Der Archäologe und Geologe Bernhard Häck sitzt gemeinsam mit seinem Chef und Landeskonservator Sebastian Sommer im Torhaus von Schloss Seehof. Sein Arbeitgeber hat kurzfristig zu einer Pressekonferenz eingeladen. Allerdings nicht in der Höhle und auch nicht davor. Deren Ort bleibt geheim.

Das Objekt, um das ein solches Geheimnis gemacht wird, ist eine etwa 80 Meter lange Höhle, in die Wasser eingedrungen ist, dabei Kalkstückchen gelöst hat, die durch Ablagerung Tropfsteine gebildet haben. Zunächst also nichts Besonderes.

Aber die Gesteinsformationen im Inneren sind alles andere als alltäglich. "Forscher nennen die Höhle Hoden- oder Tittenhalle", sagt Häck. Eine kuriose Laune der Natur. Doch für Archäologen nicht das eigentlich Spektakuläre an der Höhle.

Es ist etwas anderes, das die Herzen der Forscher inzwischen höher schlagen lässt. Auf den von der Natur geschaffenen obszönen Rundungen sind bei näherem Hinsehen Ritze und Linien zu erkennen, die eindeutig von Menschenhand stammen sollen. Was diese Gravuren bedeuten, ist reine Spekulation.

Beim Alter der Gravuren sind Häck und Sommer sich einig. Aufgrund von Sinterablagerungen, die in Form von Rissen die Gravuren durchziehen, schätzen sie deren Alter auf 10.000 bis 12.000 Jahre. In Deutschland sei so etwas bisher einzigartig.

Das weckt Begehrlichkeiten. Entgegen aller Abmachungen hat ein emeritierter Kölner Archäologieprofessor, der an der Erforschung der Höhle beteiligt war, Details in die Öffentlichkeit gebracht und so den Medienrummel erst ausgelöst.

Die Höhle, die an einem Waldhang auf Privatgrund liegt, war bis gestern noch ungesichert. Vereinsmitglieder des Landesverbands für Höhlen- und Karstforschung in Bayern haben über Bürokratiegrenzen hinweg gestern Nachmittag die Höhle zumindest provisorisch gegen Eindringlinge gesichert.

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