Und sie trauen der Wende (noch) nicht. Dennoch setzen sie oft auf Bürgersolaranlagen, Windkaft und Innovationen wie beim Bamberger "Bambados". Es handelt sich dabei um Europas ökologischstes Hallenbad.

Sie sind die eigentlichen Macher, wenn es um die Energiewende geht, die Verantwortlichen der Stadtwerke. Letztere sind neben vielem anderen auch zuständig für die Verteilnetze, die den Strom zum Endkunden, in die Privathaushalte oder Firmen, liefern. Und sie produzieren auch selbst Strom. In Müllheizkraftwerken zum Beispiel, aber auch im Verbund mit anderen Stadtwerken in großen Windkraftanlagen. Wenn es um größere Investitionen geht, regiert in den Geschäftsführeretagen der Stadtwerke allerdings noch Skepsis. "Wir müssen uns auf die Kontinuität von politischen Entscheidungen verlassen können," erklärt Kurt Mühlhäuser. Er ist Chef der Münchner Stadtwerke und zugleich Vorsitzender der Landesgruppe Bayern des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Ihn wurmt, dass "nach einem Jahr der politischen Diskussionen zur Energiewende noch keine verlässlichen Rahmenbedingungen bestehen, die den Weg in das Zeitalter erneuerbarer Energien ebnen."

Dabei möchte man gerne investieren. In den Ausbau der Verteilnetze etwa, in die Kraft-Wärme-Kopplung, aber auch in effiziente Gaskraftwerke. Mühlhäusers Vorbehalt: "Wenn sich morgen die Politik dreht, können wir nicht übermorgen einfach ein neues Geschäftsmodell aus der Schublade ziehen." Vertrauen in die Politik hört sich anders an.

Gas könnte die Lösung sein

Dabei müssten die Netze rasch ausgebaut werden. Weil 97 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien auf Ebene der Verteilnetze eingespeist werden. Mühlhäuser sieht deshalb die von den Kunden erwartete Versorgungssicherheit in Gefahr. Auch deshalb, weil die Einspeisung von Strom aus Wind- und Sonnenkraft nicht regelmäßig erfolgen kann, sondern von Tageszeit und Windstärke abhängig ist. "Wir kommen zum Ausgleich dieser Schwankungen um den Ausbau gesicherter Kraftwerksleistung nicht umhin," erläutert Mühlhäusers Bamberger Kollege Klaus Rubach. Im Klartext: Auf absehbare Zeit braucht es noch konventionelle Kapazitäten. Neue, flexible und effiziente Kraftwerke.

Die Gaskraft könnte eine solche Lösung darstellen. Aber: Der Markt lässt derzeit einen wirtschaftlichen Betrieb solcher Anlagen nicht zu. Weshalb die Investoren fehlen. Besser steht es dagegen um die Kraft-Wärme-Kopplung. In der unlängst beschlossenen Erhöhung der Förderung um 0,3 Cent pro Kilowattstunde sehen die Stadtwerke-Chefs eine deutliche Verbesserung der Planungs- und Investitionsbedingungen. Unabhängig davon hat jeder Stadtwerke-Geschäftsführer seine eigenen Vorstellungen von der Zukunft der Energieversorgung. Ganz abhängig von den regionalen Gegebenheiten. Der Münchner Mühlhäuser hat zum Beispiel die Tiefengeothermie im Auge. Unter nahezu ganz Oberbayern findet sich bis zu 122 Grad heißes Wasser. Mit Hilfe dieser Quelle sollen einmal 60 bis 65 Prozent der Energie der Landeshauptstadt gedeckt werden.

"Bamberger Rinne"

In Franken geht das nicht. Klaus Rubach setzt deshalb zum Beispiel auf Bürgersolaranlagen und Windkraft. Und auf Innovation wie bei dem vor knapp einem Jahr eingeweihten Sport- und Familienbad Bambados. Es handelt sich dabei um Europas ökologischstes Hallenbad. Ein Musterbeispiel dafür, wie Stadtwerke die Energiewende aktiv betreiben können. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Hallenbad können zwei Drittel Energie eingespart werden. Und: Es werden rund 80 Prozent weniger klimaschädliches Kohlendioxid ausgestoßen.

Wie das geht? Dem Bad wurde eine luftdichte Außenhülle verpasst, die Beheizung erfolgt durch ein mit Holzhackschnitzeln betriebenes Blockheizkraftwerk. Das Holz wiederum stammt von schnell wachsenden Arten aus der unmittelbaren Umgebung. Es gibt eine patentierte Wasseraufbereitungstechnik und eine spezielle "Bamberger Rinne", die die Wasserverdunstung reduziert. Es gibt zwei Wasserrutschen, die allerdings nur im Innenbereich geführt werden.

Und es gibt nur ein kleines Außenschwimmbecken mit separatem Einstieg, also ohne Verbindung zum Innenbecken. Das spart jede Menge Energie. Für diejenigen, die es mit der Energiewende ernst meinen, eine akzeptable Einschränkung.

Welche Aufgaben haben Stadtwerke?