel. Denn auf der Karte fehlte Bamberg.

Älter als Bamberg


Existierte Stegaurach etwa älter, schon vor dem erstmals 902 erwähnten "Castrum Babenberch"? War es etwa älter als "Papinbere", das Kaiser Otto II. im Jahr 973 zusammen mit "Nendilin Uraha" dem Bayer-Herzog Heinrich dem Zänker - dem Vater des späteren Kaisers Heinrich II. - schenkte? Das Kartenwerk war ein modernes. Doch es zeigt die Besitzungen des Klosters Fulda in karolingischer Zeit. Der Ehrgeiz des leidenschaftlichen Hobbyhistorikers Stengel war geweckt.
Vom früheren Direktor der Bamberger Universitätsbibliothek, Werner Zeiß, kam schließlich der Hinweis auf ein Dokument in der Staatsbibliothek Bamberg. Doch dieses war nur einen Kopie. Auf der Such nach dem Original landete Stengel schließlich beim Trinity College der Universität Cambridge. Dort fand sich tatsächlich eine Abschrift des aus dem 10. Jahrhundert. Stegaurach erhielt eine Kopie - und eine Anfrage. "Die wollten von uns gerne wissen, wie sie in den Besitz der Urkunde gekommen sein könnten", berichtet Stengel und fügt hinzu: "Leider konnten wir den Briten in dieser Sache nicht weiterhelfen."

Historische Fälschung?


Der Stegauracher Bürgermeister räumt auch ein, dass um das Jahr 1000 sehr viele Dokumente gefälscht wurden, vor allem, wenn es um Besitzansprüche ging. Und in dem Dokument, das im Original zwischen 810 und 832 entstanden sein muss, geht es um die Schenkung eines Grafen Egino und seiner Gemahlin Ventilgart an das Bistum Würzburg. Bedacht darauf "für die irdischen Güter auch ewige Güter zu erlangen", übereignet das adelige Paar der Kirche Ländereien in der heutigen Oberpfalz, in Unterfranken und eben auch "im Land der Slawen ... Uraha und Gusibah (Stegaurach und Breitengüßbach) mitsamt den Höfen, Gebäuden und Hausbediensteten, mitsamt den Ländereien, Wäldern, Feldern, Wiesen, dem Weideland, den Flüssen und herabströmenden Gewässern in gänzlicher Unversehrtheit". Man kann also nicht genau wissen, ob die Schenkung tatsächlich zu Beginn des 9. Jahrhunderts erfolgte, aber Stengel gibt zu bedenken: "Gefälscht wurde vor allem da, wo es wirklich um große Werte und Besitztümer ging." Für ein paar feuchte Wiesen im Aurachgrund und möglicherweise ein Gehöft habe sich der Aufwand kaum gelohnt. Und so geht der Bürgermeister davon aus, dass Stegaurach - ebenso wie Breitengüßbach - in diesem Jahr zu Recht sein 1200-jähriges Bestehen feiern kann.
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