Polizeibesuch bei einer halb geplatzten Bürgerversammlung, Hausverbot gegen eine Journalistin und jede Menge wilde Anschuldigungen: Was geht da gerade vor sich in Reckendorf?

Klar ist: Bürgermeister Manfred Deinlein (SPD) hat gegenüber Adelheid Waschka, die regelmäßig auch für den FT über die Ratssitzungen in Reckendorf schreibt, ein "generelles Hausverbot" für alle gemeindlichen Anwesen ausgesprochen. Damit verhindert er de facto, dass die studierte Historikerin am heutigen Mittwoch aus der Sitzung des Gemeinderats im "Haus der Kultur" berichtet. In dem Schreiben, das mit den Worten "Servus Heidi, wie geht es Dir?" beginnt, begründet er seinen Schritt mit dem "sturen Verhalten", durch das Waschka die Bürgerversammlung am vergangenen Mittwoch gesprengt habe.

Tatsächlich ist die bereits zuvor angespannte Situation zwischen den beiden bei dieser Gelegenheit eskaliert: Der Bürgermeister wollte die Anwesenheit der Journalistin bei der Bürgerversammlung im "Haus der Kultur" nicht hinnehmen und verwies sie des Veranstaltungsortes. Seine Argumente waren vielseitig und nicht ohne Widerspruch: Bürgerversammlungen seien nicht öffentlich und nur für Bürger der Gemeinde bestimmt, also nichts für die in Hallstadt lebende Frau. Außerdem wollte er von Waschka, die ihm als Pressevertreterin bestens bekannt ist, einen Presseausweis sehen, den sie nicht besitzt. Als Waschka schließlich eine E-Mail mit dem konkreten Auftrag einer Redaktion für diesen Abend vorlegte, behauptete Deinlein gar, dass diese gefälscht sei - ein Vorwurf, an dem er festhielt, im Nachgang jedoch einräumt, dass er sich hier geirrt habe.

Polizei: Presse- über Hausrecht

Der Abend gipfelt darin, dass Deinlein einen Platzverweis aussprach und die Polizei kommen ließ, um eine "Störerin" hinauszuwerfen. Die Beamten fielen aus allen Wolken, als sie vor Ort erfahren, dass es sich hierbei um eine Pressevertreterin handelt. Wie ein Sprecher der Inspektion Bamberg-Land erklärt, hätten die Polizisten abgewogen, ob die Anwendung von direktem Zwang hier angemessen sei und entschieden, "dass das Presserecht hier höher zu bewerten ist als das Hausrecht".

Waschka durfte bleiben, doch der Bürgermeister sah sich danach gezwungen, die Versammlung auf ein Referat eines Gastes, Professor Andreas Dornheim, zu reduzieren. Gleichzeitig erstattete Deinlein, der auch als Anwalt in Bamberg tätig ist, eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch, über die nun ein Richter befinden muss. Auch Dornheim bedauert, dass durch die Vorkommnisse in der Versammlung "viel Unruhe" entstanden sei und so auch weniger Austausch möglich war, als er es sich eigentlich gewünscht hätte.

Enge Zusammenarbeit

Wenige Tage später folgte dann das Hausverbot. Das Tischtuch war freilich schon früher zerschnitten. Schließlich war Waschka mehrere Jahre als Archivpflegerin für die Gemeinde Reckendorf tätig - eine Aufgabe, für die sie Deinlein noch heute lobt: "Sie hat hier ganz tolle Arbeit für Reckendorf geleistet und hat ein unheimliches Fachwissen." Trotzdem hat er sie im Sommer von dieser Aufgabe entbunden, was "jammerschade" sei, sich aber wegen Problemen zwischen den Archiven in Baunach und Reckendorf nicht habe vermeiden lassen.

"Allerhand Unzutreffendes"

Abwertend äußert er sich jedoch über ihre Arbeit als Journalistin - in dieser Funktion habe sie "allerhand Unzutreffendes" verbreitet, ohne konkrete Beispiele benennen zu können. Bis Weihnachten will er jedoch eine entsprechende Auflistung nachreichen. Ein Knackpunkt dürfte auch sein, dass sich Waschka als Historikerin privat für den Schutz eines alten jüdischen Gebäudes in Reckendorf eingesetzt hat, dessen Fortbestand in der Gemeinde umstritten war.

Waschka ihrerseits kommt aus dem Kopfschütteln nicht heraus und vermutet, dass der Bürgermeister ein Problem damit habe, dass sie mit ihren kritischen Berichten auch Deinleins Autorität in Frage stellt. Ihr und auch der FT-Redaktion gegenüber wurde bislang keiner ihrer Berichte wegen konkreter sachlicher Fehler beanstandet. Im Gegenteil: Seitens der Opposition gibt es gar deutliches Lob.

Um Gemeinde verdient gemacht

"Sie hat wohl zwei- oder dreimal unangenehme Wahrheiten geschrieben, die dem Bürgermeister nicht gepasst haben", vermutet CSU-Gemeinderat Gerhard Pförtsch. "Aber was sich Deinlein da geleistet hat, hat mit Demokratie und Rechtsverständnis nichts mehr zu tun." Die angebliche "Störerin" der Bürgerversammlung habe "eigentlich nur etwas gesagt, als sie von der Polizei befragt wurde". Waschka habe sich aus Sicht von Pförtsch, der im Frühjahr gegen Deinlein bei der Bürgermeisterwahl angetreten war, sehr um die Gemeinde verdient gemacht und nie etwas zuschulden kommen lassen. "Und dann wird sie derartig gedemütigt."