Bamberg
Dombauhütte

Der Dom erneuert sich täglich

Nur drei Werkstätten dieser Art gibt es in Bayern. Die Bamberger Dombauhütte bietet neuerdings Führungen an. Der Erlös fließt der 2009 gegründeten Stiftung zu. Hüttenmeister Ulrlich Först und sein Team arbeiten mit traditionellem Handwerkszeug.
Ulrich Först zeigt, wie man für eine Rekonstruktion mit Punktierkreuz und -nadel die exakten Formen vom Gipsmodell auf das neue Werkstück überträgt. Foto: Matthias Hoch
Der Dom ächzt. Die einst so schönen Figuren und Kapitelle sind verfallen und kaum noch zu erkennen. Überall flattern und gurren die Tauben. So könnte es heute aussehen, wenn es die Dombauhütte nicht gäbe. Denn Sandstein ist kein Stoff für die Ewigkeit. Nicht nur Regen und Wind setzen dem Dom zu, auch der Mensch ist daran nicht unschuldig: Baufehler, Abgase, rostende Eisennägel - und Tauben machen dem Stein zu schaffen.
Damit es nicht zur Katastrophe kommt, gibt es seit 1929 die Dombauhütte. Heute ist Ulrich Först ihr Leiter. Der Steinmetz, Steinbildhauer, Hochbautechniker, Restaurator im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk ist als Hüttenmeister immer auf der Suche nach eindringender Nässe, Verwitterung, Rissen und Unregelmäßigkeiten an der Bamberger Bischofskirche.

Ob Fassade oder Raumschale: Die Dombauhütte ist für alle Sanierungsarbeiten am Steingefüge verantwortlich. Ihre wesentlichen Aufgaben sind das Konservieren, Restaurieren und Auswechseln von Steinen. 650 000 Euro stehen dafür jährlich zur Verfügung.

Angesichts der großen Aufgabe ist das eine knapp bemessene Summe. Deshalb hat Först im November 2009 eine Stiftung ins Leben gerufen, aus deren Erlös zusätzliche Sanierungsaufgaben bezahlt werden sollen. So konnte bereits die Sonnenuhr an der südlichen Obergadenwand des Doms rekonstruiert werden. Außerdem stellte die Stiftung das Geld für die Digitalisierung der Baldachine am Adamsportal zur Verfügung.

Besonders freuen sich Först und seine 13 Mitarbeiter über die neue Zunftkleidung, die sie bei ihrem neuesten Projekt gut einsetzen können: Die Dombauhütte bietet ab sofort und in Zusammenarbeit mit dem Tourismus- und Kongressservice der Stadt Führungen an. Die Besucher erfahren Interessantes über Bau- und Handwerkskunst im Mittelalter, denn in der Dombauhütte wird noch traditionell mit Krönel und Knüpfel gearbeitet. Bei der Planung jedoch arbeitet man in der Dombauhütte mit modernsten Hilfsmitteln. Mit einem Streifenlichtscanner wurde zum Beispiel die Figur des Heiligen Stephanus diverse Male abgetastet. Daraus entstand ein 3-D-Bild, nach welchem ein Modell gebaut wurde und das die originalgetreue Anfertigung einer Replik ermöglichte. Auch die Digitalisierung der Dokumente erleichtert die Arbeit.

Führungen Um den Arbeitsablauf in der Dombauhütte nicht zu stören, kann die einstündige Führung von Montag bis Freitag um 17 und um 18 Uhr, sowie samstags zwischen 9 und 18 Uhr gebucht werden. Bis zu 15 Personen können an einer Führung teilnehmen.

Kontakt Anmeldungen werden beim Bamberg Tourismus & Kongress Service in der Geyerswörthstraße 5, unter Telefon 0951/2976 330 oder per e-mail an stadtfuehrungen@bamberg.info angenommen.
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