"Jetzt ist umgesetzt, was schon seit 2002 in alten Wahlprogrammen auf der Agenda stand", freute sich Erster Bürgermeister Thilo Wagner am Tag der Einweihung der neuen Aussegnungshalle und des erweiterten Friedhofs in Stegaurach. Nach knapp 1,5 Jahren Bauzeit und bei einer Investitionssumme von rund 1,8 Millionen Euro ist eine gelungene Anlage entstanden, wie bei der Feier von allen Seiten betont wurde. Die Stegauracher haben künftig viele Bestattungsformen zur Auswahl.

Rasengräber und Friedhain

Besonders wichtig war es Wagner eigenen Angaben zufolge, dass die Stegauracher künftig aus verschiedensten modernen Bestattungsarten wählen können. So sind neben dem alten Friedhof auf drei Terrassen 140 Urnengräber und 27 Erd-Rasengräber vorgesehen. Der Friedhain bietet Platz für 150 Urnen-Baumbestattungen für Paare, Alleinstehende und Familien. Auch Sozialbestattungen seien hier möglich, so Wagner. Selbst Gräber für Sternenkinder habe man bedacht.

Zusammengehalten werde die Anlage vom sogenannten seidenen Pfad. Dieser bringe zum Ausdruck, dass der Stegauracher Friedhof ein Ort des Zusammenhalts sein soll. "Denn auch auf dem Friedhof bleiben wir eine Gemeinde, wollen wir Schweres gemeinsam tragen und unser Leben teilen", sagte Wagner.

Ort des Zusammenhalts

Dass der neue Stegauracher Friedhof "ein Beispiel für ein sehr schönes Gemeinschaftswerk" ist, betonte Zweiter Bürgermeister Bernd Fricke, der eine sehr persönliche und emotionale Rede hielt. Gemeinderat, Bürgerinnen und Bürger, Pfarrgemeinderat, Verwaltung und Bauhof sowie die Arbeitskreise hätten sich mit der Thematik lange und ausführlich beschäftigt, um einen für alle Stegauracher guten und schützenden Ort zu schaffen.

Die Friedhofsanlage sei schon fertig gedacht, aber noch nicht fertig gebaut, erklärten Architekt Arne Vogels und Landschaftsarchitektin Elke Döhler. "Der Friedhof erhält noch einmal ein völlig neues Gesicht, wenn im zweiten Bauabschnitt die Verknüpfung mit dem alten Friedhofsteil fertiggestellt ist", so die Planer.

Jetzt schon wirkten allerdings das Dach mit seiner Neigung von 59 Grad und das gestaltete Gelände, auf dem etwa 1100 Kubikmeter Erdmassen und Kies bewegt wurden, hervorragend. Auch Details wie die Skulptur "Liegender Engel" oder das Holzkreuz in der Aussegnungshalle verfehlten ihre Wirkung nicht. Letzteres drücke die Zerrissenheit der Trauernden und das Aufgefangensein in der starren Form bzw. dem Glauben bestens aus. "Wir können den Stegaurachern nicht ihre Trauer nehmen", sagten Vogels und Döhler, "aber für die Atmosphäre können wir etwas tun".

Verweis auf die Unendlichkeit

Ein weiteres Detail, das die Atmosphäre in der neuen Aussegnungshalle zu einer ganz besonderen macht, ist das große Kunstfenster von Johannes Schreiber. Der Künstler selbst erläuterte seine Intention hinter dem Kunstwerk, das mit der Durchschnittsfarbe des Universums, Ocker, auf die Unendlichkeit verweist. Durch die vielen aufgehängten Platten mit aufgesprayten "Schmauchspuren" werde zudem auf die verbleibenden Spuren des Lebens verwiesen.

Beeindruckt von dem Bau zeigte sich Landrat Johann Kalb: "Wir weihen heute den Stegauracher Friedhof, eine schöne, vielfältige und lichtdurchströmte Anlage." Sie bringe gut die Offenheit und Freiheit der Stegauracher zum Ausdruck. Tatsächlich kamen viele Bürger zu der Einweihung mit anschließendem Konzert zum Innehalten, informierten sich und genossen Bau, Anlage und Atmosphäre bei Sekt, Kaffee und Häppchen.

Die Musiker Adalbert Jäger (Akkordeon), Sabine Karger-Karl mit Tochter Johanna (Flöte) und Norbert Schmitt (Gitarre) gaben mit ausgewählten Stücken die Stimmung auf dem Friedhof wieder: besinnlich, traurig und manchmal auch fröhlich.