Kein unbekanntes Phänomen in der Lehrerausbildung: Was in der grauen Theorie, sprich Universität so selbstverständlich erlernt wurde, wird in der Praxis, sprich im Klassenzimmer vor den Schülern, plötzlich auf eine harte Probe gestellt - ja mitunter merkt der eine oder andere Studierende erst jetzt, dass er für diesen Beruf eigentlich gar nicht geeignet ist.

Vor diesem Hintergrund arbeitet die Bamberger Berufsschule III seit etwa zehn Jahren intensiv mit der Otto-Friedrich-Universität zusammen - im Jahr 2009 wurde die Schule in der Dr.-von-Schmitt-Straße sogar zur Universitätsschule ernannt. "Seitdem wir mit sogenannten Patenlehrkräften eine enge Verflechtung zu unseren Studierenden halten, die später einmal den Lehrberuf ergreifen wollen, kommt bei uns der sogenannte Praxisschock so gut wie nicht mehr vor", betont Horst Zöller, Seminarlehrer der Berufsschule III. Soll heißen, dass früher immer mal wieder junge Menschen an die Schule gekommen seien, die zwar fachlich alles erlernt hatten, aber als sie das erste Mal vor Schülern standen größte Schwierigkeiten hatten. "Viele von ihnen erkannten plötzlich, dass sie für den Lehrberuf überhaupt nicht geeignet waren und wechselten den Beruf", berichtet Zöller weiter.

Was auf sie zukam, wussten die beiden Referendarinnen der Berufsschule III. Cornelia Kratzer und Helena Rackisch bestens. Denn sie studierten an der Uni Bamberg Wirtschaftspädagogik und wurden bereits während ihres Studiums aktiv in das Leben an der Berufsschule eingebettet. "Es war dennoch sicherlich ein komisches Gefühl, als ich nach meinem Studium das allererste Mal alleine vor meinen Schülern stand, aber es hat sich schnell gelegt", erläutert Cornelia Kratzer. Denn noch während ihres Studiums hatte sie an der Bamberger Berufsschule ein Praktikum absolviert, in welchem sie intensiv mit ihrem Patenlehrer auf ihren zukünftigen Beruf vorbereitet wurde. So durfte sie auch mehrere Stunden selbst halten und saß nicht einfach ihre Zeit in der hintersten Reihe des Klassenzimmers ab. "Wir haben uns auch damit befasst, wie man idealerweise seinen Unterricht gestaltet oder wie man Schularbeiten korrigiert", schilderte die 25-jährige Referendarin. An der Uni wurde ihre Praktikumszeit noch einmal aufgearbeitet und nachbesprochen. Zudem gab es schon im Vorfeld ihres Praktikums theoretische Schulstunden an der Hochschule.

Den Unterschied zwischen einer "normalen" Berufsschule und der Bamberger Universitätsberufsschule hat Helena Rackisch am eigenen Leib erfahren. "Ich hatte mein Praktikum zunächst für zwei Wochen an einer anderen Schule absolviert. Die anderen zwei Wochen dann in Bamberg", erläutert sie. Der Unterschied sei beträchtlich gewesen. Während sie in ihrer ersten Schule mehr Zuhörer war, bekam sie in Bamberg engeren Kontakt zum Schulbetrieb und wurde dabei ausgiebig betreut. "Die Patenlehrkräfte und Seminarlehrer nahmen sich viel Zeit für uns Praktikanten und haben mit uns Schulstunden analysiert oder mit uns praxisbezogene Beispiele ausgearbeitet", erinnerte sich die 27-jährige Coburgerin.

Universitätsschule, so betont Pankraz Männlein, stellvertretender Schulleiter, bedeute aber auch, dass nicht nur Studenten an die Bamberger Berufsschule kommen, sondern es finde ein regelmäßiger Austausch zwischen Patenlehrern und Mitarbeitern der Universität statt, um gemeinsame Ideen zu entwickeln. "Dabei hinterfragen wir kritisch auf beiden Seiten, wo es noch Dinge gibt, mit denen wir nicht zufrieden sind und suchen gemeinsam nach Lösungswegen."

Damit sei die Berufsschule III eine transparente Schule mit einem sehr offenen Klima. Es gebe weder zwischen Studenten und Schülern, noch zwischen wissenschaftlichen Mitarbeitern und Lehrkräften irgendwelche Berührungsängste. "Studenten in den Klassenzimmern oder auf den Fluren der Schule gehören bei uns inzwischen zum alltäglichen Bild. Denn es vergeht kaum ein Tag, an dem wir keine Hospitanten bei uns haben", resümiert Männlein.

Inzwischen findet das neue Ausbildungskonzept auch bundesweites Interesse. Unlängst besuchte eine Delegation des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLW) im Rahmen einer Fortbildungstagung die Berufsschule III, um sich vor Ort über das bayerische Universitätsschulkonzept zu informieren.