Heiligenstadt
Denkmal

Die Schlossallee wird wieder, wie sie war

Vor über 300 Jahren ließen die Vorfahren von Christoph Graf Schenk von Stauffenberg eine Fächerallee pflanzen. In ihren Grundzügen blieb sie erhalten, was sie deutschlandweit einzigartig macht.
An den Kronen werden die Linden so gestutzt, dass deren Äste nicht mehr zusammenkommen. Wie hier gut zu erkennen ist, sind die Linden so erzogen", dass ihre Äste nur seitwärts und nach außen wachsen. Bei den Arbeiten geht es natürlich auch um Statik und Sicherheit. Fotos: Ronald Rinklef
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Der Hubsteiger steht mitten in der Lindenallee. In gut 18 Metern Höhe kreischen kontinuierlich Motorsägen, geben Wipfeln und Ästen eine neue Fasson. So sieht effektive Erziehung heute aus. Vor Jahrhunderten gab es weder Hubsteiger noch Motorsägen, die Linden waren damals auch nicht so hoch. Dafür war ihre erste Erziehung mit einfacher Gerätschaft aber überaus nachhaltig. Gemeint sind die ersten Erziehungsschnitte. Die hatten die Vorfahren von Graf Christoph Schenk von Stauffenberg für die Fächerallee in Auftrag gegeben. Jeder einzelne Baum sollte wie ein Fächer wirken, alle zusammen den Eindruck einer grünen Wand vermitteln, wie es vor über 300 Jahren Mode war bei Bäumen. Die Allee hat ihre Grundkonturen behalten und ist dadurch einzigartig, ein Kultur- wie ein Naturdenkmal bedeutenden Ranges. Damit genau das so bleibt, kreischen heute die Sägen. Nächstes Jahr soll diese Allee am Außenstandort Heiligenstadt eine Attraktion der Bamberger Landesgartenschau sein - wenn sie ihren ursprünglichen Fächercharakter wieder hat.

"Einmalig", freut sich Alfred Schelter, Regionalbeauftragter für historische Gärten über den neuen Anblick, der sich allmählich abzeichnet. "Waren Sie erschreckt", fragt er genau deswegen den Grafen. "Überhaupt nicht", sagt der Herr über Schloss Greifenstein. "Im Gegenteil". Auch seine Frau Monika gibt sich begeistert. Während sie die historischen Momente dieser Erziehungsarbeit der Laufer Fachfirma fürs gräfliche Hausarchiv mit der Kamera festhält. Für andere Besucher freilich, so ist man sich beim Ortstermin einig, wird der neue Anblick sicherlich gewöhnungsbedürftig.

Nachdem Fächeralleen aus der Mode gekommen waren, erhielt die Heiligenstadter Allee nicht mehr den Baumschnitt, der den Fächercharakter herausarbeitet. Das heißt, es wuchsen Äste an den straßenzugewandten Seiten der Allee, die sich letztlich zu einem grünen Dach verdichteten, macht Kreisfachberater Uwe Hoff deutlich. Aber die Grundkonturen blieben. Natürlich wurden im Laufe der Zeit Bäume morsch, so dass Sicherungsmaßnahmen erfolgen mussten.

Vor zehn Jahren, als er noch beim Landesamt für Denkmalpflege (Außenstelle Schloss Seehof) tätig war, so merkt Alfred Schelter an, sei die Idee für den Erhalt der Schloss-Allee in der neuen, alten Form entstanden. Der Schlossherr war begeistert, Naturschutz ebenso wie Denkmalschutz waren bald im Boot, die Finanzierungsfrage schwieriger zu klären. Die Rede ist von 100 000 Euro, für ein Zehnjahresprojekt (in fünf Jahresschritten muss die neue Fasson nachgearbeitet werden). Oberfrankenstiftung, Bayerische Landes- stiftung und Naturschutz ziehen mit.

Bevor die drei Fachagrarwirte für Baumpflege mit ihren Sägen in dieser Woche loslegen konnten, war ein Gutachten notwendig. Landschaftsarchitekt Helmut Wiegel hat alle 97 Linden entlang der 450 Meter langen Allee untersucht. Etlichen Bäumen hatte der Mistelbewuchs zu schaffen gemacht, andere hatten wegen des einseitigen Bewuchses statische Probleme. Das Gutachten sagt, was mit jeder Linde geschehen soll. "In Einklang mit dem Naturschutz", wie der Graf betont. Das heißt für Pflanzen- und Tierwelt bleibt Totholz da erhalten, wo es statisch vertretbar ist. Auch werden die Bäume, die ursprünglich nur acht bis neun Meter hoch sein durften, in der Höhe erhalten, die aus Sicherheitsgründen sinnvoll ist. Bis nächstes Jahr werden die Bäume auch dank des aktuellen Schnittes mächtig austreiben und dann wieder zu grünen Fächerwänden geworden sein, freuen sich alle Beteiligten.

Auch Sebastian Graf Schenk von Stauffenberg freut sich darauf, obwohl der 18-Jährige die Allee noch nie anders als "bedacht" kennt. "Es wird sicher sehr schön, wenn man von unten nach oben zum Wetterturm des Schlosses sehen kann", gibt er sich schwärmerisch. Wie Alfred Schelter, "so was in dieser Art gibt es in Deutschland nicht mehr!" Dank der konzertierten Aktion verfügt Heiligenstadt über etwas Unvergleichliches, ein Alleinstellungsmerkmal, wie der Schlossherr anmerkt.

Zwei Wochen sind die Herren auf dem Hubsteiger noch in Sachen Erziehung vor Ort. Das nächste Mal erst in fünf und zehn Jahren, der übliche Turnus bei den Erziehungsschnitten.
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