Endspurt am Clavius-Gymnasium. Während die Schüler noch für die letzten Prüfungen des Jahres pauken, legen sich die Handwerker ins Zeug, um den Rohbau des ersten Bauabschnitts winterfest zu bekommen. Kann man bei all dem Bohren, Hämmern, Flexen und Schrauben überhaupt lernen? Die Lokalredaktion hat sich vor Ort umgesehen.

Trotz der nasskalten Temperaturen herrscht auf der Großbaustelle zwischen den beiden Pausenhöfen der Martinsschule und des Clavius-Gymnasiums Hochbetrieb. Doch durchschreitet man das Schulhaus der Martinschule, wo im rechten Flügel einige Klassen des CG´s beheimatet sind, herrscht erstaunlicherweise völlige Ruhe. Doch diese beinahe gespenstische Ruhe war nicht immer so. Viele Schüler erinnern sich noch lebhaft an den Sommer, als die Betonbauarbeiten voll in Gange waren. "Es war nicht immer leicht, sich beim Baulärm auf Schulaufgaben und Exen zu konzentrieren.
Auch bei Gruppenarbeiten im Klassenzimmer störte der Lärm schon öfters", schildert Adrian aus der 8c.


Lüften nur bei Stundenwechsel

Vor allem, so unterstreicht sein Klassenkamerad Nicolaj, sei es im Sommer sehr schwierig gewesen, zu lüften. Da sei schon mal "Stress" aufgekommen: In den Klassenzimmern habe es gefühlte 40 Grad gehabt. Doch bei offenem Fenster habe man kein Wort mehr verstanden. Daher wurde lediglich beim Stundenwechsel kurz gelüftet. Aber auch die Baufahrzeuge, die anlieferten, haben den Schülern zu schaffen gemacht. "Es nervte teilweise schon, wenn alle fünf Minuten ein neuer LKW am Klassenzimmer vorbeirauschte. Zumal diese dann immer auch noch hupen mussten", erinnert sich Till. Interessant und spannend hingegen fanden einige Schüler den Baumaterialientransport: Ein riesiger Kran hat direkt an den Schulfenstern vorbei unterschiedliche Materialien auf das Gelände gehievt.

Die Schüler müssen jedoch nicht nur den Baulärm hinnehmen: So gäbe es, wie Dominik aus der 10. Klasse erläutert, keinen direkten Verbindungsweg mehr vom CG zur Martinsschule. "Wir müssen nun einen Umweg über den Hinteren Graben in Kauf nehmen", sagt er. Da gingen rund fünf Minuten der Unterrichtszeit verloren. Zumal man als Schüler den Umweg auch nicht gerade im Eiltempo zurücklege. Ferner steht, wie Elena ergänzt, den Schülern durch die Baustelle weniger Pausenhof zur Verfügung.

Alles in allem jedoch, darin waren sich beide Klassen einig, kämen sie ganz gut mit der Baustelle zurecht. Vor allem, da sie, so glauben sie, vorerst den größten Lärm hinter sich hätten.

Eine positive Zwischenbilanz zieht auch Schulleiter Wolfgang Funk, der den Bau zur "Chefsache" erklärte und zusammen mit zwei Kollegen in engem Kontakt mit der Bauleitung steht. "Sicherlich ist es für uns ein erheblicher organisatorischer Mehraufwand. Vor allem müssen wir immer schon weit in Zukunft voraus planen", schildert er. Ziel ist es aber immer, die Schüler so wenig wie möglich "wandern" zu lassen.

Daher habe man die fünften Klassen fest in den Räumen des Clavius-Gymnasiums untergebracht und die sechsten Klassen vorerst dauerhaft in der Domschule. Dennoch - ganz lässt sich das "Umherwandern" nicht vermeiden. So findet der Turnunterricht beispielsweise in den Turnhallen am Georgendamm statt und zudem wurden einige Klassenzimmer im Aufseesianum angemietet. Und im nächsten Schuljahr werden zusätzliche Container auf dem Gelände des Stadtarchivs errichtet.
Um die Schüler bei Schulaufgaben möglichst vom Lärm fernzuhalten, versucht die Schulleitung, hierfür ruhige Klassenzimmer zu finden.

Baustopp während des Abis

"Für die Abiturproben im nächsten Jahren haben wir einen Baustopp vereinbart. Schließlich soll niemand durch Baulärm in seiner Konzentration beeinträchtigt werden", erläutert Funk. Großes Lob spricht er allen Schülern aus, die sich an die vorgeschriebenen Wege halten und sich auch von der Baustelle fernhielten.