Interessante Produkte herzustellen und zu verkaufen ist eine Sache, diese dann auch an den Mann zu bringen eine andere. Dafür gibt es die Bi-Log: Ein oberfränkischer Logistikdienstleister, der allerdings weit mehr macht, als Pakete zu verschicken. Das mittelständische Unternehmen bietet seinen Kunden einen Service, der immer stärker nachgefragt wird: hybride Dienstleistungen.

Das heißt, sie verschicken nicht nur Produkte wie zum Beispiel Fernsehgeräte, sondern leisten auch spezifische Services. Sie individualisieren die Ware nach den Wünschen des jeweiligen Kunden. Ohne solche vor- oder nachgelagerten Dienstleistungen sind Industrieprodukte laut einer Studie, die von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft zur "Zukunft industrieller Wertschöpfung" in Auftrag gegeben wurde, gar nicht mehr denkbar.
Die Zukunft gehöre hybriden Geschäftsmodellen, bei denen anstelle von Produkten deren Nutzen verkauft werde.

Fernseher erhalten bei Bi-Log direkt vor dem Versand die für jedes Zielland spezifische Software. Router werden mit den benötigten Chips versorgt, Internetsticks mit Mobilfunkkarte und unterschiedlichen Brandings versehen. Das ist eine Dienstleistung, die es in dieser Form hierzulande nicht noch einmal gibt: "Dafür haben wir über viele Jahre erhebliches IT-Knowhow aufgebaut und einen Automatisierungsgrad realisiert, der für einen Dienstleister mit vielen unterschiedlichen Kunden in Deutschland einzigartig ist", erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Claus Huttner, und der muss es schließlich wissen.

Denn er gründete 1989 gemeinsam mit Heribert Trunk die Bi-Log Service Group in Bamberg. Die Bi-Log Gesellschaft für Logistik und Informationsmanagement in Scheßlitz und Hof ist neben dem Service-Center KundenProfi, der Personalvermittlung MitarbeiterProfi und dem Mobilfunk-Reparaturdienstleister Quips eine 100-prozentige Tochter davon. Huttner leitet dort den Vertrieb. Seit 2008 mischt auch noch ein Nordlicht an der Spitze mit. Thomas Käppner aus Bremen ist als Mitunternehmer in die Firma eingestiegen und nun für das operative Geschäft in Scheßlitz zuständig.

Schnelligkeit und Flexibilität sind die Faktoren, auf die es in der Branche am meisten ankommt. "Wir können schnell auf neue Erkenntnisse und Gegebenheiten reagieren", sagt Huttner. Das war auch gefordert, als ganz besondere Haarglätter mit dem Gesicht der neuen Gewinnerin von Heidi Klums Top-Model-Show auf den Markt kamen. Denn am Morgen nach der Entscheidung sollten die Geräte bereits das Lager verlassen. Innerhalb einer Nacht musste die Hülle mit dem neuen Gesicht bedruckt, die Glätter darin verpackt und ausgeliefert werden.
Die hybride Dienstleistung macht so etwas möglich. Hersteller werden dadurch entlastet: "Sie müssen sich um immer weniger kümmern. Wir übernehmen die Details." So könne sich jeder besser auf seine Kernkompetenz konzentrieren. "Und unsere ist eben die Logistik", sagt Käppner.

Im vergangenen Jahr baute das Unternehmen ein automatisches Kistenlager für vier Millionen Euro auf. 44 000 Behälterplätze stehen nun für die Zwischenlagerung von Waren zur Verfügung. Im Lager laufen lange Transportbänder durch die Hallen, um die Pakete von einer Bearbeitungsstelle zur nächsten zu bringen. An jeder Station stehen Mitarbeiter, die die Pakete sortieren, sie mit Seriennummern beschriften oder neu verpacken - je nachdem, was der Kunde wünscht. "Standardisiert individualisiert", nennt Huttner das mit wenigen Worten. Die Einbindung von IT in solche Prozesse erleichtert die Arbeit, der Waren- wird mit dem Datenfluss verknüpft.
Gerade Mobilfunk-Produkte müssen mit Daten aufbereitet werden. Für den Anbieter Telefónica erledigt Bi-Log beispielsweise alles von der Freischaltung bis zum Anlegen der Kundendatei: Die Mitarbeiter übertragen die Kunden- und Bestelldaten, Gerätenummern und SIM-Kartendaten auf jedes Handy. Daneben werden Ersatzteile gelagert und Werbemittel erstellt.

Die neueste Errungenschaft ist eine "Private Cloud", durch die die IT-Anwendungen nicht mehr an bestimmte Computer oder Server gebunden sind, sondern virtuell in der Cloud eine Arbeits- und Speicherkapazität zur Verfügung haben. Jeder Kunde bekommt Zugang zu seiner privaten Cloud und kann von überall darauf zugreifen. "Die Daten werden nur in Deutschland gespeichert", garantiert Käppner.
Durch den zunehmenden Online-Handel steigt die Nachfrage nach solchen Rundum-Angeboten. Das lässt sich an den Umsatzzahlen ablesen. Rund 15 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr in Scheßlitz erwirtschaftet. Um den Full-Service anbieten zu können, bildete das Unternehmen als erste in Deutschland IT-System-Kaufleute aus. "Diesen Beruf gab es gar nicht, bevor wir ihn geschaffen haben", erinnert sich Huttner.

Die Ausbildung ist für sie ein großes Thema: 13 von den 150 Mitarbeitern sind Azubis und viele davon bleiben danach im Unternehmen, wie Anja Diller aus Merkendorf, die 2002 hier gelernt hat und noch immer im IT-Lager arbeitet. Auch Florian Tuffner hat vor 13 Jahren eine Ausbildung hier absolviert, heute ist er Chef der IT-Abteilung. Huttner könnte viele Mitarbeiter aufzählen, die schon lange dabei sind. Denn das Unternehmen setzt auf Beständigkeit. "Wir wollen, dass die Mitarbeiter sich hier wohl fühlen. Sie sollen nicht nur in der Region, sondern auch hier im Unternehmen verwurzelt sein."

Claus Huttner selbst ist gebürtiger Oberfranke und fühlt sich hier selbstverständlich zuhause. Der Bremer Thomas Käppner ist begeisterter Neu-Franke: "Ich wohne jetzt dort, wo andere Urlaub machen. Und ich mag die Bodenständigkeit der Oberfranken", bekennt er. "Sie sind mit ihrer Kultur verwachsen und wissen wie man gut lebt - das gefällt mir."