Die 21-jährige Selina Gron und der 29-jährige Sebastian Zang sind beide glücklich und rundum zufrieden. Seit nunmehr acht Wochen arbeiten sie gemeinsam im Bamberger Klinikum und scheinen hier einen Beruf gefunden zu haben, den sie sehr gerne ausüben.

"Ich wollte schon immer mit Menschen zusammenarbeiten. Ich habe keine Berührungsängste und gehe stets offen auf Menschen zu", schildert Selina Gron. Daher habe sie sich auch zugetraut, nachdem sie rund zwei Jahre im hauseigenen Catering und der Cafeteria von Integra Mensch in der Dr.-von-Schmitt-Straße erste Erfahrungen gesammelt hatte, ihren Dienst im Klinikum anzutreten.

Hier steht sie seit Ende Januar nun täglich unter der Woche sieben Stunden abwechselnd als Kliniklotse sowie als Hilfskraft in der Krankenhaus-Bibliothek zur Verfügung. "Vormittags zeige ich auf der ambulanten Station der Inneren Medizin den Patienten den Weg und führe sie gegebenenfalls sogar persönlich zu den Zimmern, wo ihre Untersuchungen stattfinden", berichtet Selina Gron. Inzwischen kennt sie das Klinikum ganz gut und weiß, den richtigen Weg zu finden. Und für alle Notfälle hat sie auch immer einen kleinen Spickzettel bei sich, der ihr bei der Orientierung hilft. In der Regel begleitet sie am Tag bis zu acht oder neun Patienten. Das Feedback, das sie bisher von Seiten der Patienten bekommen hat, war bisher durchwegs positiv. Viele, besonders ältere Menschen freuen sich über den neuen Servicedienst.

Mit Büchern zu den Patienten

Ab nachmittags wechselt sie in die Bibliothek des Klinikums. Dort klappert sie dann mit ihren Bücherwagen die Krankenzimmer ab und bietet Patienten verschiedene Lektüren an. "Am Tag gehe ich meist durch zwei Stockwerke. Viele Patienten freuen sich über meinen Besuch und oftmals bleibt sogar etwas Zeit für ein kleines Gespräch", sagt die 21-Jährige.

Auch Sebastian Zang arbeitet seit einigen Wochen im Bamberger Klinikum. Für ihn ist es nicht der erste Beruf. So war er unter anderem schon in der Hauptverwaltung der Lebenshilfe tätig. "Dort habe ich mit vielen Menschen zu tun gehabt, doch im Klinikum ist das noch einmal eine Steigerung", erzählt Zang. Seine Aufgabe ist es, in der Ambulanz den Patienten Auskunft zu geben und ihnen den Weg zu zeigen.

Auch er hat dabei nur positive Erfahrungen gesammelt, aber auch so manche Kuriosität. So sei eines Tages ein Patient an die Infothek gekommen und habe ihm einen Zettel mit Medikamenten gezeigt. "Dann fragte er mich doch allen Ernstes, ob die Dosis stimme und wann er was einnehmen müsse", schildert der 29-Jährige. Viel Geduld müsse er ebenfalls mit der Parkschranke aufbringen. Denn wenn jemand mit dieser ein Problem habe, landet er oftmals bei ihm.

Wie seine Arbeitskollegin wechselt er ebenfalls um die Mittagszeit sein Aufgabengebiet. Dann sitzt er hinter der Infothek am Eingangsbereich und unterstützt dort die Mitarbeiter. Hier erteilt er Auskunft, in welchen Zimmern Patienten liegen, besorgt Patienten Telefonkarten oder weist Ratsuchenden den Weg. "Ich habe mich inzwischen gut eingelebt und kann mir durchaus vorstellen, den Job über eine längere Zeit zu machen", resümierte er.

Die Praktikumsphase ist inzwischen beendet und die Sozialstiftung hat für die beiden nunmehr zwei unbefristete Arbeitsstellen geschaffen. "Ich denke für uns war es eine große Herausforderung, aber wir freuen uns nun umso mehr das Projekt unterstützen zu können", betonte der Vorstandsvorsitzende der Sozialstiftung, Xaver Frauenknecht.

Bereichernde Kompetenzen

Für Gesundheitsministerin Melanie Huml, die selbst die eine Patenschaft in dem Integra Menschen-Projekt übernommen hat, ist es ein außergewöhnliches Konzept: "Menschen mit Behinderung sollen dabei dort leben und arbeiten, wo auch Menschen ohne Behinderung leben und arbeiten." Denn Menschen mit Behinderung hätten genauso ihre Kompetenzen, die sie einbringen und ihr Arbeitsumfeld damit bereichern können. Daher würde sie sich wünschen, dass künftig viele weitere Unternehmen eine Patenschaft übernehmen und möglichst viele Menschen mit Behinderung entsprechend ihres Leistungspotenzials integrieren.