Die 19-jährige Julia aus Bammersdorf strahlt, wenn sie von ihrem neuen Arbeitsplatz erzählt. Seit Mai arbeitet sie im Kindergarten St. Anna in Forchheim. Direkt nach bestandener Abschlussprüfung zur Kinderpflegerin kam Julias Sohn zur Welt. Und jetzt - ein gutes Jahr später - wollte sie endlich den beruflichen Einstieg packen.
"Ich war auf der Suche nach einer Teilzeit-Stelle, weil ich auch noch Zeit für meine Familie haben möchte. Aber wie ich das jetzt konkret angehen sollte, wusste ich nicht so recht", blickt Julia zurück.

Da kam die Unterstützung von Andreas Reinwald gerade richtig. Als Mitarbeiter des bfz-Projekts "Jobfinder", das vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen aus Mitteln des Bayerischen Arbeitsmarktfonds finanziert wird, geht es ihm darum, Jugendliche auf dem Weg ins Berufsleben zu begleiten.

Das kostenlose Angebot richtet sich an junge Menschen bis 25 Jahre, die beruflich noch nicht richtig Fuß gefasst haben. Kooperationspartner des bfz sind die Jobcenter der Städte Bamberg und Forchheim. Die Zusammenarbeit mit den Vermittlern in den Jobcentern ermöglicht eine gezielte Unterstützung für die Jugendlichen.
Nach Mitteilung des bfz steht bei diesem Projekt die persönliche, individuelle Beratung im Vordergrund. In diesem Rahmen werden auch Bewerbungsunterlagen erstellt und für online-Bewerbungsverfahren digitalisiert.

Gemeinsam Checkliste erarbeitet


Laut Reinwald ging es bei Julia hauptsächlich darum, ihr die Scheu vor einer telefonischen Bewerbung zu nehmen. "Wir erarbeiteten zusammen eine Checkliste, die sie als Grundlage für die Anrufe bei den Kindergärten nutzen konnte." Da bei Julia Ausbildung und Motivation passten, sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ein Arbeitsvertrag geschlossen werden konnte. Über die Arbeitszeiten wurde man sich schnell einig, und Julia ist zufrieden, dass sich Familie und Job so gut vereinbaren lassen.

Ganz anders war die Ausgangssituation von Sezen, 19, die von der Bamberger Projektmitarbeiterin Sigrid Schultheiß betreut wird. Sezen wandte sich im Juni an Jobfinder, weil alle Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz erfolglos geblieben waren. Nach dem Qualifizierenden Hauptschulabschluss besuchte sie in die Wirtschaftsschule. Doch das war nicht das Richtige für die junge Türkin. Es sollte doch eine praktische Berufsausbildung sein. Nur der Beruf war ihr noch nicht so richtig klar. Rechtsanwaltsfachangestellte, medizinische Fachangestellte oder doch in die Gastronomie, wo sie schon bei verschiedenen Ferienjobs Erfahrungen sammeln konnte?

Nach den Ergebnissen im Online-Kompetenzcheck KoJack, der im Rahmen des Projekts immer eingesetzt wird, sollte es ein Beruf mit viel Kontakt zu anderen Menschen sein. Da lag die Entscheidung für den Beruf der Hotelfachfrau nahe. "Ich hatte noch keine guten Bewerbungsunterlagen und traute mich auch nicht, einfach so bei einem Hotel anzurufen", schildet Sezen ihre Lage. "Aber Frau Schultheiß hat sich viel Zeit genommen und mir gezeigt, wie es geht."

Gute Beziehungen zu Ausbildungsbetrieben


"Gute Beziehungen zu den Ausbildungsbetrieben in der Region sind das A und O bei solchen Projekten", betont Schultheiß. "Nur so können wir auch kurz vor Ausbildungsbeginn noch Vertragsabschlüsse erreichen." Sezen ist glücklich, dass es sogar in ihrem Wunschbetrieb, dem Hotel Residenzschloss, geklappt hat. Dort beginnt sie jetzt ihre Ausbildung.

Da gerade die Anfangsphase einer Ausbildung oft besonders schwierig ist, wurde die Betreuung in den ersten Ausbildungsmonaten in das Projekt aufgenommen. Die Mitarbeiter kommen bei Bedarf in den Betrieb oder die Berufsschule und geben den Auszubildenden Tipps, wie sie konstruktiv mit Konflikten umgehen können. Auch Sezen findet das Angebot gut: "Ich hoffe ja, dass bei mir alles passt, aber es ist gut zu wissen, dass Frau Schultheiß weiterhin für mich da ist, wenn ich mal Unterstützung brauche."

Die Jobfinder-Mitarbeiter stehen auch Jugendlichen zur Verfügung, die bereits in einer Ausbildung sind und Probleme haben, die vielleicht sogar ihre Ausbildung gefährden könnten. Hier hilft das Jobfinder-Programm, um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. Je nach Bedarf gibt es bei "Jobfinder" auch Gruppenangebote zu Themen wie Schulden, Internet oder Gesundheit. Erlebnispädagogische Aktionen runden das Angebot ab, das seit Projektbeginn im Februar dieses Jahres von 40 jungen Menschen genutzt wurde.

Davon haben inzwischen 18 eine Ausbildung oder Arbeit und zwei Jugendliche konnten ihre Ausbildung, die kurz vor dem Abbruch stand, weiterführen. Mit den anderen noch im Projekt verbliebenen Jugendlichen laufen die Vermittlungsanstrengungen auf Hochtouren.

Weitere Informationen zu diesem Projekt gibt es im bfz Bamberg, Lichtenhaidestraße 15, bei Sigrid Schultheiß, Telefon 0951/ 9324659, E-Mail schultheiss.sigrid@ba.bfz.de oder bei den Jobcentern. isis