Im vergangenen Oktober hatten die Stadträte mit einem Mehrheitsbeschluss (12:7) endgültig den Stab über das Bad gebrochen. Die Aschbacher hatten daraufhin Unterschriften gesammelt und ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht. Ganz gleich auf welcher Seite die Bürger der Stadt und ihrer Ortsteile ihr Kreuzchen auch machen - siegen wird vor allem die Demokratie. Denn der Ausgang des Bürgerentscheids habe "Bindungswirkung" für die Stadträte, erklärte Schlüsselfelds Geschäftsleiter Georg Obermayer. Er wird als Abstimmungsleiter am Sonntag Bürgermeister Georg Zipfel vertreten, der sich derzeit auf Reha befindet.

Bei ihrer Entscheidung, das Bad aufzulassen, haben es sich die Stadtväter nicht leicht gemacht. Denn im März 2007 hatten sie bei nur einer Gegenstimme beschlossen, "einer Sanierung näher zu treten". Der ehemalige Stadtrat Georg Fleischmann forderte bereits damals eine Bürgerbefragung, die jedoch mehrheitlich abgelehnt wurde. Im Gegenzug haben sich Aschbacher Bürger bereits vor Jahren in einer "Schwimmbadinitiative" vereinigt, die vehement um das Bad kämpft.

Am Sonntag wird den Bürgern diese Frage vorgelegt: "Sind Sie dafür, dass das Freibad der Gemeinde Schlüsselfeld saniert wird, dauerhaft erhalten bleibt und nicht geschlossen oder abgerissen wird." Das Ja oder Nein dazu wird vielen nicht leicht fallen. Denn die Mehrheit der Stadträte ist fest davon überzeugt, dass eine Generalsanierung unter drei Millionen Euro nicht zu haben ist. Das vor 40 Jahren gebaute Bad ist seinem Alter entsprechend marode. Technik und Ausstattung sind längst nicht mehr zeitgemäß. Die Aschbacher vertreten in der Mehrzahl die Meinung, das Bad könnte durchaus mit einem geringeren Kostenaufwand saniert werden. "Wir brauchen keinen Mercedes, uns reicht ein Golf", brachte dies Stadtrat Adalbert Zink aus Aschbach auf den Punkt. Die Stadtväter argumentierten bei ihrer Entscheidung nicht zuletzt mit den Besucherzahlen, die in den letzten Jahren - gegenläufig zu den Betriebskosten - immer mehr zurück gegangen waren. Was nicht verwundert, da im nur wenige Kilometer entfernten Burghaslach ein gut ausgestattetes und saniertes Bad zur Verfügung steht.

Die Atmosphäre im Städtchen ist entsprechend emotional. Der Ausgang des Bürgerentscheids verspricht spannend zu werden. Inzwischen wurden sowohl von der Stadt als auch von der Schwimmbadinitiative Flyer ausgegeben. Ja, sogar eine Facebookgemeinde hat sich auf das Aschbacher Bad eingeschworen. In Aschbach wurde eine Woche vor dem Entscheid noch eine große Plakataktion gestartet.

Den Ausschlag wird letztendlich geben, wie viele Bürger am Sonntag tatsächlich zur Wahlurne schreiten. Für Aschbach darf sicher mit einer sehr hohen Beteiligung gerechnet werden. Der Ortsteil vereinigt mit Hohn am Berg, Ziegelsambach und Wüstenbuch 985 Stimmberechtigte. Nach dem Bayerischen Behördenwegweiser ist die gestellte Frage entschieden, wenn sie von der Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen beantwortet ist. "Diese Mehrheit muss mindestens 20 Prozent der Stimmberechtigten betragen." Das bedeutet, 20 Prozent der 4610 Stimmberechtigten des gesamten Stadtgebiets, das sind 922 Stimmen. Die könnte Aschbach - sofern es geschlossen antritt - sogar selbst rekrutieren.