Sechs oder sieben Mal war Peter Finke schon beruflich in Bamberg. Vermutlich kennt er die Straßen und Gassen besser als manch' Einheimischer, denn er geht alle systematisch ab: als Gasspürer im Auftrag der Stadtwerke. Der 54-Jährige aus Nordrhein-Westfalen arbeitet für die Firma Dräger & Howarde und ist rund ums Jahre in allen möglichen Städten der Republik im Einsatz. Seit etwa einer Woche ist Finke in Bamberg tätig und wird nach seiner eigenen Einschätzung wohl noch fünf bis sechs Wochen brauchen, um das Gasleitungsnetz und die Hausanschlüsse westlich der Bahnlinie möglichst lückenlos zu kontrollieren.

Bei Regen Zwangspause


Das schöne Wetter kommt ihm sehr gelegen. Da machen seine kilometerweiten Fußmärsche nicht nur mehr Freude; bei Regen müsste er seine Tätigkeit auch unterbrechen oder sich trockene Stellen wie die Unterseite der Brücken suchen, wo ebenfalls Gasleitungen verlaufen. Denn: "Feuchtigkeit versiegelt die Oberfläche", erklärt Finke. Das Messergebnis wäre nicht zuverlässig, ergänzt Alfred Gassner.

Als Meister für das Anlagennetz Gas bei den Stadtwerken ist er der direkte Ansprechpartner des Gasspürers. Gassner versorgt Finke zum Beispiel mit den digitalisierten Katastaterplänen, aus denen der Verlauf der 217 Kilometer Gasleitungen und die Lage der etwa 16 000 Bamberger Hausanschlüsse hervorgehen. Umgekehrt erhält Gassner das Ergebnis der Kontrollgänge. Entdeckte Lecks zu reparieren ist dann wieder Sache der Stadtwerke. Eine Schadstelle, die Finke in der vergangenen Woche ermittelt hat, liegt unter dem Mittelstreifen des Münchner Rings. Sie wird gerade behoben. Autofahrern dürfte die kleine Baustelle schon aufgefallen sein: Auf Höhe linker Regnitzarm sorgte sie in den letzten Tagen für ein Nadelöhr.

Sein ganzes Handwerkszeug schleppt Finke mit sich herum. Es wiegt rund 15 Kilogramm. Da ist ein Sauggerät mit "Teppich", das er an einem langen Rohr vor sich her über den Boden schiebt. Die eingesaugte Luft, 85 Liter pro Minute, wird in ein Messgerät geleitet, das der 54-Jährige auf dem Rücken trägt. Den Monitor zum Detektor transportiert Peter Finke wie einen Bauchladen. Darauf kann er alle wichtigen Informationen ablesen und notieren, auch jene, ob sich in der eingesaugten Luft Gas befunden hat. Ein akustisches Signal gibt es auch, er kann es zuschalten.

Wenn er zur Überprüfung eines Hausanschlusses auf ein umfriedetes Grundstück muss, klingelt Finke und bittet um Zutritt. Das sei gewöhnlich kein Problem: "In 99 Prozent der Fälle sind die Leute nett und freundlich."
Zum Problem kann der Zugang zum Hausanschluss werden. Gassner berichtet von zwei Fällen, in denen der Gasanschluss teilweise von einer Garage überbaut war bzw. unter einem Gartenteich lag. Das sei dann Pech für die Eigentümer, denn die Stelle, in der das Gas vom öffentlichen ins private Leitungsnetz strömt, müsse aus Sicherheitsgründen zugänglich sein.

Moderne Rohre weniger anfällig


Die Zahl der Lecks hat sich in Bamberg laut Gassner nach dem Austausch der alten Graugussrohre durch strapazierfähigere aus Stahl oder Polyethylen deutlich verringert. In den 1980er Jahren habe man bestimmt 100 Schadstellen jährlich gehabt, 2011 waren es neun. Wegen der geringen Schadenshäufigkeit haben die Stadtwerke den oberirdischen Prüfungsturnus auf zwei Jahre ausgedehnt. Heuer ist das westliche Stadtgebiet an der Reihe, 2013 wird Finke Bamberg-Ost sowie Stegaurach und Hallstadt kontrollieren.

Es gibt Landstriche, in denen Gasspürer Finke häufiger unterwegs ist. So besucht er zum Beispiel einige Städte im Ruhrgebiet zweimal im Jahr. Seine Erklärung: Dort sucht sich das Grundwasser den Weg in aufgelassene Bergwerks-Stollen, was zu Erdbewegungen und in der Folge zu Schäden an im Boden verlegten Leitungen führen könne.

Explosion in der 1980er Jahren


Das letzte Unglück, das in Bamberg durch ein Leck in einer Gasleitung passiert ist, ereignete sich in den 1980er Jahren in der Altenburger Straße. Damals stürzte ein Haus ein, ums Leben kam glücklicherweise niemand. Gassner sagt, die Sicherheit von Gasleitungen sei dank neuer Materialien und technischer Möglichkeiten, auch beim Verschweißen, gewachsen. Als Verantwortlicher ist er fürwahr froh darum: "Die großen Kracher haben wir Gott sei Dank nicht mehr."

Tritt Gas aus, wird es nicht automatisch gefährlich. Die Mengen, die Finkes Detektor womöglich aufspürt, sind minimal: "Das riecht der Kunde noch lange nicht, was wir finden."
Problematisch kann ein länger unentdecktes Leck werden, wenn das Gas sich nicht verflüchtigen kann und in einem Hohlraum sammelt. Das zu verhindern ist auch Ziel der gerade laufenden Prüfungen.

Weil das Wetter seine Arbeit begünstigt, macht Finke zurzeit öfters Überstunden und ist zwischen zehn und zwölf Stunden am Tag unterwegs. Manchmal fängt er früh um 5 Uhr an - etwa im Bamberger Inselgebiet, damit er Flächen, die später mit Tischen und Stühlen möbliert werden, noch leer vorfindet.

Und was macht ein Gasprüfer im Urlaub? Wahrscheinlich die Beine hochlegen und faulenzen? Nein, lacht Finke, er gehe sehr gerne wandern. Die Kondition hat er und amüsiert sich, dass sich Mitwanderer oft wundern, wie schnell er läuft...