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Bamberg
Genuss

Das gibt es in der Region direkt vom Erzeuger

Über 100 DIrektvermarkter gibt es in Stadt und Landkreis Bamberg. Wie funktioniert das? Und was haben die Kunden und die Anbieter davon?
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Louis Grimmer wirft sein Netz aus. Die Fischzucht am Alten Kurhaus in Trabelsdorf ist einer von über 100 Direktvermarktern in Stadt und Landkreis Bamberg.  Foto: Lea Schreiber
Louis Grimmer wirft sein Netz aus. Die Fischzucht am Alten Kurhaus in Trabelsdorf ist einer von über 100 Direktvermarktern in Stadt und Landkreis Bamberg. Foto: Lea Schreiber
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Wer in den Untiefen der Corona-Pandemie fischt, kann auch Erfolge an Land ziehen - gerade als Direktvermarkter. Das ist zumindest die Erfahrung von Louis und Max Grimmer vom Alten Kurhaus in Trabelsdorf. Die Brüder züchten und verkaufen hochwertige Fische wie Forellen, Saiblinge, Hechte, Waller, Zander und natürlich ab den sogenannten "R"-Monaten Karpfen - 120 bis 150 Zentner jährlich allein Speisekarpfen, lebend, halbiert, filetiert. Um diese Jahreszeit sind lediglich Forellen und Saiblinge im Angebot. "Im Herbst gibt es wieder alle Sorten", sagt Louis Grimmer.

Genießer aus der Stadt Bamberg, dem westlichen Landkreis und aus Unterfranken wissen offensichtlich gut, welche Gaumenfreude die frischen Fische der Grimmers bereiten können. Jedenfalls läuft der Verkauf (mit oder ohne Vorbestellung unter Tel. 09549/1247) in Corona-Zeiten "besser als sonst", erklären die Brüder. Ein Glücksfall für die Direktvermarkter, denn so ließ sich die durch das Virus erzwungene Schließung ihres Restaurants und Hotels "Altes Kurhaus" einigermaßen überstehen.

Vor vier Jahren haben die Grimmers ihre Fischzucht auf Bio umgestellt, "um die Umwelt zu schützen", wie Max Grimmer sagt. Bio-Getreide für das Fischfutter wird zum Beispiel auf dem eigenen Acker angebaut.

Spargelbauern in der Krise

Eine eigene Landwirtschaft und Direktvermarktung ist allerdings in diesen Zeiten kein Allheilmittel - davon können die Spargelbauern ein Lied singen, schließlich stand die jetzt zu Ende gehende Saison unter besonderen Vorzeichen: Wegen der Corona-Krise war es noch schwieriger als in den Vorjahren, Erntehelfer nach Franken zu holen. Das Wetter war auch nicht ideal, und dann brach auch noch der Absatz ein, weil die Gastronomie eine Zwangspause einlegen musste.

Der leicht gestiegene private Absatz konnte die Verluste nicht wettmachen. Die Agrar-Informationsgemeinschaft (AMI) in Bonn spricht in einer ersten Bilanz von einem Umsatzrückgang bei den Spargelbauern, der im Vergleich zum Vorjahr bei 30 Prozent liegen dürfte und mit Blick auf das Rekordjahr 2018 sogar noch höher ausfällt. Vor zwei Jahren waren bei idealen Wetterbedingungen in Deutschland 133 020 Tonnen Spargel gestochen worden. Weil das edle Gemüse so üppig spross, blieb manche Stange damals mangels Nachfrage sogar auf dem Feld.

Der Spargel ist ein Klassiker bei der Direktvermarktung. Zwar gibt es die weißen und grünen Feinschmecker-Stangen auch in den Supermärkten, aber wer das edle Gemüse kennt, setzt auf absolute Frische und garantierte Herkunft vom Bauern des Vertrauens.

Manche Dinge wie der Spargel sind in Franken so vertraut, dass man dabei gar nicht an Direktvermarktung denkt. Ähnlich verhält es sich mit dem Frankenwein, dessen Erwerb mit der Verkostung auf dem Weingut zu einem reinen Vergnügen wird. In seiner Vorstufe als Federweißer, das Herbst-Pendant zum Spargel-Genuss im Frühjahr, kommt gar ausschließlich die Direktvermarktung infrage.

Bier kauft man in Franken ebenfalls direkt "ab Werk", seit eh' und je auch ökologisch vernünftig in der Pfandflasche aus der Pfandkiste - allenfalls auf einem kleinen Umweg über den regionalen Getränkemarkt. Und dass Bäcker und Metzger Direktvermarkter im besten Sinn des Wortes sind, versteht sich.

Inzwischen gibt es in Franken und aus Franken fast alles, was auch im Supermarktregal liegt, und fast unabhängig von der Jahreszeit. So listet die Broschüre "Region Bamberg - weil's mich überzeugt" über 100 Betriebe aus Stadt und Landkreis Bamberg auf, die ihre Spezialitäten selbst verkauften. Obst und Gemüse wird auch hierzulande im großen Stil unter Glas kultiviert; solche Betriebe wie "Pilzland", um ein Beispiel zu nennen, haben in der Regel aber keinen "Fabrikverkauf", sind also keine Direktvermarkter wie die Grimmers.

Wichtiges Standbein

Die Brüder aus Trabelsdorf wollen den Verkauf der selbst gezüchteten Fische noch ausbauen und haben schon ganz konkrete Pläne. So sollen ein eigenes Bruthaus und ein Laden auf dem Gelände entstehen. Darauf haben die Fische viel Platz zum Schwimmen: Insgesamt 16 Hektar umfassen die Weiher direkt vor der Tür im Herzen des Aurachtals sowie in Triefenbach und Priesendorf.

Beispiele: Direktvermarkter aus der Region

Konfitüre Als Marktführer bei der im Faschingskrapfen unentbehrlichen Hiffenmark-Marmelade (Hagebutte) gilt die Firma Maintal im unterfränkischen Haßfurt. Der süße Brotaufstrich ist ein Klassiker aus Franken, den "die Maintal" auch im Werksverkauf anbietet.

Fruchtgummi Sie stehen im Supermarkt neben den Produkten der Konkurrenz, aber Franken sind nur sie: Die Fruchtgummis der Firma Trolli in Fürth haben Kult-Charakter, fast ein bisschen wie das fränkische Spielzeug Playmobil. Rund um den süßen Snack ist eine ganz eigene kleine Welt entstanden.

Pralinen Wer es noch süßer mag, greift zu raffinierten Kompositionen aus Nougat, Marzipan, Schokolade und anderen feinen Zutaten. Zu den bekanntesten Herstellern gehören in Franken die Confiserie Lauenstein in Ludwigstadt bei Kronach und die Confiserie Storath aus Stübig bei Scheßlitz. Auch diese beiden Unternehmen bieten Onlineshop und Werksverkauf an.

Meerrettich Zwar wird auch im berühmten Knoblauchsland rund um Nürnberg die scharfe Knolle zum überwiegenden Teil aus China importiert. Eine andere Schärfe ist aber ur-fränkisch geblieben: Meerrettich. Zur Brotzeit und als Zutat für das fränkische Hochzeitsessen (Rindfleisch mit Kren) ist der Rachenputzer unentbehrlich. Bekannte Hersteller sind Koch und Schamel in der fränkischen Kren-Metropole Baiersdorf. Liste Einen umfangreichen Überblick über Direktvermarkter in der Region gibt es hier.