In der vergangenen Woche hat im Landkreis Bamberg die Raps- und Getreideernte begonnen. Und die ersten Ergebnisse auf den Feldern haben die wenig optimistischen Prognosen bisher bestätigt. Vor allem beim Wintergetreide sind erhebliche Einbußen zu verzeichnen, sagt der Kreisobmann des Bauernverbandes, Heiner Faatz. Das ist zwar unterschiedlich nach Lage und Witterungseinflüssen, unter dem Strich aber herzlich wenig. Auseinander gehen laut Faatz die Erträge in den Tallagen und auf den Jurahöhen.

"Normalerweise ist die Braugerste um diese Zeit schon weg", sagt der Kreisobmann. Heuer hat die Ernte gerade begonnen und macht derzeit - wegen der nass-kühlen Witterung - erst einmal Pause. Beim Raps zeichne sich in einigen Bereichen aber schon jetzt ein Totalverlust ab. "Zwischen null und 35 Doppelzentner" würden hier pro Hektar geerntet, meint Faatz, schätzungsweise 15 Prozent der Ackerfläche könnten vom Totalausfall betroffen sein.

"Sehr durchwachsen" sind nach seinen Worten die bisherigen Ergebnisse bei der Gerste. In den Tallagen machten sich vor allem die "Auswinterungsschäden" durch die Temperaturschwankungen im Winter bemerkbar. Der starke Frost in den Nächten des Februars und die relativen Erwärmungen tagsüber hätten die zarten Wurzeln des gerade gekeimten Getreides abreißen lassen. Gefehlt habe der Schutz durch eine Schicht Schnee. Beim Weizen seien die ersten Schläge gedroschen, hier lägen die Erträge um etwa ein Drittel bis ein Viertel unter dem langjährigen Durchschnitt.

In Unterfranken, so Kreisgeschäftsführer Hubert Dietz, hätten etwa 60 bis 70 Prozent der Herbst-Aussaat im Frühjahr noch einmal umbrochen und neu angesät werden müssen. Im Bamberger Land sei davon vor allem die Steigerwald-Region betroffen gewesen. Leider wurde die Neuansaat dann aber von "nicht optimalem Wachswetter" begleitet. "Vielleicht merkt man da den Klimawandel", meint Dietz, "mit längeren Trocken- und dann wieder heftigen Regenperioden. Dann gibt es wieder Tage mit großer Hitze und anschließender Abkühlung." Vor allem der Temperaturwechsel schwäche die Pflanzen.

Profitiert hätten diesmal die an und für sich weniger günstigen Jura-Lagen, sagt Kreisobmann Faatz weiter. Der Höhenunterschied von 100 bis 150 Meter habe bewirkt, dass dort während der Frostperiode noch eine - wenn auch dünne - Schicht Schnee den Pflanzen natürlichen Schutz gewährte. "Ich gönne den Jura-Bauern aber diesen Bonus und hoffe, dass die Ernte gut und unfallfrei eingebracht werden kann."

In den Himmel gewachsen sind die Bäume in den höheren Regionen aber auch nicht. Franz Popp aus Wattendorf hat noch keinen Raps gedroschen, er erwartet aber eine Ernte leicht unter dem Durchschnitt. Stark "zwiewüchsig" - unterschiedlich reif - ist bei ihm vor allem die Sommergerste, was zu Qualitätseinbußen und erheblichen Trocknungskosten führen dürfte. "Gewaltig unter den durchschnittlichen Erträgen" liegt die Wintergerste. Also doch kein Schutz durch den Schnee?

"Das schon", sagt Popp. Dann habe sich im Frühjahr aber die Trockenheit stark bemerkbar gemacht. Normal ernte er 60 bis 65 Doppelzentner pro Hektar, heuer seien es im Durchschnitt etwa 45 Doppelzentner gewesen. "Relativ gut" entwickeln sich die Erlöse für das Futtergetreide. "Der Unterschied zur Braugerste beträgt nur noch 1,50 Euro pro Doppelzentner, die Mehrkosten für den zusätzlichen Pflanzenschutz der Braugerste kommen da nicht raus. Da dürfen sich die Mälzereien etwa einfallen lassen", sagt er.

"Nicht schlecht" nennt Bernhard Ziegmann, Geschäftsführer des Lagerhauses Lieb in Scheßlitz, die Erlöse auf dem Getreidemarkt. Aktuell könnten die Bauern ihr Getreide zu einem wirtschaftlichen Preis von mehr als 20 Euro pro Doppelzentner absetzen. Wegen der Ernte-Ausfälle auch in Weißrussland, der Ukraine sowie Nord- und Südamerika sei zudem nicht mit extremen Schwankungen zu rechnen. "Was kommt, weiß man aber nicht", sagt Ziegmann.