Wenn sich de Kerwa-Umzug am Samstagnachmittag in Bewegung setzt, dann ist dem Gefährt von Bernhard Eichhorn ganz besondere Aufmerksamkeit sicher, dann werden viele Hallstader wieder ganz eng auf Tuchfühlung gehen, damit sie was von dem Wagen abbekommen. Da wollen traditionell die Hallstadter wieder herzhaft in das beißen, was vor langer, langer Zeit ihren Spitznamen begründet hat: Hutkrapfen. Denn Landwirt Bernhard Eichhorn hat seinen mächtigen Fendt-Schlepper vor den Krapfenbackerwagen gespannt. Und auf dem befinden sich 50 Kisten und Kartons mit der Hallstadter Spezialität.

Der 40-Jährige feiert bei dieser Kerwa zugleich ein persönliches Kirchweih-Jubiläum: Zum 25. Mal zieht er den Krapfenwagen hinter sich her. Von der Hallstadter Bahnhofstraße zuerst einmal nach Dörfleins, wo sich der Zug mit seinen heuer 15 Gruppen formiert und von dort durch Hallstadt und zum Marktplatz zieht, wo am Ende der Kirchweihbaum in die Höhe gehievt wird. Wie Stepahn Czepluch, Vorsitzender des Sport und Kulturrings (SKR) verrät, wartet dort auch eine kleine Überraschung auf den treuen Krapfenwagenfahrer... Mit Helfer Josef Diller bereitete er schon am Freitag den Wagen mit vor.

Zustänigkeit hat gewechselt


Bis zum Jahr 2004 war der Bürgerverein für den Krapfenwagen zuständig. Seitdem ist es der SKR, an dessen Spitze Czepluch seit zwei Jahren steht. Deswegen begleitet er mit einem Team den Wagen, bereitet ihn mit vor und organisiert Aufbau, Schmuck und natürlich die Krapfen. Nach Jahrzehnten ergibt sich hier ein Novum, die allseits bekannte Krapfenbäckerin Gunda Schlauch wird mit diesem Jahr von einer Nachfolgerin mit neuem Team abgelöst. Das tritt am frühen Samstagmorgen in Backaktion.

Action war bereits gestern bei der Vorbereitung des Wagens im Hof der Familie Eichhorn angesagt. Die im Bauhof eingelagerten Aufbauteile mussten zum Prachtwagen zusammengesetzt werden. Bis dahin wurden auf ihm Bagger und zuletzt Heuballen transportiert, denn Familie Eichhorn gehört zu den letzten praktizierenden Landwirten Hallstadts und ist derzeit mitten im Häckseln und bei der Heuernte. Aber die Kirchweih ist der Familie wichtig und Bernhard Eichhorn stolz, die Familientradition fortzuführen, denn im Alter von 15 hat er die von seinem Vater Dietmar übernommen. Bevor dieser fünf Jahre den Wagen zog, wechselten sich die Landwirte ab.

An Historie interessiert


Bernhard Eichhorns Frau Astrid kommt nicht aus Hallstadt und interessiert sich deswegen für die Historie von Kerwa und Krapfenwagen. Wie sie bei Alois Zirkel in Erfahrung brachte, handelt es sich bereits um die dritte bebilderte Wagen-Verkleidung, auf der das Krapfenbacken illustriert wird. Seit 17 Jahren ist sie in Betrieb. Woher allerdings der Ofen stammt, dem beim Umzug immer mächtig mit Stroh eingeheizt wird, das will sie noch herausfinden.

Während Papa Bernhard den Krapfenwagen im Schritttempo hinter dem Fendt her rollen lässt, wird sein Sohn Paul (4) das zweite Mal und Filius Xaver (2) erstmals mit auf dem Bulldog sitzen. Der Vater muss sich voll konzentrieren, auf Engstellen achten und darauf, dass die Verkäuferteams neben dem Wagen genauso mitkommen wie der Rest des Zuges. Seine Frau indes gibt sich mit der Rolle der Zuschauerin zufrieden. Selbstverständlich essen Eichhorns am Kirchweihwochenende auch Krapfen, die guten Hallstadter Hutkrapfen. Einmal im Jahr und zur Hauptkerwa gehört das für sie so dazu, wie den Krapfenwagen zu ziehen.