Wegen Corona endete das 555. Blutsfest in Burgwindheim dieses Jahr bereits am Samstagabend. Zum Abschluss feierte Albert Müller, Leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Steigerwald, in der Burgwindheimer Blutskapelle eine feierliche Heilige Messe. In der Kapelle waren wegen der Coronavorschriften etwa 20 Gläubige und außerhalb rund 50.

"Ich will eine Predigt über die Furchtlosigkeit halten - und Deutschland liefert die Waffen", begann Pfarrer Müller seine Predigt und wies damit auf die Wirtschaft und ihre militärischen Exporte in Krisen- und Kriegsgebiete hin. Dann wandte er sich dem religiösen Teil zu und sagte: "Heute Nacht sollen die Lichter brennen. Sie sollen ein Zeichen sein, mit Jesus keine Angst zu haben. Wir müssen das Licht des Glaubens in unser Herz einlassen."

Die Pfarrei hatte dazu aufgerufen, auch dieses Jahr wieder Kerzen und Lichter in den Fenstern und Straßen aufzustellen. Und so flackerten auch in der Coronazeit r viele Lichter am Prozessionsweg durch den Marktort.

Zur Überraschungen aller aber verkündete der Geistliche am Ende des Gottesdienstes, dass er anschließend allein mit dem Allerheiligsten durch den Ort ziehen werde, um ihn und die Menschen zu segnen. "Mit der Monstranz und Jesus darin möchte ich den Menschen in dieser Not zeigen, dass sie nicht allein sind und Gott bei ihnen ist und ihnen beisteht", erklärte Müller seine Aktion.

Da er das privat tue, brauche er auch keine Ausnahmegenehmigung, sagte er weiter, und es könne sich auch jeder privat mit Sicherheitsabstand anschließen.

Ihm voraus gingen vom Kirchenrat Oliver Dorn und sein Sohn mit dem Weihrauchfass und hinter dem Allerheiligsten rund 20 Gläubige, meist junge Familien mit ihren Kindern mit Kerzen mit farbigem Windschutz.

Hinter der Blutskapelle hatte die Familie Liebert mit Helfern wie sonst immer mit brennenden Kerzen Symbolbilder gelegt. Neben dem Fisch, einer Monstranz, dem Regenbogen, der erst nachmittags doppelt über Burgwindheim zu sehen war und deshalb spontan dazukam, und dem Bild des Herzen Jesu hatten die Erwachsenen und Kinder auch die Zahl 555 gelegt für das Jubiläum. Die zweite Zahl 15 soll daran erinnern, dass ihr Pfarrer nun 15 Jahre bei ihnen ist.

Den wenigen Dorfbewohnern, die auf den Straßen waren, spendete der Geistliche mit der Monstranz den Segen. Bei der Prozession, die durch das ganze Dorf führte und den Weg der vier Altäre einnahm, wurde nicht gebetet und nicht gesungen, und auch die Jugendblaskapelle war nicht dabei. Fremd h wirkte der Zug durch den sonst vielbevölkerten Wallfahrtsort um die nächtliche Stunde schon.

Die zweite Überraschung des Tages war, dass sich aus Volkach früh um fünf Uhr rund 70 Personen zur sonst offiziellen Wallfahrt nach Burgwindheim aufgemacht hatten. Sie liefen die über 30 Kilometer in kleinen Gruppen, trafen sich an bestimmten Orten zum gemeinsamen Gebet und Gesang und gingen dann wieder getrennt weiter die in früheren Zeiten gelobte Wallfahrt. Ihnen allen dankte Müller für ihr Engagement.

Das Blutsfest 2020 fand statt, aber eben ganz anders.