Bei den Don-Bosco-Musikanten Bamberg wird in diesen Tagen mehr geprobt als sonst. Gut 200 Meter entfernt von der Konzert- und Kongresshalle, in der sie sich am 27. Oktober der Jury stellen, arbeiten die Bläser an Exaktheit, Dynamik und einem ausgewogenen Klang.

Allerdings nicht bei sinfonischen Werken, sondern bei Polka, Marsch und Walzer. Denn wenn um 9 Uhr im Joseph-Keilberth-Saal der internationale CISM-Wettbewerb beginnt, treten die Bamberger zeitgleich im Hegel-Saal in einer Stilrichtung an, die der Nordbayerische Musikbund zu seinem Jubiläum verstärkt fördert: der Böhmisch-mährischen Musik.

Nummer Fünf beim Musikbund


Vor sechs Jahren haben die Don Bosco-Musikanten, übrigens Gründungskapelle Nummer Fünf im Nordbayerischen Musikbund, die traditionelle Blasmusik für sich entdeckt. Auf eine kleine Anzeige hin entschlossen sie sich zu einem Ausflug samt Wettbewerbsteilnahme in Südtirol - und erspielten sich auf Anhieb den 2. Platz in der Unterstufe. Seitdem ist Böhmisch-mährisch ihre Spezialität, berichtet Vorsitzender Michael Jungkunst.

Der Nordbayerische Musikbund will das bisherige "Stiefkind" nun ganz bewusst fördern und setzt mit dem Wettbewerb beim Jubiläum einen "Startschuss", so Geschäftsführer Andreas Kleinhenz.
Er hat jedoch bereits im Vorfeld Workshops zur böhmisch-mährischen Blasmusik organisiert: mit Referent Christian Reder, der nun neben Franz Watz und Klaus Rappel in der Jury sitzt und sich "sehr darüber freut".

Er wird wie im Workshop besonders auf einen ausgeglichenen Klang, auf die passende Stückwahl im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit des Orchesters und auf eine exakte Artikulation achten. In den von ihm initiierten, bei diesem Wettbewerb erstmaligen Jury-Gesprächen will er die Kapellen stärken und ermutigen sowie den Dirigenten einen Leitfaden für die traditionelle Blasmusik an die Hand geben. Denn Reder möchte erreichen, dass auch sie intensiv erarbeitet, mit Stil gespielt und nicht als Biermusik abgestempelt wird.

Strahlende Gesichter


In den Workshops ist es ihm bisher immer gelungen, die Musiker dafür zu begeisterten. So gibt es jedes Mal strahlende Gesichter, wenn die Bläser zum Beispiel lernen, sich gemeinsam zu artikulieren, Phrasenbögen zu gestalten und einfach einen Klang zu produzieren, der sie selbst begeistert. In wenigen kleinen Schritten ist ein Orchester gewachsen, das gemeinsam eine Aussage trifft, sagt Reder.

So wie für ihn sein erster Jury-Auftritt, ist auch für die Jugendblaskapelle Burgwindheim die Teilnahme am Jubiläums-Wettbewerb etwas ganz besonderes, so Dirigent und Vorsitzender Joseph Herbstsommer. Auch in dem kleinen Ort, 25 Kilometer von Bamberg entfernt, wird seit Juli eifrig geprobt und an Stil, Stimmung, Rhythmus und Intonation gearbeitet, erklärt er.

Über viele Zuhörer freuen sich übrigens alle 27 angemeldeten Kapellen: Sowohl die Orchester beim konzertanten als auch beim böhmisch-mährischen Wettbewerb. Der Eintritt ist frei.

Zum internationalen CISM-Wettbewerb sind fünf Kapellen in der Mittel, sechs in der Ober- und vier in der Höchststufe angemeldet. Beim böhmisch-mährischen Wettbewerb treten drei Kapellen in der Stufe "leicht", fünf in "mittel" und drei in "schwer" an.