Es geht um einen Streifen Land am Rande der Kastanienstraße. Groß genug, um dort einen Spiel- und Bolzplatz für größere Kinder und Jugendliche zu errichten. So etwas fehlt schon lange in der Natosiedlung, wo ab 2014 viele junge Familien einzogen. Etwa 200 Kinder leben hier mittlerweile zwischen Hauptsmoorwald, Autobahn, Ankerzentrum und Bundespolizei.

Für die Kinder zählen die hohen Zäune ringsherum zum gewohnten Bild - doch wie viele Erwachsene geben sie die Hoffnung auf etwas mehr Platz und Bewegungsfreiheit nicht auf. "Viel hat sich in den vergangenen Jahren aber nicht getan", sagt Alexander Schmiechen aus dem Beirat der Natosiedlung. Der Kontakt zur Stadtverwaltung sei gut, der Konversionsreferent engagiert, aber die einzige konkrete Verbesserung sei zuletzt ein kleiner Parkplatz gewesen, den die Bewohner nun nutzen dürfen.

Seit langem hatte die Stadt Bamberg signalisiert, dass sie das Grundstück am Rande der Kastanienstraße gerne kaufen würde. Die Wiese liegt derzeit direkt hinter dem AEO-Zaun, selbst ein bereits vorhandener Buswendekreis könnte hier wieder genutzt werden. Das Ankerzentrum brauche die Fläche nicht, auch der Freistaat Bayern wäre einverstanden. Und die Gespräche mit der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima) seien zuletzt eigentlich auch vielversprechend gelaufen. "Wir wären uns mit allen einig und würden auf diesem Streifen gern einen Bolzplatz schaffen, wie ihn sich die Bewohner der Natosiedlung wünschen", erklärt Konversionsreferent Christian Hinterstein. Doch dann hieß es plötzlich aus Bima-Kreisen, dass Bundesbedarf für die etwa einen Hektar große Fläche angemeldet worden sei.

Viel spricht dafür, dass dieser Bedarf von der Bundespolizei ausgeht, die daneben ihr Aus- und Fortbildungszentrum hat. Unsere entsprechende Anfrage bei der Bundespolizei blieb aber bis zum Redaktionsschluss noch unbeantwortet. Schon Anfang 2019 hatte ein Sprecher aber in anderem Zusammenhang erklärt, dass diese derzeit auf keine Fläche verzichten könne.

"Ich frage mich schon, wofür die Bundespolizei gerade auch diesen Grünstreifen noch unbedingt braucht", sagt Anwohner Schmiechen. Der Standort Kastanienstraße sei ohnehin schon die Ausweichfläche gewesen, nachdem ein Bolzplatz neben der ehemaligen Elementary School nicht möglich war. In diesem Fall hatte die Bundespolizei "Sicherheitsbedenken" geäußert, den dortigen Zaun zu versetzen. "Da ist eine riesengroße Wiese, die nun nicht genutzt wird", klagt Schmiechen, der seit 2015 in der Natosiedlung lebt. "Im Moment haben große Kinder und Jugendliche hier keine Möglichkeiten zur sportlichen und spielerischen Betätigung."

Wie konkret der Bundesbedarf nun an der Kastanienstraße ist und ob es dennoch zu einem Verkauf kommen könnte, soll demnächst auf Bima-Vorstandsebene besprochen werden. "Bundesrecht geht vor", teilt dazu Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) mit. Noch aber sei "der Sack nicht zu", weshalb die Stadt weiter beharrlich über einen Verkauf verhandle. Das hat auch der Konversionssenat in seiner jüngsten Sitzung noch einmal einstimmig untermauert. "Es blutet einem das Herz, wenn man vor diesem Zaun steht, der den Bewohnern so viel Lebensqualität vorenthält", hatte Karin Einwag (Grünes Bamberg) festgestellt. "Da muss sich jetzt endlich was bewegen."

Durchgang zum Wald

Zumindest soll der gewünschte Durchgang von der Wohnsiedlung in Richtung Autobahnunterführung nach vielen Gesprächen Hintersteins im kommenden Jahr möglich werden. "Und seit anderthalb Jahren prüft die Bundespolizei, ob es möglich wäre, den Zaun entlang der Straße Richtung Golfplatz ein wenig nach hinten zu versetzen", sagt Schmiechen. Als Begründung für den Verzug werde wie so oft angeführt, dass das Gesamtkonzept für das Aus- und Fortbildungszentrum noch nicht abschließend vorliege. Den besagten Privatweg dürfen mit Einverständnis des Golfclubs auch die Bewohner der Natosiedlung nutzen, um in die Gartenstadt zu gelangen. Und direkt hinter dem Zaun wäre ein gut ausgebauter Gehweg.

In der Zwischenzeit würden aber Tatsachen geschaffen, der Zaun noch weiter verstärkt, Teile angeschweißt und Schotter aufgefüllt.

"Das wir selbst mit unseren bescheidenen Forderungen nicht vorankommen, frustriert auf Dauer schon", sagt Schmiechen.

"Wir verlangen ja nicht gleich den ganz großen Wurf, aber ein Spielplatz und ein Fußweg müssten doch eigentlich möglich sein."