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"Da staunen die Leute bestimmt, wenn ihnen plötzlich der Fürstbischof etwas erklärt." Museumsleiter Matthias Mäuser steht oben auf der Galerie im prächtigen "Vogelsaal" des Naturkundemuseums. Über ihm thront der Fürstbischof und blickt aus seinem goldumrandeten Gemälde auf den Museumsleiter herab. Der hält ein Smartphone in der Hand und stellt sich vor, was man damit bald alles machen kann.

Bald, das wird voraussichtlich der Winter 2015 sein. Dann nämlich soll die neue App für das Bamberger Naturkundemuseum fertig sein, die derzeit programmiert wird. Was soll sie können? "Wir wollen zum Beispiel Kinderführungen, Rätselführungen oder Best-Of-Führungen mit der Applikation anbieten", sagt Mäuser - und zwar speziell im "Vogelsaal".

"Dort können wir keine großen Erklär-Tafeln hinein stellen oder Medien, die nicht zum Stil des Raumes passen", erläutert
Mäuser. Bisher müssen die kleinen Schildchen in den Vitrinen genügen. Doch dadurch entstehe ein Informationsdefizit. "Unsere Besucher haben 1000 Fragen, gerade, wenn sie den Vogelsaal zum ersten Mal sehen!" Rund 1200 Vogelpräparate beherbergt der Raum, insgesamt 800 Vogelarten. Manche Exponate sind bis zu 150 Jahre alt. "Das ist unglaublich viel Geschichte", sagt Mäuser. Doch leider könne es sich das Museum aus personellen Gründen nicht leisten, den Besuchern alles persönlich zu erklären.

Ganze neue Möglichkeiten durch die App

2010, als der "Vogelsaal" nach seiner Restaurierung wieder eröffnet wurde, wollte der Museumsleiter "mit dem Defizit aufräumen", wie er sagt. Er kam auf die Idee einer App, mit deren Hilfe sich der Museumsgast auf unterschiedliche Führungen begeben kann. Zu Sammlungen, zur Geschichte des Saals, zu den Vogelarten. Filmsequenzen soll das Programm auf dem Handy abspielen können, ebenso Vogelstimmen. Und: Mäuser wünscht sich die Funktion der "Augmented Reality" - zu Deutsch "erweiterte Realität". Was das sein soll, erklärt der Museumsleiter gleich mit. "Man hält die Kamera des Smartphones auf ein Exponat, dann erscheint auf dem Bildschirm eine weitere Ebene. In der erklärt dann zum Beispiel der Fürstbischof etwas."

Dann nennt Mäuser gleich noch einen englischen Begriff: "Indoor Positioning System", kurz IPS. Das Gerät weiß, wo es sich im Raum befindet. Wenn man sich einem Exponat nähert, gibt das Handy ein kleines Signal, dass da etwas ist, was für mich interessant sein könnte."

Interessant für die Nutzer von mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets: Die App wird kostenlos sein. Zudem will das Naturkundemuseum Leihgeräte anschaffen - "wenn ich das Geld dafür auftreiben kann", merkt Matthias Mäuser an.

Apropos Geld: Die Entwicklung der Applikation kostet insgesamt rund 120 000 Euro. Das Programm setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem technischen Rahmen und dem Inhalt.

Mäuser führt aus: "Der technische Rahmen wird jetzt entwickelt. Auf diesen setzen wir dann unsere Inhalte. Unsere Partner-Museen können den technischen Rahmen dann entsprechend mit ihren Inhalten füllen." Partnermuseen sind die "Staatlichen Naturwisschenschaftlichen Sammlungen Bayerns", vier Regionalmuseen in Eichstätt, Nördlingen, Bayreuth und eben Bamberg, das Museum "Mensch und Natur" in München sowie das neue Naturkundemuseum Bayern, das sich derzeit in Planung befindet.

Vernetzung zwischen den Museen

Das Ziel ist klar: "Wir wollen uns gegenseitig vernetzen", sagt Mäuser. Welche Inhalte jedes Museum auf den technischen Rahmen setzt und wie viel Geld es dafür ausgibt, entscheidet das Haus selbst. Das Naturkundemuseum investiert zu den 60 000 Euro für den technischen Rahmen noch einmal die gleiche Summe in die Inhalte.
Finanziert werden beide Teile der Applikation von verschiedenen Institutionen. Der Leiter des Naturkundemuseums ist schon gespannt darauf, wie die App am Ende aussehen wird. Aber er sagt auch: "Das Wesentliche ist das Original." Und: "Wenn ich ein Dutzend gute Museumsführer hätte, wäre das noch besser. Der persönliche Kontakt ist das Beste." Aber, und dann lächelt Mäuser, "ohne die App würden die Besucher auch nicht staunen, wenn der Fürstbischof plötzlich zu erklären anfängt."