Lange hat sich Georg Pfister, vielen besser bekannt als der "Mann mit Hut", gedulden müssen, bis er zu Wort kam. Als der Geschäftsführer eines Tiefbauunternehmens dann zu vorgerückter Stunde beim ersten Stadtgespräches der CSU über die Innere Sicherheit mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im vollbesetzten grünen Saal der Harmonie das Mikrofon überreicht bekam, nutzte er jedoch einmal mehr die Gelegenheit, der bayerischen Regierung die Leviten zu lesen.

Pfister fuhr dabei zwar nicht ganz so zur Höchstleistung auf wie bei seiner schon legendären Rede im Jahr 2008 auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg. Doch ein gnadenloser Rundumschlag wurde es freilich doch. "Ich verstehe gar nicht, wie Ihr Männer Euch von einer einzigen Frau in Berlin alles vorschreiben lasst. Von wegen ,Wir schaffen das!'", wetterte der Unternehmer. Ferner klagte er, dass er selbst "Opfer" der Schleierfahndung und einer "übereifrigen" Staatsanwältin gewesen sei, die ihn als Drogendealer einstufte - nur weil er sich einen Hubschrauber gekauft hätte. Und zu guter Letzt forderte Pfister mehr Polizeikräfte für den Staat. Denn keiner werde so beklaut auf seinen Baustellen wie er.

Der Innenminister nahm es mit Humor und versprach, es als Anregung zu verstehen, wie er demnächst mit der Kanzlerin und der Staatsanwältin umzugehen habe.


Diskussion über die Zukunft der Bamberger Are

Sachlicher wurde Hermann dann allerdings, als er über die weitere Zukunft der Bamberger Ankunft- und Rückführungseinrichtung (Are) berichtete. Dabei bedauerte er zunächst, dass die Flüchtlingsströme sowie die Unterbringung der Bundespolizei in der ehemaligen Kaserne so nicht planbar gewesen seien. Dennoch sei er froh, dass bereits erste Wohneinheiten für die Bamberger Bevölkerung auf den Markt gebracht werden könnten. Ob das Ankunfts- und Rückführungszentrum jedoch eine "besondere Aufnahmeeinrichtung" werden würde, konnte der Innenminister nicht abschließend beantworten.

"Der Charakter der Einrichtung wird sich sicherlich nicht ändern. Wir setzten auch künftig auf beschleunigte Asylverfahren und eine strenge Residenzpflicht", betonte Joachim Herrmann. Da jedoch Bayern derzeit als einziges Bundesland kein Ankunftszentrum habe, sei im Kabinett beschlossen worden, ein solches in Bamberg zu erschaffen. Allerdings sei es, so Herrmann, mehr als fraglich, ob ein solche Einrichtung bei den aktuell niedrigen Flüchtlingszahlen überhaupt benötigt werde. Denn derzeit kämen laut Innenminister täglich um die 100 Flüchtlinge pro Tag in Deutschland an. Davon müsste Bayern durchschnittlich 15 unterbringen.

"Ob das allerdings so bleibt, können wir nicht garantieren. Wir bleiben aber im engen Kontakt mit der Stadt, um das weitere Vorgehen abzustimmen", versicherte Herrmann. Denkbar sei auch, dass ein Wohnblock für anerkannte Flüchtlinge zur Verfügung gestellt werde.

Ansonsten setzte der Minister, wie in seinen Ausführungen beziehungsweise bei den Fragen der Veranstaltungsteilnehmer deutlich wurde, weiterhin auf Grenzkontrollen - zumindest bis Ende des Jahres. Denn erst wenn Europa seine Außengrenzen völlig gesichert habe, könne man die Binnengrenzen wieder bedenkenlos öffnen.
Herrmann warnte aber auch, dass man den Terroristen nicht den "Gefallen tun" dürfe, sich von ihnen in Angst und Schrecken versetzten zu lassen. "Wir brauchen unser Leben deswegen nicht ändern, sondern müssen es selbstbewusst weiterleben", forderte er. Die Verhaftung der IS-Kämpfer in Bamberg hingegen sah Herrmann als Zeichen, dass "seine" Sicherheitsbehörden gut unterwegs seien.