Georg Derra aus Reckendorf hat einen enormen Beitrag für die Wissenschaft geleistet, obwohl er eigentlich sein Leben lang nur "Ungeziefer" sammelte. Aber genau dafür wurde er kürzlich mit der begehrten Ritter-von-Spix-Medaille ausgezeichnet. "Als Anerkennung für herausragende Verdienste", wie es in der Urkunde heißt.

Die Erfolge sprechen für ihn. Etwa 100 000 Schmetterlinge sind derzeit in seinem Besitz. 17 Arten hat Georg Derra ganz neu für die Wissenschaft entdeckt und acht Arten sind sogar nach ihm benannt. Unter anderem sind das der Kosmopterix Derrai und der Scytris Derrai. Nach etwa 65 Jahren, in denen er seinem Hobby nachging, hat sich der Entomologe einen internationalen Expertenruf erarbeitet. Unter anderem sucht auch das Naturkundemuseum in Berlin regelmäßig seinen Rat. Spezialisiert hat sich der 80-Jährige auf die so genannten Microlepidoptera, also Kleinschmetterlinge. Im Volksmund nennt man sie auch einfach Motten.

"Sie sind also Mottensammler?" Georg Derra lacht nur verschmitzt. "So könnte man es auch sagen", bestätigt er und ist kein bisschen beleidigt. Vielmehr strahlen seine Augen und er beginnt zu erzählen. Davon, wie es einmal angefangen hat. "Schon als 14-jähriger Bub haben mich Pflanzen und Krabbeltiere interessiert. Dann lernte ich den Biologiestudenten Hilmar Beck kennen und war sofort von seinen Präparaten begeistert." So sei auch seine Liebe zu den Schmetterlingen und später zu den Kleinschmetterlingen entstanden.

Quer durch Europa ist Georg Derra gereist, war unter anderem in Sardinien, Kurdistan, Spanien, Italien, Griechenland und im ehemaligen Jugoslawien. "Und dabei hatte ich meistens nur drei Unterhosen." Man könne eben nicht so viel Gepäck mit sich herumschleppen, meint er und blickt etwas betreten drein. "Da muss man sparen, wo es geht. Und schließlich hatte ich noch einen Kanister Wasser, etwas Bargeld und ein Stück Seife dabei. Und außerdem: Wenn man sich normal verhalten will, sollte man zu Hause bleiben."


Äther und Kalilauge

Der Entomologe spricht darüber, wie man eine Schmetterlingsart denn eigentlich bestimmt. "Erst einmal muss man sie fangen, was in der Regel nachts geschieht, wenn sie auf ihrem Hochzeitsflug sind. Man spannt eine Leinwand und nutzt Licht mit einem hohen Blauanteil. Anschließend packt man sie in ein Glas mit Äther oder etwas Ähnlichem, legt sie danach in die Gefriertruhe und wartet, bis sie steif sind. Dann nimmt man sie wieder heraus, bricht den Leib ab und zersetzt ihn in einer Kalilauge. Danach kann man die Genitalien herauspräparieren, anhand derer man Familie, Gattung und Art bestimmen kann."

Dann zeigt Georg Derra sein Allerheiligstes, in dem er alles selbst gezimmert hat: die riesigen Schränke und die mehr als 500 Kästen, die seine Sammlung beherbergen. In den Regalen stapeln sich unzählige Fachbücher. "Wie viel Geld haben Sie denn im Laufe der Jahre in Ihr Hobby investiert?", fragt die Besucherin ihn staunend. Er zuckt nur mit den Schultern - aber ein Einfamilienhaus könnte man davon wohl locker finanzieren.

Stolz ist Georg Derra vor allem darauf, dass er sich in relativ hohem Alter noch PC-Kenntnisse angeeignet hat. "Einmal habe ich sogar einen Speicherchip geöffnet, um zu sehen, wie er funktioniert." Dass er mit seinem PC aber nicht nur die digitalen Bilder aufbereitet, nach Fachartikeln sucht und den Kontakt zu seinen Kollegen hält, gibt er offen zu. "Manchmal spiele ich auch Solitär."


Furchteinflößend

Und dann holt er Teile seiner Sammlung heraus. Georg Derra besitzt unter anderem einen "Flugsaurier" und den flächenmäßig größten Schmetterling der Welt. Das Teil ist wirklich furchteinflößend. "Als Europäer diese großen Arten das erste Mal zu Gesicht bekamen, haben sie mit der Schrotflinte darauf geschossen." Auch seine Käfersammlung ist so erstaunlich wie der Mann selbst. Manche sind erschreckend groß. Derra: "Manche betrachten gern ihre Briefmarkensammlung, ich betrachte in einer Musestunde halt eklige Käfer." Nach seinem Tod soll Georg Derras Lebenswerk übrigens an die Zoologische Staatssammlung in München gehen.