Mit Lesescheren und Eimern bewaffnet zogen Uthe Metzner und Gisela Albrecht zwischen die 3800 Rebstöcke am Michelsberg. Eine Hand umfasste sanft die ausgereiften Trauben, mit der anderen ein kräftiger Schnitt: Zügig füllten sich die Gefäße der beiden Bambergerinnen. "Wunderschön die Trauben, zu schade zum Nei'tun", meinten sie, als sie ihre Eimer in den Traktoranhänger ausleerten. Die eine oder andere süße Weinbeere landete im Mund der fleißigen Erntehelferinnen, die sich mit über zwanzig weiteren Freiwilligen an diesem Samstag an die Weinlese machten. Trotz grauer Wolken am Himmel und kräftigem Regenguss. "Wir haben die Sonne in den Trauben", lachte Lydia Bauerschmitt, Mutter von Winzer Martin. Sie ließ es sich nicht nehmen, ihren Sohn bei der Lese zu unterstützen. Auch Vater Kilian und Schwester Andrea legten Hand an: "So eine Weinlese gibt's net olle tooch", meinten sie aufgeräumt.

Schließlich war es seit 175 Jahren das erste Mal, dass in Bamberg wieder eine Lese stattfinden konnte. Obendrein noch auf historischer Weltkulturerbefläche. Auch für Uthe Metzner und Gisela Albrecht "ist es eine Ehre, beim Jungfernwein mithelfen zu dürfen", strahlten die beiden Damen. Seit fünfzehn Jahren sind sie auch bei der Weinlese auf dem Weingut der Familie Bauerschmitt in Ziegelanger bei Zeil dabei: "Weil wir gerne in der Natur sind und gerne Wein trinken", begründeten die fleißigen Helferinnen ihren Einsatz. Auch Dieter Scharf aus Walsdorf zückte mit unverhohlener Begeisterung die Leseschere: "Das macht richtig Spaß", erklärte er. Da spielte es keine Rolle, dass er Silvaner ernten musste, obwohl er Bacchus bevorzugt. Auf dem Michelsberg gedeiht eben die Silvanerrebe: trotz Frost und Trockenheit im Frühjahr und verregneten Sommers. "Dank der günstigen Südhanglage ist der Bamberger Michelsberg relativ verschont geblieben", freute sich Pächter Martin Bauerschmitt. Und der warme Spätsommer habe dafür gesorgt, dass es "einen guten Jahrgang gibt".

Rebstock für Rebstock zog die Truppe über den ein Hektar großen Öko-Weinberg im Kammerathengarten. "Wichtig ist, dass nichts ausgelassen wird!" rief Bauerschmitt den Leuten zu. Mit fachkundigem Blick überwachte der Winzer das Geschehen. "Ein voller Eimer ergibt eineinhalb Flaschen", rechnete er schon einmal den ungefähren Ertrag aus. Es werde etwa drei bis fünf Jahre dauern, bis es auf dem Michelsberg zum Vollertrag von 7500 Litern kommen könne.

Am Sonntagabend zog Winzer Bauerschmitt die Bilanz der Leseaktion: "Ich bin zufrieden", klang er bescheiden ob eines "Superergebnisses". Nach dem Einmaischen des "extrem hochklassigen Lesegutes ohne faule Trauben" über Nacht seien die "fleischigen Silvanertrauben" gepresst worden. Dieser Vorgang habe 2000 Liter Saft ergeben. Das bedeute nach der Vorklärung, dem Zusetzen von Hefe und der Reifung im Fass etwa 1500 bis 1600 Liter füllfertigen Wein.

Und zwar eine "starke Spätlese" mit 98 Grad Oechsle. "Bei 100 Grad Oechsle beginnt die Auslese", erklärte Bauerschmitt.

Im nächsten Jahr soll der edle Tropfen unter dem Namen "Silvaner vom Bamberger Michaelsberg" in halbe Liter Bocksbeutel gefüllt werden. "Dann gibt es mehr Flaschen, und der Einzelpreis ist nicht so hoch", betonte der Winzer. Die Landesgartenschau habe natürlich erst einmal das Vorkaufsrecht. Schließlich sei der Weinberg ein Teilprojekt der Landesgartenschau 2012.