Bamberg
Welterbe

Besuchern kaum mehr zumutbar

In der Neuen Residenz warten viele Schauräume auf eine Restaurierung. Die Bayerische Schlösserverwaltung kündigt Maßnahmen an.
Auch im König-Otto-Zimmer pudert Farbe von der Decke. Gut zu erkennen ist die rot-blaue Wandmalerei hinter dem Leiter des Staatlichen Bauamts, Fritz Angerer (rechts). Man entdeckte sie nach dem Entfernen der hölzernen Verkleidung. Foto: Matthias Hoch
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Am Zustand der Neuen Residenz gibt es nichts mehr zu beschönigen. Abgesehen von dem vor wenigen Jahren restaurierten Kaiser-Appartement im zweiten Stock hinterlassen die übrigen Schauräume einen "kaum mehr zumutbaren Eindruck". Dieses Zitat stammt nicht etwa aus dem Kommentar eines enttäuschten Besuchers, sondern aus einer Presseinformation der Bayerischen Schlösserverwaltung. Dass vieles "extrem herunter gekommen" ist, kann Bernhard Schneider, der Bamberger Statthalter der Schlösserverwaltung mit Dienstsitz in der Neuen Residenz, nur bestätigen. Die Führer täten sich inzwischen schwer, das Schloss "gut" zu verkaufen.
Ein Gang durch das fürstbischöfliche Appartement im ersten Stock zeigt, dass es eigentlich nicht mehr vorzeigbar ist: In jedem der 15 Räume aus dem 17. und 18. Jahrhundert löst sich Farbe von Wänden und Fensterrahmen, Decken und Wände sind von Rissen durchzogen, was einmal weiß gestrichen war schimmert schäbig grau. Stuck, Gemälde, Lüster, Möbel und Tapisserien - alles wirkt schmuddelig. Die Erklärung ist einfach: Die letzte Renovierung liegt über 70 Jahre zurück.

Vom Krieg verschont geblieben


Der Grund ist nachvollziehbar. Die Bayerische Schlossverwaltung hat vorrangig in Häuser mit investiert, die - anders als die Neue Residenz - im Krieg geschädigt wurden. Aus Bamberg hat der damalige Schlossverwalter im August 1945 nur einen Glasschaden über 10 000 Reichsmark nach München gemeldet.

Inzwischen hat der Erhaltungszustand aber einen kritischen Punkt erreicht, der keinen Aufschub mehr duldet. "Wenn jetzt nichts passiert, droht Substanzverlust", sind sich Fritz Angerer, der Leiter des Staatlichen Bauamts Bamberg, und der für die Neue Residenz zuständige Abteilungsleiter Ulrich Delles einig. Sie sind froh, dass die Bayerische Schlösserverwaltung endlich eine Gesamtsanierung plant, um den "außergewöhnlichen universellen Wert, die Echtheit und Unversehrtheit der Neuen Residenz Bamberg auf Dauer mit der gebotenen Sorgfalt zu erhalten".

Die Arbeiten können ausgeschrieben und vergeben werden, sobald der Bayerische Landtag die für den Anfang erforderlichen zwei Millionen Euro bewilligt hat. In Bamberg rechnet man damit, dass dies Ende März der Fall sein wird. Mit jährlich über 35 000 Besuchern ist die Neue Residenz eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Weltkulturerbe. Für die Kommune war das ein Grund, das einstige Schloss der Fürstbischöfe mit auf die Liste der Objekte zu nehmen, für die Verwaltung und Stadtrat 2009/2010 Mittel aus dem Investitionsprogramm "Nationale Unesco-Welterbestätten" der Bundesregierung beantragt haben. "Berlin" hat 825 000 Euro für die Neue Residenz bewilligt. Sie ist nach Auskunft von Thomas Beese, der im städtischen Baureferat die Stadtsanierung verantwortet, das einzige staatliche Bauwerk, für dessen Förderung aus dem speziellen Konjunkturpaket sich die Stadt eingesetzt hat.

Die Bundesmittel gaben quasi die Initialzündung für den Einstieg in eine Gesamtsanierung, die die Bayerische Schlösserverwaltung der Neuen Residenz ab 2012 angedeihen lassen will. Schneider hofft, dass das Geld nicht auf halber Strecke wieder ausgeht, wie damals beim Kaiser-Appartement. Im ersten Bauabschnitt sollen vom fürstbischöflichen Appartement die beiden hintersten Räume gerichtet werden: das König-Otto-Zimmer, benannt nach dem früheren Griechenkönig Otto, der von 1862 bis 1867 in Bamberg im Exil lebte, sowie sein Ankleidezimmer. Voraussichtlich von Herbst 2012 bis ins Jahr 2014 hinein sind diese Zimmer Baustelle und nicht zu besichtigen.

Je nach Erhaltungszustand sollen die feste und mobile Ausstattung konserviert, restauriert und eventuell in Teilen rekonstruiert werden. Die fachliche Grundlage bildet eine Bestandsaufnahme, die Experten vor Ort und in Archiven schon 2011 vorgenommen haben. Dabei gab es auch manche Überraschung. Nach der Abnahme von Teilen der Holzvertäfelung im König-Otto-Zimmer kam dahinter zum Beispiel originale Wandmalerei zum Vorschein. Die wird man nach der Restaurierung wohl wieder abdecken, meint Delles, die Verkleidung künftig aber so anbringen, dass sie sich wie eine Tür öffnen lässt und einen Blick dahinter erlaubt.

Eine zweite Baustelle steht an Fassade und Dach des so genannten Schönborn-Baus bevor, in dem sich der Haupteingang befindet. Auch dort stellte das Staatliche Bauamt Sanierungsbedarf fest. Diese Arbeiten sollen schon im Juni anfangen, allerdings auf der Rückseite. Man will den einmaligen Gesamteindruck des Domplatzes im Jahr der 1000. Domweihe nicht durch Gerüste beeinträchtigen.

7000 Quadratmeter Dach


Die Schiefereindeckung der Neuen Residenz umfasst etwa 7000 Quadratmeter. Sie wird in regelmäßigen Abständen gewartet und ausgebessert. Bei solchen Arbeiten stieß man 2008/2009 am historischen Dachstuhl des Schönbornbaus auf Schäden, die das Gesamttragwerk in Mitleidenschaft zu ziehen drohten. Man konnte sie noch beheben, ohne Originalbauteile aus dem Barock austauschen zu müssen. Jetzt geht es nach Angaben aus dem Bauamt darum, die Schäden des Dachstuhls genau zu dokumentieren und den Ursachen der statischen Probleme auf den Grund zu gehen. Und das sei durchaus im Wortsinn zu verstehen: Mögliche geologische Besonderheiten des Baugrunds auf dem Domberg könnten aus Expertensicht eine Rolle spielen.

Für die Sanierung der insgesamt 11 700 Quadratmeter umfassenden Fassade der Neuen Residenz will das Staatliche Bauamt in den nächsten Monaten ein Musterprojekt erarbeiten. Weil sich der Unterhalt in der Vergangenheit darauf beschränkt hat, aktuelle Schäden zu beheben, besteht die Chance, noch Original-Putz aus der Zeit von Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn zu finden. Man will ihn lokalisieren und dann einen Weg suchen, wie er gesichert und für die Nachwelt erhalten werden kann.
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