"Es ist fast ein christliches Andachtsbild, wenn man es zu deuten weiß", sagt Angela Nusser über den "Blumenstrauß", einem der Gemälde-Highlights von Schloss Weissenstein. Im "Kabinett", dem kleinen, ganz persönlichen Raum des Lothar Franz von Schönborn, ist dieses berühmte Stillleben von Pieter Binoit zu bewundern. Fast einhundert verschiedene Blumen stellt der Maler in dem Bild dar und alle haben eine ganz bestimmte Symbolik. "Sie sollten von Gottes Schönheit und Weisheit berichten, aber auch die Vergänglichkeit des Lebens symbolisieren", erklärt Nusser.

"Durch die Blume gesagt" wurde früher viel mehr als heute. Mit Blumen wurden Botschaften übermittelt, deren Bedeutung heute keiner mehr verstehen würde. Wie interessant und geheimnisvoll die Sprache der Blumen ist, ist jetzt im barocken Schönborn-Schloss Weissenstein zu erfahren. Eine Themenführung mit dem Titel "Lasst Blumen sprechen" entschlüsselt die Botschaften und lässt den Betrachter das Schloss mit anderen Augen sehen.

Nicht zuletzt sei die Blumenführung ein Schmankerl zur Landesgartenschau in Bamberg wie auch zur Ausstellung "Faszination Garten", die vom 18. bis 20. Mai auf Schloss Weissenstein stattfindet. Blumen und Pflanzen aus Stuck, auf Gemälden und als Dekoration sind im Schloss allgegenwärtig, auch wenn der Besucher ihnen bislang nicht so große Beachtung geschenkt hat. Sie blühen eher im Verborgenen und der Blick wird bei den Führungen im allgemeinen auf augenfälligeres Interieur gelenkt. Angela Nusser, die sich speziell der Blumenführung angenommen hat, weiß dies. Nichtsdestotrotz ist es ein Vergnügen, ihren Worten zu lauschen und "der blühenden Seite des Schlosses" mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Da ist zunächst einmal der Erbauer des Schlosses, mit dessen Bildnis sich der Besucher immer wieder konfrontiert sieht. Gemalt oder als goldenes Relief präsentiert sich Lothar Franz von Schönborn mehrfach. Dass sein Bildnis von Palmwedeln flankiert wird, ist natürlich kein Zufall. Es sei das Zeichen des Sieges - eines friedlichen Sieges, wie die Schlossführerin erklärt. Denn alle Schönborns hätten sich den Frieden auf die Fahne geschrieben. Im Haus des Bischofs - Lothar Franz war Fürstbischof von Bamberg und Kurfürst von Mainz - fänden sich an vielen Stellen Palmen als triumphales, repräsentatives Symbol. Ganz ähnlich ist es mit dem Lorbeerkranz, der dem fürstlichen Erbauer zugereicht wird.

Blumen und Girlanden in großer Vielfalt zieren den Garten- oder Grottensaal. Einst stellte er die Verbindung zum französisch angelegten Garten dar. Girlanden aus den unterschiedlichsten Muschelarten zieren Lüster und Wandgesimse. Man habe versucht, die natürlichen Blumen nachzubilden, erklärt Angela Nusser. Die Seitenräume der "Sala terrena" hätten einst zur Überwinterung der empfindlichen Pomeranzenbäumchen gedient. Ein weiteres Prunkstück erklärt die Schlossführerin im Speisesaal: Der festlich gedeckte Tisch wird von einem Gartenarrangement aus Nymphenburger Porzellan bestimmt.


Die Blumenführung wird immer freitags von 16 bis 17 Uhr gezeigt; Kosten 6,50 Euro pro Person. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung erwünscht. Die Führung kann auf Voranmeldung auch zu anderen Zeiten gebucht werden. Während der Ausstellung "Faszination Garten" wechselt die Sonderführung mit den "normalen" Führungen (Tel. 09548/98180). Schloss Weissenstein wurde zwischen 1711 und 1718 erbaut und diente als Sommerresidenz des Fürstbischofs. Es beherbergt die die größte private Barockgemäldesammlung Deutschlands.