Einigkeit macht stark. Und führt letztlich zum Erfolg. Eine Erfahrung, die eher polyzentrisch orientierte Franken zwar immer wieder mal machen dürfen. Aber eine Erkenntnis, die sie sich immer wieder aufs Neue erarbeiten müssen. So schnell gerät sie zwischendurch immer wieder in Vergessenheit. Weil sie's mit der Einheit nicht so haben, die Franken. Im Gegenteil: Fränkisches neckt sich halt gern. Neckt, das ist das Mindeste. Man könnte noch weiter gehen und auch von streiten sprechen.

Fränkische Rivalitäten

Einen Strauß mit dem Nachbarn ausfechten, das gehört zum täglichen Geschäft eines Franken. Nein, das ist kein billiges Vorurteil, das ist gelebte Realität. Zum Beispiel die Nürnberger und die Fürther. Die sind seit Urzeiten einander herzlich abgeneigt. Von einem städtischen Mitarbeiter in Fürth vor einiger Zeit auf den Rathausturm geführt, genieße ich den schönen Ausblick. Erlangen ist da zu sehen, der schöne Blick ins Regnitztal.

Als dann in südöstlicher Richtung die Umrisse der Nürnberger Burg erkennbar werden, heißt es ganz lapidar: "Do braungs ned noguggn, des is blos Nermberch."

So ist er halt, der Frank. Das Beispiel Nürnberg-Fürth ließe sich beliebig fortsetzen. Die Bamberger können nicht mit den Bayreuthern, und umgekehrt selbstverständlich. Die Bayreuther sind sich aber auch nicht grün mit den Hofern, und die Sander und die Zeiler mögen sich schon überhaupt nicht.

Diese fränkische Eigenart wussten andere Volksstämme im Freistaat immer für sich zu nutzen. Weshalb es auch lange nicht voranging mit der offiziellen Einführung eines Tags der Franken. Im Oktober 2004 suchte ein oberfränkischer Bürger mit Hilfe einer Petition im Landtag erstmals einen solchen Festtag für die Franken durchzusetzen.

Es brauchte nahezu zwei Jahre, bis es endlich soweit war. Was Ober- und Niederbayern, Schwaben und Oberpfälzer nicht vermutet hatten, war eingetreten: Alle fränkischen Abgeordneten aus Ober-, Mittel- und Unterfranken, und zwar sowohl von Seiten der CSU als auch der SPD, hatten sich einmütig und mit großem Nachdruck für die Einrichtung eines solchen Festtags ausgesprochen.

Entscheidung am 18. Mai 2006

Das war doch so überraschend, dass der bayerische Landtag am 18. Mai 2006 der Einführung des Festtags zustimmte und den 2. Juli als den dafür geeignetsten Termin bestätigte.

Noch im gleichen Jahr feierten die Franken erstmals ihren Festtag. In Nürnberg natürlich, im Museum Industriekultur, wo sinnigerweise zeitgleich die Landesausstellung "200 Jahre Franken in Bayern" stattfand. Seither geht es im Wechsel von Regierungsbezirk zu Regierungsbezirk. 2007 wurde in Bamberg gefeiert, da schon etwas größer.

Es folgten Miltenberg, Bad Windsheim und im Jahr 2010 Kulmbach. Da feierte man nicht nur nach dem Motto "Franken genießen", sondern vor allem so richtig groß. Die ganze Stadt war auf den Beinen.

Nach den Frankentagen in Bad Kissingen und Schwabach ist heuer wieder Oberfranken an der Reihe. Allerdings anders als sonst. Dem mit der Organisation und Planung des Tags der Franken betrauten Bezirksheimatpfleger Günter Dippold war das ständige Bezirksrotieren bei Veranstaltungen mit Volksfestcharakter an einem Ort schon länger ein Dorn im Auge. Er wollte es anders machen, ganz anders.

Herausgekommen ist dabei erstmals ein dezentraler Tag der Franken. Es gibt einen Festakt, den wird es Bayreuth geben. Es gibt aber daneben noch über 120 weitere Veranstaltungen, die im Zusammenhang stehen mit dem Tag der Franken und dem Motto "Franken im Ohr". Gefeiert wird an sechs Tagen und das in allen drei fränkischen Regierungsbezirken. Der Tag der Franken, er wandert mehr und mehr in die Fläche, bietet eine Vielzahl unterschiedlichster Veranstaltungen. Für Dippold zwingende Folge des fränkischen Charakters, der eben sehr vielschichtig ist und nicht nur zänkisch. Das aber auch.