In Kürze ist es wieder soweit. Die Sandkerwa als Bambergs "fünfte Jahreszeit" beginnt: Etliche Besucher reisen eigens in die Stadt, um das Kirchweih-Treiben zu genießen. Zahllose Menschen feiern, treffen Freunde und haben Spaß. Von mittags bis Mitternacht dauert das Spektakel jeden Tag. Erst um 0.30 Uhr ist Ausschankschluss, dann kehrt im Sand nach und nach wieder Ruhe ein. So gibt's bei fünf Tagen Ausnahmezustand auch Schattenseiten, die dem Partyvolk entgegen: Über Stress, Hektik, Lärm, Schmutz und Gewimmel beklagt sich mancher Bamberger in dieser Zeit oder entflieht dem Treiben gleich, indem er vereist. Immerhin schieben sich von Donnerstag bis Montag rund 300.000 Menschen durchs Sandgebiet - von der Markusbrücke über den Katzenberg bis zur Schranne bleibt kein Millimeter ungenutzt.

Bis weit nach Mitternacht


Aber noch ist es längst nicht soweit. Noch wird jede Sekunde für Vorbereitungen genutzt. Es gibt viel zu tun. Ulrike Heucken koordiniert die Arbeiten der Sandkerwa als Veranstalterin. Derzeit läuft Heucken zur Hochform auf: Sie telefoniert, organisiert und packt selbst mit an, wenn es sein muss - bis weit nach Mitternacht. Und das weit im Vorfeld, denn auf der Sandkerwa ist die Bambergerin quasi rund um die Uhr präsent, um sich aktuellen Herausforderungen zu stellen. Weil Heucken stellvertretende Vorsitzende des Bürgervereins 4. Distrikt, der IG InteresSand und Geschäftsführerin der Sandkerwa-Veranstaltungs GmbH ist, mag das verständlich sein. Selbstverständlich ist es aber noch lange nicht. Indes genießt die Fränkin die Arbeit in gewisser Weise, bei der sie ganz in ihrem Element ist.

Über 3000 Wimpel


Heucken kümmert sich um so manches, an das man bei dem Aufgabenspektrum einer Geschäftsführerin nicht denkt: Bis hin zu den neuen Urinalständern, die heuer an der Markusbrücke und am Ottoplatz zusätzlich aufgestellt werden. "Geeignete Plätze zu finden, war nicht ganz einfach." Immerhin muss es einen dementsprechenden Abfluss geben. Und dann gilt es, bei allen Arbeiten Helfer zu koordinieren. Wie auch die Wimpel-Büglerinnen. Zwei Freiwillige bügeln seit 30 Jahren über 3000 Wimpel, die zur Sandkerwa über die Straßen gespannt werden. Das wiederum macht die Wimpelaufhäng-Truppe unter tatkräftiger Unterstützung des Domchores.

Zu den ehrenamtlichen Helfern gehören auch die "Sandgmar", die für den Hahnenschlag zuständig sind. Zu ihnen gehören die Schützen und Fischer, BRK und Feuerwehr, der Lions Club, die Abzeichenverkäufer und etliche andere. "Die Sandkerwa ist eben die Mutter aller Events in Bamberg", sagt Ulrike Heucken. "Sie ist ein ursprüngliches, ein gewachsenes Fest, ja , unsere Kerwa." So spricht die Begeisterung nicht nur aus der Organisatorin, sondern auch aus der Bewohnerin des Sands.

Jede Birne überprüfen


Und dann gibt es noch die Lichterketten-Truppe. Sie hängt die bunten Lämpchen nicht nur auf, sondern überprüft im Vorfeld jede einzelne Birne - wie viele es sind, wird übrigens als Geheimnis gehütet. Für den Bayerischen Rundfunk muss ein geeigneter Platz für die Aufstellung des Übertragungswagens gefunden werden. Auch hier ist Heucken Ansprechpartner. Kein leichtes Unterfangen übrigens, wenn man bedenkt, dass der Wagen in der Nähe des Geschehens stehen muss, aber weder Feiernden noch Rettern im Weg sein darf. Rechnungen für die Beschilderung, den Rettungsdienst und die Straßenreinigung müssen bezahlt, rund 90 Lizenzen für Stände im Festgebiet - vom Stadtarchiv bis zur Schranne - vergeben werden. Etc., etc.

"Sei Ihr alle da?"


Bis Donnerstag um 13 Uhr müssen alle Vorbereitungen abgeschlossen sein. Was auf Hochtouren lief, zahlt sich endlich aus. Zwar beginnt in diesem Moment die eigentliche Kerwa-Arbeit für alle Beteiligen erst, aber auch der Spaß. Und wenn das Bamberger Kasperle gleich zum Start der 62. Sandkerwa fragt "Seid Ihr alle da?", kann auch Ulrike Heucken aufatmen und zusammen mit den Kindern rufen: "Jaaaa!"