Reinfelder betont, dass sie als Ortsvorsitzende der CSU in Gaustadt nicht abgewählt worden sei, sondern erklärt habe, für das Amt nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Dies sei am Dienstag der erste Schritt gewesen. Am Donnerstagabend erfolgte der zweite.

In einer Pressemitteilung bedauern der CSU-Kreisvorsitzender Lange und Fraktionsvorsitzender Helmut Müller den Austritt Reinfelders. Es sei immer betrüblich, wenn engagierte Mitglieder verloren gingen. Allerdings sei die Zusammenarbeit mit Reinfelder in den zurückliegenden Jahren "nicht immer einfach und harmonisch verlaufen". Insbesondere ihr Austritt aus der CSU-Stadtratsfraktion habe "einen Bruch herbeigeführt, der nicht mehr zu kitten gewesen" sei.

Reinfelder wirft Lange dagegen in ihrem Schreiben "Ausgrenzung und permanentes Mobbing" und Hinterzimmerpolitik vor. "Die CSU verdient mich nicht, weder meinen Fleiß noch meine Zeit!", erklärt Reinfelder. "Die CSU einstmals eine starke und einflussreiche Größe in der Bamberger Parteienlandschaft ist zu einer kleinen Truppe geschrumpft, die bei den Bürgern immer mehr an Ansehen verloren hat", schreibt Reinfelder in ihrem Abschiedsbrief an den Kreisvorsitzenden. Nun gehe es nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch um Macht, Einfluss und Posten. Sachthemen, die die Bürger wirklich berührten blieben dabei auf der Strecke.

Reinfelder will ihren Sitz im Finanz- und Personalsenat des Stadtrats behalten, um dort ihre Stimme zu erheben. Sie schließt in ihrem Schreiben auch die Gründung einer neuen Gruppierung nicht aus, die aber keine "One Woman Show" werden solle. Wie Reinfelder dem FT mitteilt, sind gleichzeitig mit ihr auch Norbert Böhmer-Reinfelder und Kaspar Reinfelder aus der CSU ausgetreten.

Der Kreisvorsitzende Christian Lange bezeichnet Reinfelders Rückzug aus Partei und Mittelstandsunion nach ihrem Ausscheiden aus der Fraktion als "konsequent". Für die Mittelstandsunion eröffne sich dadurch die Chance auf einen personellen Neuanfang.