Wie Konrad Gottschall, Vorstandvorsitzender der Sparkasse Bamberg, gegenüber infranken.de bestätigte, will die Sparkasse den Verwaltungsräte in ihrer Sitzung am 21. September empfehlen, einen Schlussstrich unter das 75-Millionen-Euro Vorhaben zu ziehen und statt dessen eine eigene Nutzung der Innenstadtbrache durch die Sparkasse zu forcieren.

Grund für das sehr wahrscheinliche erneute Scheitern der Citypassagen-Pläne, die zuletzt Quartier an der Stadtmauer genannt wurde, sind laut Gottschall die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise, die das Projekt des Investors „Multi Development“ empfindlich getroffen oder doch zumindest stark verzögert hätten. Insbesondere hätte sich der Mietermarkt für eine Einzelhandelsimmobilie in Bamberg im Zusammenhang mit der Insolvenz von Arcandor mit Karstadt und Quelle so verschlechtert, dass zwei Jahre nach dem Neustart der Planungen ein Bauantrag noch weiter Ferne lag.

Konkreter Anlass für die Sparkasse Bamberg, nun
eine Grundsatzentscheidung von den Verwaltungsräten zu verlangen, ist die Forderung von Multi Development gegenüber dem Kreditinstitut, sich an den Kosten für die Planung des Passagenprojekts in sechsstelliger Höhe zu beteiligen, was die Sparkasse bislang nicht vorhatte. „Ich stehe der Vorstellung, dass wir neues Geld in die Hand nehmen, sehr skeptisch gegenüber“, beschrieb Gottschall seine Überlegungen angesichts der in den vergangenen Jahren bereits aufgelaufenen Planungskosten und der unsicheren Erfolgsaussichten für ein neues Handelsprojekt.

Als Alternative für die Bebauung der Brachfläche schlägt Gottschall nun vor, nicht mehr länger abzuwarten und das Gelände „selbst zu beleben“. Dies könnte gelingen, in dem die Abteilungen der Sparkasse, die im Moment noch im Verwaltungsgebäude am Schönleinsplatz untergebracht sind, in der Langen Straße konzentriert werden. Vom Haus Schönleinsplatz, das bereits einmal als technisches Rathaus im Gespräch war, will sich die Sparkasse trennen, um die hohen Gebäudekosten zu verringern. Gottschall kann sich vorstellen, dass das Gebäude am Schönleinsplatz mit seiner großen Schalterhalle als Handelsstandort fläche oder als Dienstleistungszentrum auf gute Nachfrage stößt.

Landrat Günther Denzler, Vorsitzender des Verwaltungsrates, bedauerte die Entwicklung,- „Die Passage wäre eine große Chance für die Bamberger Innenstadt gewesen“, sagte Denzler. Andererseits sei es der Sparkasse als Wirtschaftsunternehmen nicht zuzumuten, weiter zu investieren und noch längere Einnahmeausfälle durch die Brache hinzunehmen.

In Bamberger Einzelhandelskreisen löste die Nachricht vom Aus für die Passagenpläne eher Erleichterung als Sorgenfalten aus. „10000 Quadratmeter zusätzliche Handelsfläche hätten einem Verdrängungswettbewerb im inhabergeführten Facheinzelhandel geführt“, meinte Klaus Stieringer, Geschäftsführer von Stadtmarketing. Deshalb sei man über diese Neuigkeit nicht eben traurig. Als Stadtrat der Bamberger Realisten hatte er es stets auch bedenklich gefunden, die Passage ohne weitere Parkflächen zu bauen.