Die imposante Klosteranlage St. Michael thront schon seit 1000 Jahren über Bamberg. Dabei wirkt die historische Anlage um einiges mächtiger in ihrer Erscheinung als der Dom selbst. Bischof Eberhard und Kaiser Heinrich II. gründeten sie im Jahr 1050. Seitdem prägt sie das Stadtbild maßgeblich. Allerdings war das Unesco-Weltkulturerbe nicht immer so herausgeputzt wie in jüngster Zeit. Das ist vor allem den finanziellen Mitteln des Investitionsprogramm-Welterbestätten und der Arbeit vieler Mitarbeiter der Stiftung Weltkulturerbe zu verdanken.

Am Samstag öffnete die Klosteranlage ihre Pforten erstmals für Besucher. Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene nahmen - trotz der Hitze - die Gelegenheit wahr.
Das "Fest der Generationen" wurde seinem Namen vollkommen gerecht und so boten sich jeder Altersgruppe zahlreiche Veranstaltungen.

"Wir sind froh, dass wir den Bürgern erstmals einen solchen Einblick gewähren können", sagte Werner Kühhorn, Organisator und Finanzreferent der Stiftung Weltkulturerbe. Nahezu alle Gebäudeteile standen zur Besichtigung offen. Erwachsene konnten sich einen Eindruck von der Arbeit der Stadtverwaltung verschaffen. Das Immobilienmanagement der Stadt Bamberg gewährte einen Einblick in die tägliche Arbeit. Ihre Büros haben nun ebenfalls einen Platz in den restaurierten Barocken Räumen des Klosters gefunden. Dort konnten sich die Bürger über die tägliche Arbeit, den Unterhalt der Bauwerke, die technische Ausstattung, die Liegenschaften und aktuelle Projekte der Verwaltung wie die Modernisierung und Erweiterung des Clavius-Gymnasiums informieren. Das Amt für Umwelt, Brand- und Katastrophenschutz informierte die Bürger über Umweltrecht und das Agenda-21 Projekt.

Zudem waren erstmals die Restaurierungsfortschritte der insgesamt 24 Teilprojekte am Michaelsberg zu besichtigen. Zum einen das Michaelsportal an der Südfassade, das den Zugang zur Villa Schröppel freigibt. Das kleine Anwesen mit Garten wurde nach historischen Plänen vier Jahre lang restauriert und wird nun seinem eigentlichen Zweck als Wohnhaus wieder gerecht. 1902 für den Bamberger Süßwaren- und Schokoladenfabrikanten Albrecht Schröppel errichtet, erstrahlt das stiftungseigenen Schmuckstück mit seinen floralen Details nun wieder in altem Glanz. Zum anderen waren die Sanierung der Natursteinfassaden und der Stützmauern der Klosteranlage zu sehen. Künftig wird der Zugang durch das Michaelsportal allerdings nur noch für Führungen oder besondere Anlässe offen stehen, da es direkt durch das Grundstück der ab August wieder vermieteten Villa Schröppel führt.

"1000 Jahre - 1000 Schritte" ist das Motto eines Rundgangs, bei dem Besucher des Michaelsberges anhand von Infotafeln die historische Anlage und die Restaurierungsarbeiten der letzten fünf Jahre Schritt für Schritt erkunden können. Einzig die seit kurzem einsturzgefährdete Klosterkirche musste geschlossen bleiben. "Die Voruntersuchungen sind zwar abgeschlossen", erklärte Karin Hampe, die für das Immobilienmanagement das Projekt betreut, doch müsse man das abschließende Gutachten noch abwarten. Da 80 Prozent aller Balken im Langhaus von Pilzen befallen sind, besteht die Gefahr, dass das Dach jederzeit einstürzen kann. "Die Kirche ist ständig in Bewegung", so Hampe. Größere Risse werden seit eineinhalb Jahren durch Sensoren überwacht. Diese Woche noch wird die Notsicherung beginnen, die das Einstürzen verhindern soll.

Auch die Räumlichkeiten der Sozialstiftung Bamberg und der Lebenshilfe Bamberg im Prälatenbau standen für die Besucher offen. Die Wohngruppen der Lebenshilfe und den Apartments des betreuten Wohnens des Seniorenzentrums waren für Interessierte am Alltag älterer Menschen in der Einrichtung geöffnet. Zudem gaben die Betreuer gerne Informationen zum ambulanten Pflegedienst. Auch das Seniorenzentrum Antonistift bot ihren Besuchern mit einer Show-Rösterei und einem Sinnesgarten Unterhaltung für jede Altersgruppe.

Die Ensembles der städtischen Musikschule sorgten für die passende Untermalung des Festakts. Mit Querflöten, Saxophon, Akkordeon, Trompete und zahlreichen anderen Auftritten waren nahezu alle Instrumente auf der Bühne vertreten. Neben der Feuerwehr, die mit ihrem Gerätewagen Gefahrgut vor Ort war, lud das Stadtarchiv zu seiner aktuellen Ausstellung über das Kriegsende in Bamberg ein.

Auch für die kleinsten Besucher standen alle Teile des Areals offen. Sie erkundeten den Michaelsberg selbstständig und lernten spielerisch anhand einer Kinderrallye alles Wissenswerte über die einzelnen Teilbereiche. Wem es in der Sonne dann doch zu heiß wurde, der konnte in historischen Workshops in den Gebäuden lernen, wie man zum Beispiel einen Lederbeutel bastelt, Kräutersalbe herstellt oder ihre Wünsche mit Luftballons dem Himmel näher bringt.

"Das Freibad macht uns bei dem Wetter große Konkurrenz", erklärte Kühhorn bei 34 Grad im Schatten, war aber dennoch erfreut über die zahlreichen Besucher.