Nachdem das Verwaltungsgericht Bayreuth Anfang der Woche den Antrag zweier Anlieger auf den Stopp des Weinbergprojekts abgelehnt hat, hat die Gartenschaugesellschaft noch am Mittwoch früh und damit überraschend schnell Fakten geschaffen. In der Dämmerung rückte ein Fälltrupp aus dem Raum Kulmbach an. Kurz nach acht begannen die Sägen am Michelsberg zu kreischen, Holz krachte zu Boden, Äste splitterten.
Die Bilanz nach wenigen Stunden: 83 Obstbäume und mehrere zusätzliche Laub- und Nadelbäumen haben Platz gemacht für den umstrittenen Weinberg der Landesgartenschau. 2011 soll bekanntlich die Jungfernernte eingefahren werden – der erste Weltkulturerbewein. Einmal mehr löste der Nutzungswechsel auf dem Grund der Bürgerspitalstiftung kritische Bemerkungen bei betroffenen Anwohnern hervor. „Wir wurden erst heute früh informiert, dass es losgeht. Dann mussten wir uns beschimpfen lassen, als wir Fotos machen wollten. Das zeigt doch schon, welche Informationspolitik die Stadt betreibt“, ärgert sich eine Anwohnerin am Telefon.
Enormer Zeitdruck
Vesna Plavsic von der Gartenbau-Gesellschaft bestätigt auf unsere Frage, dass die Nachbarn erst kurz vor dem Beginn der Abholzung mit einem Wurfzettel in der Post informiert wurden. „Aber wir stehen unter enormem Zeitdruck“, meint die städtische Mitarbeiterin. „Bis Ende Februar müssen die Wege gebaut sein.“
Zwei Monate, nachdem ein Bürgerbegehren gegen den Weinberg in letzter Sekunde abgeblasen worden war, ist mit der 25 000 Euro teueren Rodung der erste Schritt zum Gartenschau-Weinberg getan. Mehrere tausend Bocksbeutel sollen auf dem Südhang der Sonne entgegenreifen. Der Preis dafür: 200 000 Euro, die das Projekt kosten soll. Und die Bäume: Von 141 bleiben 58 stehen, sieben zwischen den Weinbergszeilen. Darunter ist auch einer von drei Bäumen, in dessen Mulmhöhlen Reste des vom Aussterben bedrohten Eremiten, einer Großkäferart, gefunden worden waren.
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