Ebrach
Übergabe

Der Ebracher Götze ist zurückgekehrt

Das Museum der Geschichte Ebrachs ist um ein Prachtstück reicher. Vom Bamberger Heimatmuseum kam die Skulptur wieder in den Steigerwald. Mit dabei Konrad Götz und der Enkel des Finders Anton Drausnick.
Kämmerer Konrad Götz (links) und Anton Drausnick, Enkel des Mannes, der den "Ebracher Götzen" 1918 fand. Foto: Matthias Hoch
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An diesem Nachmittag dreht sich alles um Götzen. Hauptsächlich um den so genannten Ebracher Götzen, der ebenso wuchtig wie wichtig und geheimnisvoll ist. Deswegen wurde Konrad Götz, ein renommierter Bamberger Restaurator damit beauftragt, das bedeutende Kulturgut nach 72 Jahren in der Domstadt unversehrt nach Ebrach zurückzubringen. "Jetzt ist er also da", freut sich Konrad Götz, diesmal der Ebracher Kämmerer gleichen Namens. Finanzbezogen hat er die Strippen für diese Transport-Transaktion gezogen. Und davor hatten hinter den Kulissen Museumsleiter und Bürgermeister in Sachen Historie und Heimat verhandelt. Das Ergebnis: Der Vorhang fürs Happy End fiel gestern, als Bambergs Bürgermeister, Kulturreferent Werner Hipelius und Regina Hanemann, Direktorin der Museen der Stadt Bamberg, den Ebrachern ihren (steinernen) Götzen offiziell übergaben. Sodass Anton Drausnick das gute Stück endlich hier anschauen kann. Denn sein Großvater gleichen Namens war es, der den Götzen 1918 fand. Der Enkel musste bislang nach Bamberg fahren, um das berühmte Teil anzuschauen, wie er Kämmerer Konrad Götz am Götzen sitzend verrät.

Mit dem Götzen gespielt


Früher, erzählt Drausnick weiter, spielten die Buben mit dem am Feldrand lagernden Götzen. Da habe es auch schon mal geheißen, "jetzt brunz mä mol den Götz an". Zum Glück nur den steinernen Götzen, scheint Konrad Götz jetzt zu denken. Auf jeden Fall ist der Ebracher Götze jetzt als Leihgabe des Historischen Museums Bamberg und zunächst auf fünf Jahre begrenzt zurückgekehrt. Verlängerung möglich, signalisieren Hanemann und Hipelius. Das freut Ebrachs Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD) ungemein. Auch, dass man damit zu Beginn des Museumsjahres bereits mit einem Höhepunkt aufwarten kann, "ein bemerkenswertes Ereignis", zumal sich die Verhandlungen fünf Jahre hingezogen hatten.

Bei der Übergabe ging es auch um den Teil der Geschichte des Sandstein-Götzen, der seit 1918 bekannt ist. Nach einem Tausch mit dem Forst rodete und pflügte Drausnicks Großvater 1918 die neue Fläche, berichtet der Enkel dem Kämmerer Götz. Dabei sei der Ahne auf den Findling gestoßen. "Der steckte kopfüber im Boden." Das Teil wurde herausgeholt, abgesägt und in der Nähe gelagert, wo er bekanntlich auch zum Spielen diente. Als eine Ringstraße gebaut wurde, wollte der damalige und mit Götzenfinder Drausnick befreundete Gefängnisdirektor Otto Leypold den Stein als Schmuck für eine neue gebaute Straße. "Das war Anfang der Dreißiger." Dort stand er dann bei einer kleinen Flurkapelle in Friedhofsnähe, wo ihn der Nürnberger Heimatforscher Fritz Röll Ostern 1938 entdeckte und mit ihm wohl die kulturhistorische Bedeutung der Skulptur. So gibt es der Beschrieb des Ebracher Museumsverwalters Viktor Fieger wieder. Röll sorgte zudem dafür, dass der Stein in die Obhut des Bamberger Museums kam.

Der Ebracher gesellte sich dort zu den drei Bamberger Götzen. Der Ebracher Götze freilich birgt mehr Rätsel als er preisgibt, merkt Hanemann im Gespräch mit Konrad Götz an. Er kann ebenso aus der Zeit 1000 vor wie 1000 nach Christus stammen, und ist damit auf jeden Fall mit das älteste Exponat des Ebracher Museums. Sie wie Hipelius heben jedenfalls auf die gute Kooperation der Museen in Stadt und Land ab. Bamberg bereite Ebrach gerne eine Freude, heißt es. Das stellt Viktor Fieger in einen größeren Kontext: Vor ein paar Hundert Jahren habe es in Bamberg eine Überschwemmung gegeben und die Ebracher Mönche schickten Fuhrwerke mit Lebensmitteln. Pater Franziskus Büll, Vorsitzender des Ebracher Forschungskreises wiederum spielt auf die Bedeutung der Skulptur an, bei der es sich um ein wie auch immer geartetes religiöses Objekt handeln könnte. Daher auch der Begriff "Götze".

Mit Recherche beauftragt


"Man weiß eigentlich gar nichts", relativiert die Bamberger Museumsdirektorin an Drausnick und Götz gerichtet, "und das macht das Objekt so interessant." Drausnick lässt Regina Hanemann nicht einfach so ziehen. Er bittet sie zu recherchieren, wo das Steinbeil geblieben ist, das sein Bruder Michael einst fand und einem Bamberger gegeben hatte. Konrad Götz grinst vielsagend.

Das Museum der Geschichte Ebrachs öffnet am 2. April wieder seine Pforten in seine neue Saison und ist täglich zwischen 14 und 16 Uhr geöffnet. Anton Drausnick wird sich hier den Götzen bestimmt noch öfter ansehen, Konrad Götz, der Kämmerer, bestimmt auch.
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