Andrea Kinder legt sich ihren Haushaltsplan zurecht: Am Dienstag schaltet sie als erstes die Waschmaschine ein, damit sie die Wäsche später bügeln kann. Am Donnerstag wird sie den Einkauf erledigen, darauf folgt der Hausputz. Ein Wochenplan ist für die 52-Jährige essentiell - denn sie arbeitet als Hauswirtschafterin in einem gehobenen Privathaushalt.

Die ehemalige Steuersekretärin besuchte ab 2015 die Hauswirtschaftsschule, 2017 machte sie dort ihren Abschluss. Schon immer hatte sie Spaß an der Haushaltsführung. Man müsse gerne zuhause sein und dürfe die alltäglichen Arbeiten nicht als lästig empfinden, sagt sie. Ihre Arbeitgeber, ein Ehepaar, sind voll berufstätig und haben entsprechend wenig Zeit für die Haushaltsführung. Deshalb stellten sie die Frensdorferin ein. Doch längst nicht jeder weiß, welche Fertigkeiten hinter dem Berufsfeld der Hauswirtschaft stehen.


Mehr als nur Haushaltsarbeiten

"Vielleicht sehen das viele mit falschen Augen", sagt Kinder über ihre Arbeit. Außenstehende könnten sich aus Unwissenheit häufig wenig mehr als eine Putzhilfe unter dem Beruf vorstellen. Doch das Feld sei deutlich breiter.
Selbstverständlich gehören Putzen und Bügeln zu ihrer Arbeit. Im Wesentlichen drehe es sich aber um Zeitmanagement und um die Haushaltsführung selbst. Je nach Haushalt könnten auch die erlernten Fähigkeiten in Sachen Betreuung, Lebensmittelhygiene oder - so gewünscht - Finanzmanagement in den Fokus treten.

Einen anderen Weg schlug Doris Mühlmichel ein. Sie schloss nach der Hauswirtschaftsschule die Ausbildung zur Hauswirtschaftsmeisterin an und machte sich 2003 selbstständig. Sie betreibt einen Catering-Service in Sassanfahrt und beliefert mit diesem verschiedene Schulen und Kindergärten im Raum Hirschaid sowie die Universität Bamberg, das Erzbistum Bamberg und die Bamberger Akademien für Gesundheits- und Pflegeberufe. Außerdem sitzt sie im Prüfungsausschuss der Hauswirtschaftsschule und referiert in Erlangen über Textilpflege.

Die 50-Jährige genießt es, ihr eigener Herr zu sein. Eine Anstellung in einem Großbetrieb komme für sie nicht mehr in Frage. Als Hauswirtschaftsmeisterin erhielt sie tiefgehendere Einblicke in die Strukturen der Unternehmensführung. "Struktur finden" sei einer der Grundsätze in der Meisterschule gewesen. So lernte sie beispielsweise, wie sie die Aufgaben der Mitarbeiter möglichst effizient koordiniere.


Beruflicher Neustart

Die gelernte Bürokauffrau rät jedem, der einen beruflichen Wechsel erwägt und Freude an den Themen des Berufsfeldes hat, den Schritt zur Ausbildung zum Hauswirtschafter oder zur Hauswirtschafterin zu machen. Gerade Hausfrauen würden bereits viele Fertigkeiten mitbringen und könnten diese schnell entwickeln. "Meinen beruflichen Wechsel habe ich nie bereut", sagt die 50-Jährige.


Hauswirtschaftsschule: Das Wichtigste in Kürze

Hintergrund: Es sind noch Plätze frei im einsemestrigen Studiengang Hauswirtschaft des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bamberg. Der Studiengang richtet sich an Interessierte mit außerhauswirtschaftlicher Berufsausbildung. Ohne abgeschlossene Berufsausbildung ist die Zulassung über eine Ausnahmeregelung möglich. Der Schulbesuch ist kostenfrei und bereitet in ca. eineinhalb Jahren auf die Abschlussprüfung zum/zur Hauswirtschafter/in vor.


Unterricht: Zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Haushalt und Berufstätigkeit findet der Unterricht in Teilzeitform statt, jeweils dienstags zwischen 8.30 Uhr und 14.20 Uhr und mittwochs zwischen 8.30 Uhr und 15.50 Uhr. Die Schulferien sind unterrichtsfrei. Der Abschluss ermöglicht einen beruflichen Einstieg in landwirtschaftliche Betriebe, Großhaushalte, Kindertagesstätten, Altenpflegeheime, Schulen, Großküchen und vieles mehr. Der Schulbesuch ist kostenlos.

Kontakt: Hauswirtschaftsschule
Schulleitung Sigrid Gebhardt Schillerplatz 15
96047 Bamberg
Tel.: 0951/8687-0
E-Mail: poststelle@aelf-ba.bayern.de