Die Zeiten ändern sich - und mit ihnen die Aufgaben. Hatte der bisherige Geschäftsführer des Bamberger Caritasverbandes, Bernhard Poesdorf, den Verband aufgebaut und sich unter anderem um bis zu 1000 Flüchtlinge gekümmert, so möchte sich sein Nachfolger Peter Ehmann besonders der 5300 überschuldeten erwachsenen Menschen in Bamberg und der 1500 in Armut lebenden Kinder annehmen. Vor kurzem fand die Amtsübergabe statt.

Mit dem Ausscheiden von Bernhard Poesdorf als Geschäftsführer geht eine Ära zu Ende: Über 30 Jahre lang und somit von Beginn an stand er an der Spitze des Sozialverbandes, der Anfang der 80er Jahre ins Leben gerufen als Allgemeine Soziale Beratungsstelle. Damals wurden durch das Bundessozialgesetzbuch viele soziale und pflegerische Dienste in die Hände der Wohlfahrtsverbände gegeben. "Wir hatten fünf Stellen in der Allgemeinen Sozialen Beratungsstelle und rund zehn Pflegekräfte, die überwiegend Nonnen waren", sagt der Geschäftsführer im Vorruhestand. Innerhalb von nur fünf Jahren entwickelte sich der Caritasverband rasant, und 1986 hatte der Stadtverband 35 Mitarbeiter.

Nicht nur der ambulante Dienst weitete sich aus, sondern auch die Beratungsbereiche mit Sozialarbeitern und Psychologen. So wurde 1991 die Schuldner- und Insolvenzberatung eingeführt, da seine Mitarbeiter festgestellt hatten, dass immer mehr Menschen mit ihren persönlichen Finanzen nicht zurechtkämen. "Das war zu jener Zeit keine leichte Geburt", betont Poesdorf. Oftmals sei er belächelt und angefeindet worden. Heute hingegen sei diese "innovative Idee aus den 90ern" nicht nur etabliert, sondern gefragter denn je. Gerade im Bereich der Verbraucherinsolvenz sei die Nachfrage derart gestiegen, dass die Wartezeiten bis zu sechs Monaten betragen.

Flüchtlinge als Herausforderung


Sehr lebhaft kann sich Bernhard Poesdorf auch noch an die erstmalige Arbeit mit Flüchtlingen erinnern: "Ende der 80er Jahre kamen die ersten Flüchtlinge nach Bamberg. Zur Hochzeit hatten wir in der Domstadt bis zu 1000 Flüchtlinge an verschiedenen Standorten untergebracht." Gleichzeitig führte der Caritasverband Bamberg Stadt eine Beratungsstelle für Flüchtlinge mit zwei Arbeitsbeschaffungsmaßnahme-Kräften ein. Mitte der 90er Jahre kümmerten sich dann bereits vier Vollzeitbeschäftigte um die Anliegen der Asylbewerber. "Dieser Menschen hat sich niemand annehmen wollen, und auch in der Öffentlichkeit waren sie nicht unbedingt gerne gesehen. Hauptsächlich durch kirchliche Mittel, aber auch durch die Beteiligung der Stadt konnte diese Arbeit aufrechterhalten werden", erinnert sich Poesdorf.

Poesdorf musste in den letzten drei Jahrzehnten auch mit Schwierigkeiten zurechtkommen: so wurde die Finanzierung der Sozialen Dienste von Jahr zu Jahr schwieriger und die ambulante Pflege mit dem engen Rahmen der Pflegeversicherung stellte ihn vor neue Herausforderungen. "Die Menschen werden immer älter und immer mehr wollen so lange es geht in ihren eigenen vier Wänden leben. Gleichzeitig wird es aber immer schwieriger, Pflegefachpersonal zu bekommen", schildert der 61-Jährige. Nichtsdestotrotz glaubt Poesdorf, dass er seinem Nachfolger mit ruhigem Gewissen einen Caritasverband übergebe, der gut dastehe. Er selbst wolle nun wieder mehr Sport treiben, sich verstärkt der Gartenarbeit widmen und ein lang gehegtes Ziel in die Tat umzusetzen: den Pilgerweg nach Santiago de Compostela beschreiten.

Nachfolger Poesdorfs ist Peter Ehmann. Er leitet seit zwölf Jahren als Geschäftsführer den Caritasverband im Landkreis Forchheim mit rund 140 Mitarbeitern. Zusätzlich wird er sich nun auch um die Belange des Bamberger Caritasverbandes mit seinen knapp 100 Mitarbeitern kümmern. "Eine zweifache Geschäftsführung ist hier möglich, da beide Verbände ähnliche fachliche und organisatorische Strukturen haben", sagt der 47-jährige Familienvater dreier Kinder. Er selbst lebt in Bamberg. Für seine Arbeit in Bamberg hat er sich zwei Schwerpunkte gesetzt.

Dementen-WG entsteht


Zum einen will er die ambulante pflegerische Versorgung weiter stärken und den neuen Herausforderungen anpassen. "Immer mehr Menschen werden pflege- und betreuungsbedürftig und wollen trotzdem am Abend in ihrem eigenen Bett liegen", sagt Ehmann. Ein Wohnprojekt in der Schützenstraße, bei dem in Kooperation mit der Joseph-Stiftung auch eine Dementen-WG realisiert wird, ist eine Antwort auf diese Entwicklung. Einen zweiten Schwerpunkt sieht Ehmann in der Armutsfrage. Mit laut Schuldenatlas 5300 überschuldeten erwachsenen Personen in Bamberg oder den 1500 Kindern, die in Armut leben, müsse man sich verstärkt Gedanken über Prävention und Teilhabechancen machen.