Bamberg
Quartier an der Stadtmauer

Die Sparkasse hofft auf einen Kompromiss

Wie es bei dem umstrittenen Handelsprojekt in der Bamberger Altstadt weitergeht, hängt jetzt von den Ergebnissen eines Architektenwettbewerbs ab. Aber auch die Bereitschaft der Sparkasse, auf Rendite zu verzichten, könnte großen Einfluss auf die Entwicklung haben.
Es geht nicht nur um eine Stuckdecke im Haus Hellerstraße 13, auf die Sparkassendirektor Konrad Gottschall hier zeigt. Viele Bürger befürchten einen Verlust an kleinteiligen Strukturen, wenn die historischen Häuser der Hellerstraße einer Einkaufsmeile zum Opfer fallen. Foto: Ronald Rinklef
Mit Architektenwettbewerben hat Bamberg seine Erfahrungen. Sie können in einem Sturm der Entrüstung münden, wie an den Unteren Mühlen der Fall. Sie können aber auch zum Auftakt für eine lange Reihe von Kostenmehrungen werden, wie bei der Kettenbrücke. Nun gibt es Gelegenheit zur Rehabilitierung dieses Gestaltungsinstruments: Der Architektenwettbewerb für das Quartier an der Stadtmauer soll ein Problem lösen, das bisher unlösbar schien.

Das sind jedenfalls die Hoffnungen, die ein Teil des Stadtrats nach der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungssenats hegte. Der Auftrag an den Projektentwickler Multi Development ist unmissverständlich: Die Architekten sollen, so die Empfehlung der Bürgervertreter, überlegen, wie die Häuser Hellerstraße 13 und 15 gerettet und in das Handelsprojekt integriert werden könnten. CSU-Stadtrat Helmut Müller formulierte das Ziel nach den Worten von Albert Einstein: "Phantasie ist wichtiger als Wissen. Denn sie ist unbegrenzt."

Für die Bamberger Sparkasse als Grundeigentümerin und die Investoren von Multi Development ist dieser Auftrag freilich eine schwere Bürde. Bisher hatten sie stets und unverrückbar verkündet, dass die Verwirklichung der Handelspassage untrennbar mit dem Abriss der Häuser Hellerstraße 11, 13 und 15 verbunden sei. Ist deshalb der Wunsch vieler Bürger nach einer Rettung der historischen Gebäude und nach einer zu Bamberg passenden Passagenlösung überhaupt realistisch? Konrad Gottschall, Vorstandschef der Sparkasse Bamberg, will sich, so sagt er, von seinem Optimismus auch nach jahrelanger schwieriger Vorgeschichte nicht abbringen lassen. Er glaubt daran, "dass eine Lösung gefunden werden kann, mit der alle leben können".

Natürlich hat es die Sparkasse selbst am besten in der Hand, wie diese Lösung aussieht. Was von der im Ursprung mittelalterlichen Substanz hinter der Langen Straße bestehen bleibt, hängt vor allem davon ab, wo die Schmerzgrenze des kommunalen Geldinstituts bei den Verkaufsverhandlungen liegt, die nach dem Ende des Bebauungsplanverfahrens anstehen.

Zweistelliger Millionenbetrag


Ein Gutachten, so ist zu hören, hat den Wert des ca. 5000 Quadratmeter großen Grundstücks mit einer niedrigen zweistelligen Millionensumme taxiert. Eine Verkleinerung der dort entstehenden Handelsfläche, zugleich eine Erhöhung des Aufwands, wie er bei der Sanierung zumindest zweier Häuser zu erwarten ist, senkt, so die Befürchtung der Planer, die Rendite erheblich.

Die Folgen sind klar: Das Ringen um einen Kompromiss wird weitergehen, weil auch die Sparkasse nicht einfach auf Geld verzichten will. "Wir müssen unsere Eigenkapitalquote und die nachhaltige Wirtschaftlichkeit der Sparkasse im Auge behalten", sagt Gottschall und verweist auf die vielfältigen gesellschaftlichen Verpflichtungen seines Hauses: "Sparkassen leben seit 200 Jahren nicht nach dem Maximumprinzip. Ein guter wirtschaftlicher Mittelweg ist uns wichtig."

Ob dieser Mittelweg den beiden umkämpften Häusern eine Zukunft verheißt, kann derzeit niemand sagen. Immerhin war im Stadtrat die leise Hoffnung nicht zu überhören, dass dem Gremium eine Grundsatzentscheidung erspart bleiben möge, die da heißt, entweder Abriss oder weiterer Stillstand.

In einem solchen Fall wird es wohl denkbar knapp werden mit einer Mehrheit für das Quartier. Denn einer eher dem Projekt positiv gesonnenen CSU und SPD steht eine breite Allianz von kleinen Fraktionen gegenüber, die von der GAL bis zum Bürger-Block, von den Bamberger Realisten bis zu den Freien Wählern reicht. Sie scheinen entschlossen, alles für eine Planung zu tun, die "Bamberg gerecht wird, selbst wenn das etwas mehr kostet", wie Dieter Weinsheimer (FW) formulierte.

Zumindest die Heimatpfleger glauben nicht daran, dass auf der Brachfläche alles beim Alten bleibt, sollte die Politik nicht ja zu den Investorenplänen sagen. "Der Immobilienmarkt in Bamberg ist mittlerweile so stark, dass kein Stillstand droht, wenn Multi Development abspringen sollte", sagt Eckehard Arnetzl. Der Heimatpfleger setzt sich für eine "kleinteilige Bamberger Lösung" ein, die auf die vorhandenen Strukturen Rücksicht nimmt und sie als Chance begreift statt zu beseitigen. Sollte es anders kommen, sieht Arnetzl eine Protestwelle auf die Stadt zurollen: "Vielen Bürgern wird erst aufgehen, was hier geplant ist, wenn sie die Modelle sehen."
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