Angela Inselkammer tut sich nicht allzu schwer damit, auch mal eine Maximalforderung auf den Tisch zu legen. Die resolute Chefin des Ayinger Brauergasthofes und Präsidentin des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Bayern macht beim Gastgebertag am Montag in Bamberg unmissverständlich klar: "Es wird keinen neuen Lockdown für Bayerns Wirte geben."

Entweder alle oder keiner, lautet ihr Credo, für das sie am Montag von ihren Kollegen viel Applaus bekommt. Will heißen: Wenn die Wirte wieder schließen müssen, dann sollen auch der öffentliche Nahverkehr und die Industrie herunterfahren.

Angela Inselkammer: "Es wird keinen neuen Lockdown für Bayerns Wirte geben"

Aus ihren Worten klingt der Ärger, der sich in eineinhalb Jahren Pandemie aufgestaut hat. Von einem Berufsverbot spricht sie für ihre Branche und von fast unanständigem Verhalten der Politik. "So geht man nicht mit einer Wirtschaftskraft um."

Bei den Wirten in Bayern geht die Angst um, dass es im Herbst oder Winter erneut zu Einschränkungen für ihr Geschäft kommt. Die Corona-Infektionszahlen steigen, dass es im Herbst Inzidenzen geben könnte, wie sie in den vorangegangenen Pandemie-Wellen nicht erreicht wurden. Politik und Interessengruppen suchen nach einem Ausweg aus der Misere. Sie wollen möglichst viel öffnen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten - aber eben auch keine unnötigen Risiken eingehen.

Kanzleramts-Chef Helge Braun (CDU) hatte noch am Wochenende mögliche Beschränkungen für Nicht-Geimpfte ins Gespräch gebracht, falls eine hohe vierte Welle kommt. "Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist", sagte er der "Bild am Sonntag".

Inselkammer stößt auf gemischtes Verständnis

Ein Vorschlag, der einer Frau wie Angela Inselkammer die Zornesröte ins Gesicht treibt. "Dass die Politik jetzt wieder durch eine Art Drohgebärde die Gastronomie und die Kultur und die Kunst und den Sport wieder hernimmt, um zu sagen: Nur Geimpfte dürfen da rein - das können wir so nicht mitgehen", sagt sie. "Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit." Es gebe Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht impfen lassen können. "Die kann man nicht aussperren."

Bei der Politik stößt Inselkammer mit ihrer Haltung auf gemischtes Verständnis. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) macht den Gastwirten und Hoteliers in einem Grußwort zwar deutlich, dass er keineswegs einen neuen Lockdown plane. Er rechnet aber auch vor, dass der Branche mit einem ermäßigten Mehrwertsteuer-Satz von politischer Seite erheblich unter die Arme gegriffen wurde.

Noch deutlicher wird der parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Thomas Bareiß (CDU). Deutschland habe an Corona-Hilfen mehr Geld bereitgestellt als die 26 anderen EU-Länder zusammengezählt. Über die Hälfte davon sei in die Gastronomie geflossen, sagt Bareiß in Bamberg.

Dehoga sieht Branche in der Opferrolle

Die Dehoga sieht ihre Branche dagegen eher in der Opferrolle. Die Gastwirte hätten in zurückliegenden Lockdown-Phasen ein Sonderopfer gebracht, um die Industrie offenhalten zu können. Dies werde es nicht noch einmal geben. Inselkammer dokumentiert die Macht der Branche: 450 000 Mitarbeiter, 10 000 Auszubildende und 19 Milliarden Euro Umsatz repräsentieren die 40 000 Betriebe des Gastgewerbes in Bayern - vom Dorfgasthof bis zur Großstadt-Diskothek, vom Landhotel bis zum Biergarten. Die Gastronomie sei der Platz, an dem Menschen Emotionen erleben und wichtige Ereignisse - von der Taufe bis zur Beerdigung- in den richtigen Rahmen gestellt werden.

Es brauche nun die "unverbrüchliche Zusage", dass es keine weitere Schließung mehr für die Gastronomiebetriebe geben werde, fordert Inselkammer. Dies sei auch wichtig, weil der Branche das Personal davonlaufe. Schon jetzt fehlten 50 000 Arbeitskräfte. Viele davon arbeiteten gern in der Gastronomie, es fehle ihnen jedoch derzeit Verlässlichkeit. Auch deswegen sagt Inselkammer: "Wir werden die Schließung der Branche nicht mehr mittragen."

In einem hoch entwickelten Land wie Deutschland müsse es nach 18 Monaten Pandemie bessere Konzepte geben als die bloße Schließung. Die Gastronomie in Deutschland verfüge bereits die ausgeklügeltsten Hygienekonzepte in ganz Europa. Gastronomie unter solchen Bedingungen sei viel sinnvoller als ungeregelte Zusammenkünfte im privaten Rahmen zuzulassen.