Gundelsheim
Jubiläum

Der Löschwagen fasziniert alle Generationen

Gundelsheim feiert in diesem Jahr das 125-jährige Bestehen der Feuerwehr. Dazu gehört eine Ausstellung im Kulturraum. Anton Hauptmann ist seit 55 Jahren im Verein und kann den Jungen etliche Bilder und Gegenstände erklären.
Anton Hauptmann und Heribert Demant (rechts) betätigen sich am ersten, historischen Löschwagen Gundelsheims. Alle Fotos: Ronald Rinklef
+10 Bilder
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Mit einer Mi schung aus Begeisterung und Respekt flankieren die gestandenen Männer das antiquierte Vehikel. "Das funktioniert noch", sagt Anton Hauptmann mit hörbarem Stolz. Er deutet auf Stoffschlauch, gusseiserne Schwängel und geflochtene Körbe. Und natürlich das Herzstück - die Spritze. 1893 haben die Gundelsheimer auf Drängen der Behörden ihren ersten Löschwagen angeschafft; die Anfänge der Wehr gehen auf 1886 zurück. So wird heuer das 125-jährige Bestehen gefeiert. Anton Hauptmann ist 55 Jahre dabei. Kommandant Heribert Demant assistiert dem 69-jährigen Hauptmann, während der vorführt, mit welchen Handgriffen das wuchtige Vehikel einsatzfähig wird. Wenige Meter weiter, wo Löschfahrzeug und Tanklöschfahrzeug zusammen mit dem Mehrzweckfahrzeug in Startposition stehen, wäre es wohl umgekehrt.
Für die Gundelsheimer Feuerwehr haben alle Fahrzeuge im Feuerwehrhaus eine Bedeutung. Das zeigt auch die Jubiläums-Ausstellung im Kulturraum. "Wir wollten zum 125. nichts Großes machen", erklärt Erster Vorsitzender Andreas Wolf. Herausgekommen sind dabei doch ganz besondere Jubiläums-Events: Besagte Ausstellung und ein Symposium.
"Ich bin erstaunt, was die alles zusammengetragen hat", bewundert Hauptmann das Werk von Gemeindearchivarin Maria Köppl. "Die hat im ganzen Dorf herumgebettelt", hat Hauptmann erfahren, während er staunend gemeinsam mit Demant, Wolf und Stellvertretendem Kommandanten Bernd Laufer an zwölf Wänden und zwei Vitrinen entlang 125 Jahre Feuerwehrvereins-Geschichte abwandert. Ganz wichtig der erste Löschwagen, der selbstverständlich auf einer eigenen Fotografie groß zu Ehren kommt. "In dem Anbau von 1894 war der Wagen untergebracht", zeigt Hauptmann den Jungen und deutet links neben das ehemalige Armenhaus. "Der steht heute nicht mehr." Dem ersten Feuerwehrhaus beim Friedhof folgte ein zweites gleich in der Nähe. "Mit Schlauchturm", Kommandant Demant deutet mit Wehmut im Blick darauf. Denn seit die Feuerwehr in ihr jetziges Domizil im Ortskern gezogen ist, hat sie keinen Trockenturm mehr, "wurde damals nicht gefördert". Und auch so passt das Gebäude aus dem Jahr 1985 nicht mehr so zu den heutigen Anforderungen. Die sind mit den Jahren und der Bevölkerung gewachsen, sinniert Hauptmann. Demant nickt.
"Sogar das Horn ist da", freut sich Hauptmann. Bis 1956 war es im Einsatz: Auf dem Rad fahrend hat der Hornist Alarm geblasen, schildert Hauptmann, der selbst 27 Jahre aktiv war.
In jeder Epoche war die Wehr doch zeitgemäß ausgerüstet, zeigen die Kommentare der Feuerwehrmänner. Die Dokumente in den Vitrinen geben Aufschluss über Anschaffungen. Darunter der legendäre Opel Blitz, dem selbstverständlich eine Aufnahme gewidmet ist. "Auf dem Blitz haben wir alle Fahrstunden gemacht, Sonntagfrüh", weiß Anton Hauptmann.
Den Blitz kennen die jüngeren Feuerwehrleute zumindest aus den Erzählungen noch, ebenso wie die Kathi, "das war der Unimog", erklärt Vorstand Wolf. Jetzt tut die Kathi immer noch Dienst - bei der Partnergemeinde aus den neuen Bundesländern, allerdings nicht mehr als Feuerwehrfahrzeug.
Scheunenbrände des vergangenen Jahrtausends sind ebenso zu sehen wie Aufnahmen von Einsätzen aus den letzten elf Jahren bei schweren Autobahnunfällen. In den Festzugbildern von den diversen runden Vereinsjubiläen finden die Jüngeren ihre Verwandten und mit höherer Jahreszahl auch sich selbst wieder. Die Herren schwelgen in Erinnerungen, wie Gebäude und Menschen gerettet, aber auch wie aus Lausbuben gestandene Aktive wurden. Eines ist dem älteren Herren und der heutigen aktiven Riege gemein: Die Begeisterung für alles, was die Feuerwehr betrifft, und der Stolz, dabei zu sein.
Anton Hauptmanns aktive Zeit ist nach 27 Jahren schon lange zu Ende, aber was in seinem Verein geschieht, das interessiert ihn selbstverständlich auch heute noch. "Deswegen gehe ich zu den Versammlungen." Wegen seines großen Engagements wurde er bei der - traditionellen - Jubiläumsveranstaltung zum Ehrenmitglied ernannt.
Nach der Ausstellung sehen sich die Männer den ersten Löschwagen vom Foto im Original im Feuerwehrhaus an. "Mein Traum wäre es, wenn Pferde den Wagen bei einem Umzug durch den Ort ziehen", schwelgt Kommandant Demant. Das wird wohl noch dauern. Nicht allzu lange freilich darf es dauern, bis ein weiteres Kapitel der Feuerwehrgeschichte begonnen ist - Generalsanierung oder Neubau des Feuerwehrheims, ist man sich generationenübergreifend einig.

Die Jubiläumsausstellung 125 Jahre Feuerwehr Gundelsheim ist im Kulturraum unter der Woche zu den Öffnungszeiten des Rathauses und am Wochenende in der Zeit von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Gezeigt wird sie noch bis zum 18. Dezember.
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