Unermüdlich füllen Helene Güßregen und Margareta Stöcklein selbst gemachtes Sauerkraut aus dem Fass in Tüten. Die beiden Hallstadter Gärtnerinnen in ihrer typischen Tracht haben aber noch weitere Erntefrüchte im Angebot: Kartoffeln, Kohlrabi, Kürbisse, Salat, Rettiche oder Karotten. "Alles ist von uns gestiftet", erklären die Frauen. Gegen eine Spende für Bambergs senegalesisches Partnerbistum Thiès kann jeder Gemüsefan so viel mitnehmen, wie er tragen kann. Und es sind nicht wenige, die sich den Gang in den Supermarkt sparen und die frische Ware bevorzugen.

Das passt zu diesem Diözesan-Erntedankfest im Schön stattzentrum auf dem Marienberg bei Scheßlitz, zu dem die Katholische Landvolkbewegung (KLB) am Sonntag eingeladen hatte. "Die Leute sollten mehr Regionales schätzen", meint Gärtnerin Güßregen, ganz Geschäftsfrau und ganz verwurzelt in ihrem heimischen Grund und Boden. Für sie und Margareta Stöcklein mit ihrem Ehemann Heinrich ist es eine Selbstverständlichkeit, das Wachsen und Gedeihen ihres Gemüses nicht nur ihrer Hände Arbeit zuzuschreiben: "Es ist uns ein Bedürfnis, Gott Danke zu sagen", betonen die Gärtnerinnen.

Und so haben sie in der überfüllten Kirche des Schönstattzentrums den Erntedankgottesdienst besonders innig mitgefeiert. "Für die Schöpfung danken - Schöpfung erhalten" stand über dieser Messfeier, die Diözesanlandvolkseelsorger Ewald Thoma und Diakon Gerhard Walz zelebrierten. Die Musikgruppe "Mediation" unter der Leitung von Johannes Berner lieferte den melodiösen Sound und steckte die Gottesdienstgemeinde zum kräftigen Mitsingen an. Doch wer Erntedank bloß als reines Traditionsfest begehen wollte, wurde enttäuscht. Natürlich gab es vor dem Altar auch die obligatorische Erntekrone aus Getreide, Feldfrüchten, Brot und Wein.

"Arbeit ist ein sozialer Auftrag"


Aber eine leere Formel blieb diese Feier nicht. So hatte auch die Diözesanvorsitzende der KLB, Veronika Lunz, eingangs ausdrücklich einen "besinnlichen Erntedanksonntag" gewünscht. Pfarrer Thoma sorgte dafür, dass die Besucher denn auch Bedenkenswertes mit in den Alltag nehmen konnten.

"Immer weniger hierzulande haben einen Bezug zu gesunden Lebensmitteln. Was in Fülle vorhanden ist, wird tonnenweise weggeworfen, und anderswo werden die Menschen nicht satt", prangerte Thoma eine gängige Praxis an. "Mit weggeworfenen Lebensmitteln berauben wir die, denen Nahrungsmittel fehlen", fügte der Prediger hinzu. Und wer denke darüber nach, wie viele Hände es in Ländern der südlichen Erdhalbkugel brauche, damit morgens der Kaffee und Kakao auf den Tisch kommen könnten? Thoma schlug den Bogen zu notwendigem "gerechten Lohn" allerorten: "Arbeit ist ein sozialer Auftrag." Lohn der Arbeit müsste jedoch "Dankbarkeit sein".

Das Leben ist ein Geschenk


Die meisten würden verdrängen, dass das Leben, die Erde selbst ein Geschenk seien, fuhr Pfarrer Thoma fort. "Gottes Schöpfung ermöglicht unser biologisches Leben." Auch dafür forderte der Landvolkseelsorger Dankbarkeit ein. Und er forderte dazu auf, Verantwortung für die Gestaltung der Gesellschaft zu nehmen: "Das Reich Gottes beginnt hier", betonte Thoma.

Die Festbesucher nahmen das wörtlich: Bei lebhaften Tischgesprächen beim Mittagessen fanden Leute zusammen, die sich irgendwann aus den Augen verloren hatten, oder die sich besonders intensiv über die Predigt austauschten. "Das Wiedersehen und Wiedertreffen ist einfach schön bei der KLB", meinten etwa Karl und Maria Ruß aus Willanzheim. Das Ehepaar verkaufte Frankenwein. Einen Teil des Erlöses spendeten sie ebenfalls für das Partnerbistum Thiès. Zumal die KLB ja die "Mutter" dieser Diözesanpartnerschaft ist.